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Wer sind Ungarn bitte?

Eine verrückte Analyse!

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Verrückt: Ohne die Türken gäbe es keine Ungarn oder ohne die Ungarn vielleicht keine Türken?

Diese Frage stellt sich sehr oft und man hört die wildesten Spekulationen.

Aber erst: Das Bild zeigt den Turul am Budaer Burgpalast.  Der Turul ist ein Fabelwesen aus dem ungarischen und türkischen Mythenkreis. Warum steht es in Budapest?  Der Vogel hat Ähnlichkeiten mit einem Adler und mit einem Falken (Gerfalke, Falco rusticolus altaicus oder Würgfalke, Falco cherrug). Das Wort Turul kommt aus dem Alttürkischen. Turul am Budaer Burgpalast segen in Budapest sehen. Der Burgpalast (hun Budavári palota) auf dem Burgberg im Burgviertel ist das größte Gebäude Ungarns und eine Sehenswürdigkeit der Hauptstadt Budapest. Es nimmt den gesamten Südteil des Burgbergs ein. Das Gebäude ist auch als Königliche Burg (Királyi Vár) bekannt. Tatsächlich stammt der Begriff „Ungar(n)“ vom Wort „Onogur“ ab, einem der türkischen Stammesoberhäupter aus jener Zeit des ersten Kontaktes der Europäer mit den Ungarn.

Einer der Turul auf der Freiheitsbrücke Photo: Bengt Olof Åradsson Detail of liberty bridge

Für die allgemeine Verunsicherung haben vor allem die Habsburger schon vor 150 Jahren gesorgt, wohlgemerkt aus staatspolitischen Gründen. Die Osmanen waren hier auch nicht besser, wenn es um das Assimilieren gegangen ist.

In der neueren Geschichte haben die Herren dieser Zeit, die Sowjets, keinen Anlass gehabt, die bewährte Herkunftsideologie zu ändern. Hier möchte ich nur auszugsweise etwas über die Ungarn darstellen, die Einzelheiten sollte man auf  ungarischen oder auf englischsprachigen Seiten recherchieren. Die deutschsprachigen Webseiten spiegeln den 150 Jahre alten geistigen Zustand der Habsburger Politik wieder, daher würde ich von dem Besuch dieser Webseiten abraten.

1. Genetik der Ungarn
2. Ungarische Sprache
3. Berichte über Ungarn aus verschiedenen Epochen

Sprachverwandtschaft ohne genetische Verwandtschaft ?

Entgegen der Annahme der 150 Jahre alten Finnougristik haben die Ungarn keine genetische Verbindung zu den Finnen.

Die  Gen-Marker Forschung der letzten 15 Jahre hat diesen Beweis geliefert. Die Untersuchungen der ungarischen Akademie, der biologischen Institute der Uni Szeged und ferner die Untersuchungen an mehreren ungarischen, uralischen und zentralasiatischen Populationen im Auftrag des deutsch-finnisch-ungarischen Regierungsabkommens über Wissenschaft und Forschung, haben Gen-Marker Ergebnisse geliefert, wonach die Ungarn keine genetische Verwandtschaft zu den Finn-Ugriern haben.

Die ungarische Bevölkerung, je nach Stammesgebiet, hat eine genetische Verbindung zu den altaischen Völkern. Eine genaue Bestimmung lieferte Prof. Matstito, der bekannte Molekularbiologe aus Japan, die folgendes besagt: Die Ungarn stammen von den Uiguren ab.

Überrascht?  Die Finnougristik entstand im 19. Jahrhundert als eine politische Förderung der Habsburger in der „Bach-Kanzler-Zeit“. Vor allem nachdem die Habsburger den ungarischen Freiheitskampf (1848) mit Hilfe des russischen Zaren blutig niedergeschlagen haben, war man bemüht, dem rebellischen Ungarn das altaische Gedächtnis auszulöschen.

Eine Schar von Pseudo-Sprachforschern aus deutschen Landen wurde im politischen Auftrag nach Ungarn geschickt. Eine herausragende Figur war Josef Budenz, geboren 1836 in Deutschland bei Fulda. Andere Persönlichkeiten waren Paul Hunsdorfer und Franz Schedel, der sogar schon mit zehn Jahren die ungarische Sprache erlernte. Es waren noch viele weitere Fleißige am Werk, einige hatten sogar das Diplom eines Astronomen. Auf ungarischer Seite hat sich die katholische Kirche, vor allem die Jesuiten wie Johann Sajnovic und Anton Reguly, für die nordische Identität stark gemacht. Angesehene Politiker der Monarchie waren der Meinung, dass die Finnougristik der Staatsräson besser dienen kann und die Ungaren wurden für alle Mal von ihrer hunnisch-awarischen und türkischen Vergangenheit befreit. Fündig wurde man im XIX. Jahrhundert. Es wurden ca. 300 Wörter mit finnougrischer Herkunft gefunden. Die Methode der Finnougristik war, dass man die beiden Sprachen völlig isoliert von den anderen altaischen Sprachen untersuchte.

Ab sofort gab es nur eine strikte Trennung zwischen den Ural- und Altai-Sprachen. Es wurden monarchistisch-akademische Gesellschaften für Finnougristik gegründet, natürlich mit dem Ehrenvorsitz von Erzherzog Josef von Österreich. Trotzdem gab es mutige Forscher, die unter großen Entbehrungen gegen den Strom der Administration die altaische Herkunft verfolgt haben. Unter ihnen ist der bekannte Turkologe Vámbéry und Sándor Körösi Csoma, der 1836 nach Uiguristan aufbrach, um das „Urland“ der Ungarn zu finden.

Körösi wurde von der englischen Regierung unterstützt, als Gegenleistung hat er in Tibet das erste tibetische Wörterbuch fertiggestellt. Hier in den tibetischen Klöstern fand er viele schriftliche Hinweise auf die Herkunft der Ungarn. Er selbst wurde schwer krank und starb in Tibet ohne jemals Uiguristan zu erreichen. Die türkische und ungarische Sprache haben viele Gemeinsamkeiten. Dies ist nicht nur ein Resultat der osmanischen Belagerung sondern zeugt von einer Verwandtschaft, die weit in der Geschichte zurückliegt, z.B. das Wort „csizma“ (Stiefel).

Sowohl Ungarn als auch Türken waren seit Jahrtausenden Reitervölker, bei denen der Stiefel ein wichtiges Kleidungsstück war. Auch die Menschen dieser Völker hatten viele Gemeinsamkeiten. Als die Ungarn nach Europa einwanderten, wurden sie teilweise als Hunnen, Türken oder Awaren bezeichnet.

Definition: vor 150 Jahren, vor den Habsburgern, war nur die hunnisch-türkische Herkunft bekannt, somit war das uigurische Gen-Marker-Ergebnis nur die Bestätigung eines jahrtausendealten Volksgedächtnisses. Einige Beispiele für finnisch-ungarische Worte sind im Folgenden angeführt. Es sind hauptsächlich Begriffe von Körperteilen, einfache Naturbeschreibungen und Zahlenworte (nur bis vier):

deutsch               ungarisch                      finnisch

eins                         egy(edj)                               iksi

zwei                        kettö                                     kaksi

drei                         harom                                  kolmi

vier                         negy(nedj)                          nelja

Hand                      kez                                        kate

Fisch                       hal                                       kala

Wasser                    viz                                       vete

Blut                         ver                                      veri

 

Nach neuesten Untersuchungen enthält die ungarische Sprache mehr als 1500 Wörter „turk“ischen Ursprungs und die Zahl wächst fast täglich.

deutsch                 ungarisch                      kasakh                                  uighur

gelb                        sarga                            saru                                       serikh

Bart                        sakal                            sakal                                      sakal

Apfel                       alma                            alma                                       alma

mutig                      bator                            batul

klein                       kicsi                              kishi                                       kishik

Mensch                  ember                           ber                                         ber

Dass sich die Zahlenwörter nur bis vier etwas mit dem Ungarischen gleichen ist auch ein Hinweis für die finnougrischen Stämme, die sich in einem sehr frühen Stadium von der Altai-Familie getrennt haben. Für alle altaischen Sprachen, einschließlich Finnisch und Ungarisch, gilt, dass sie agglutinierend sind. Die Sprachkonstruktion des Ungarischen steht dem Türkischen am nähesten. Für beide gilt, dass sie streng agglutinierend sind und einer ähnlichen strengen Vokalharmonie folgen. Wie in ungarischer Sprache so gibt es auch im Türkischen keine Geschlechter.

Ein Ausschnitt aus dem Werk des Schriftstellers Körmendy mit einem Hinweis auf den Klang der Worte: (http://www.rkk.hu/forras/0003/kormendi.html)

Aussprache: cs=ç (tsch);s=s (sch); ny=(nj); z=s (wie Sarg); gy=dj (wie djam);ty=tj; sz=ß

Köttön, Csorba. Kunmadaras: Ajtos dulo, Berek, Darvas halom, Ecse, Üllo. Kisújszállás: Csegei sziget, Csivag,   Daraksa, Gástyás, laponyag, Gyalpár, Kara János, Turgony, Konta, Mirhó, Szoszkoma, Tarján ér, Ürmöshát. Karcag: Bengecseg,  Bézi sziget, Botonás, Bócsa,Csobi porong, Csoma ér, Deme sziget, Dusa porong, Ecse zug, Érbuga, Hegyesbori sziget, Hodos fenék,  Kargafenék, Katymár hát, Kise porong, Zádor ér, Murza laponyag, Penesziget, Tarattyó út,      Tarcsahát, Tíbuchalom, Hogyezug, Karczagtelke, Kargaderék.Tudom, önt máris eszi a mormáncsennyi barbárszép szó olvastán, melyek mindegyike szinte maga az osi Ázsia.

Ungarische Musik und Volkskunst

Mit der Musik ist das Volksliedgut gemeint und nicht die im Westen populären Kunstlieder (z.B. Csardas), die mit der traditionellen, ungarischen Musik nichts zu tun haben. Bartok und Kodaly waren Sammler des ungarischen Liedguts. Bela Bartok, der bekannte Komponist, war auch ein Forscher der ungarischen Musik. Zum Erforschen der Quellen reiste er in die Dörfer der Yürrük nach Anatolien (Türkei), um die bis zu 70 Prozent mit den ungarischen Liedern identischen Bauernlieder festzuhalten.

Die ungarische Volkskunst ist ohne Frage die Fortsetzung der altaisch-türkischen Tradition (Motive, Trachten usw.).

Abschied von Uiguristan

Ganz einfach ist es nicht, die Herkunft der ungarischen Sprache zu klären.

Ein Teil der ungarischen, französischen und anglo-amerikanischen Wissenschaftler weisen auf die sumerische Herkunft vieler Worte hin. Der Einfluss der Hunnen, die die Familie der agglutinierend-turanischen Völker symbolisieren, lässt sich zwischen Europa und Westchina erkennen. Die Uiguren waren wohl der Ursprung  der Hunnen, sie wanderten von Mittelasien nach Ost-Turkestan und sind auch das Verbindungselement zu den agglutinierenden Sumerern, die bekanntlich über ein riesiges Reich verfügten. Nach dem Zusammenbruch des Sumererreiches werden wohl die Völker dieses Reiches ostwärts gewandert sein. Unter ihnen waren die Vorfahren der Ungarn.

Es gibt ernstzunehmende Hypothesen, dass Ungarisch, weil es am nähesten zum Sumerischen steht, eine Art Ursprache für alle altaischen Sprachen bildet. Da sie mit Sicherheit im Besitz der Sumer-Kultur waren, wäre es falsch, von primitiven Nomaden zu reden. Später errichteten sie in West-China ca. 800 n.Chr. eine blühende Hochkultur (Turfan) mit dem Manichäertum. Merkwürdigerweise gibt es manchmal Wortgleichheit mit dem Mongolischen, aber nicht mit dem Türkischen und umgekehrt. Einige ungarischen Forscher haben sich angemaßt und behaupten, dass das Türkische vom Ungarischen abstammt. Nun ebenso behaupten die Türken, dass sie die Erzeuger der ungarischen Sprache sind und zwar in Chasarien, wo sich Türken mit Finno-Ugriern vermischten. Chinesische Gesichtsschreiber beschrieben 200 n.Chr. die Hunnen.

Sie berichteten über ihre Lebensweise, Bräuche und Schrift (Runenschrift, eingeritzt in Holz). Genau diese Bräuche verbinden später die ganze weit verbreitete Familie der Hunnen, wie Türken und Ungarn, miteinander. Die Ausdehnung der Hunnen begann von hier aus. Atilla (nicht der germanisierte Attila) war der mächtigste unter den Hunnen-Herrschern.  Die Mythologien der Türken und Ungarn leiten ihre Herkunft auf Atillas Söhne zurück.

Leben in Chasarien (Hazar)

Aus chasarischer Zeit gibt es viele Aufzeichnungen, vor allem von arabischen Reisenden und Politikern. Bekannte Persönlichkeiten waren Ibn Fadlan, Ibn-Rusta, Al-Djajhani usw. Die Ungarn werden erst hier näher als Stamm erwähnt. Man nennt sie madjarik, baschkirt baskirt und selten auch hunkar. Wichtig ist zu wissen, dass die den Ungarn am nächsten stehende Turksprachgruppe tschuwasch-baschkierisch ist!!  Man erwähnt, dass die madjarik einen Dialekt der Chasaren sprechen und das Chasarische ist anders als das Türkische, jedoch mit diesem auch verwandt. Im neunten Jahrhundert verlassen die madjarischen Stämme, zusammen mit chasarischen Kabaren das Chasarenreich und wandern nach Pannonien. Kaiser Konstatin von Byzanz erwähnt die Ungarn als die Turks, die früher in Chasarien, jetzt in Pannonien lebten.

Madjarisch-kabarische Landteile in Pannonien waren bis 800 n.Chr. schon mehrfach durch Völker türkischen Ursprungs besiedelt worden. Die Hunnen unter Führung von Atilla waren 400 n.Chr. da und die Awaren hatten dort 600 n.Chr. das Awaren-Reich gegründet. Nachdem dieses Reich zusammengebrochen war, verschwand das Volk nicht spurlos, sondern zog sich in den Osten in Richtung der Karpaten zurück. Es waren die Sekler in Erdely (Transsylvanien), die vor der Ankunft der Madjaren-Stämme dort lebten. Sie waren es, die die madjarisch-chasarischen Stämme zur Verstärkung ins Land gerufen haben. Jetzt können wir einen Blick auf die Stämme unter Führung von Almos und dessen Sohn Arpad werfen.

Die Stämme: MAGYAR (madjar), NYEK (njek), KERI, KESZI (kesi), TARJAN (tarkan), KÜRT-GYARMAT , KARI und KASI (JENÖ)

Die Führer: ALMOS, ARPAD, HUBA,TÖHÖTÖM, OND, ELÖD und TAS.

Der Führer der Kabaren war KENDE (Kond). Sicherlich waren weitere kleinere Stämme mit dabei. Die Migration der Völker des Chasarenbundes war noch nicht beendet, weil später noch die Petschegenen und die Bessenen nach Pannonien kamen. Der letzte große Zustrom der Turk-Völker ereignete sich im 13. Jahrhundert mit den Kun oder Kumanen (tatarisch-türkisches Volk). Wie wir sehen, sind alle Stämme und Völker Teil der altaischen Familie und ihre Gesamtheit bildet das ungarische Volk. Die letzten Zuwanderer, die Kumanen, sind immer noch stolz auf ihre Herkunft und  pflegen wieder die Kontakte zu Kasachstan, zu ihrer Urheimat. Sie sind unter anderem die Bewohner der bekannten PUSTA! Ihre Tradition ist lebhaft. Ich will damit zeigen, dass die Turk-Verbindung der Ungarn ein Grundelement ist.

Die blutige Staatsgründung

In Chasarien hatten die Stämme oft verschiedene Religionen. Die Integrität des Reiches war wichtiger als die Religion der Völker. So gab es alle erdenklichen Religionen, vom Früh-Christentum, Manichäertum, Islam, bis zum Judentum – bis sich der Chan der Chasaren aus politischen Gründen für die Aufnahme des Judentums entschloss. Die gesamte chasarische Führung wurde konvertiert. Es wird vermutet, dass es einen Aufstand gegeben hat und deshalb die Madjaren und Chasar-Kabaren das Land in Richtung Westen verlassen haben. Unter den Arpads-Stämme gab es Schamanen, Früh-Christen (nestroi), Manichäer und welche mit jüdischem Glauben.

Der ungarische König Aba Samuel (1248) stammt, wie auch der Name schon andeutet, aus dem Geschlecht der zum Judentum konvertierten Chasaren. Almos, der Führer der madjarisch-kabarischen Stämme, wurde noch in Transsylvanien ermordet, der Sohn namens Arpad brachte das Volk in die pannonische Ebene. Nach den bekannten Raubzügen und nach der verlorenen Schlacht in Lechte gab es ein Umdenken in der Führung. Geza, Sohn von Arpad, überließ die Erziehung seines Sohnes Vajk (später Istvan/Stephan) westlichen Herrschern. Er sah ein, dass die Ungarn nur überleben können, wenn sie sich in der Religion anpassen und zum römischen Christentum konvertieren.

Rom hat damals starken Einfluss genossen und verhinderte, dass das deutsche Kaiserreich über die Ungarn herfiel. Rom gab Vajk, dem Sohn von Gezas, im Jahre 1000 n.Chr. die heilige (awarische) Krone und damit begann die Christianisierung Ungarns. Mit Hilfe der deutschen Söldner brach Istvan den Wiederstand im Land. Reliquien und Schriften (wertvolle Runenschriften aus Mittelasien) wurde vernichtet. Die nicht-katholische Priesterschaft wurde ermordet, die widerspenstigen Stammesführer wurden enteignet und gevierteilt. So erging es Koppany dem Kabar, der ebenso gevierteilt wurde, dem der Stammes-Vereinbarung nach rechtmäßig die Macht zustand. Nämlich hätte nach Gesas (Großfürst) Tod nicht dessen Sohn Vajk, sondern der Kabare Koppany die Führung über die Stämme bekommen sollen. Für die blutige Bekehrung, deren Spuren bis zum heutigen Tag die ungarische Gesellschaft spalten (Koppany-Istvan, alte Werte-westliche Werte), wurde Istvan von der römischen Kirche als Stephan der Heilige selig gesprochen. Da Istvans einziger Sohn noch im Kleinkindalter von einem Wildschwein umgebracht wurde, beeilte sich die Kirche auch noch, diesen heilig zu sprechen.

Obwohl Istvan nicht legitim die Macht bekam, wird er mit Recht als Staatsgründer geehrt. Es sieht so aus, dass die Geschichte den Ungarn den blutigen Bruderkampf nicht ersparte, auf der anderen Seite ist Ungarn neben der Türkei das Land der Hunnen-Erbschaft, das sich die nationale Identität, staatliche Integrität und Sprache bewahrt hat.

Nach Istvans Dynastie kam wieder die Koppany-Linie an die Macht und es kehrte Ruhe und Toleranz in das  Land ein. Eine Reihe versöhnlicher Könige folgten. Ein Beispiel für das freie Ungarn sehe ich in der Regentschaft des IV. Kun-Laszlo, ein Kumanen König, der von dem römischen und deutschen Einfluss nichts hielt. Er stärkte die Rolle der Kumanen, die im Gegenzug militärisch und politisch die Unabhängigkeit des Landes garantierten.

Im Übrigen wurde der IV. Kun-Laszlo, für seine Toleranz für die alten Werte und die Religionsfreiheit mehrfach von der römischen Kirche exkommuniziert. In dieser Zeit entstanden die schriftlichen Werke von Simon Kezai 1282, einem Hofpriester von Bela des IV., der die Geschichte der Ungarn detailliert niedergeschrieben hat. Weitere schriftliche Werke sind von Anonymus, Mark Kalti (Wiener Bilderchronik). Das Haus Arpad ist im Jahre 1301 ausgestorben. Ein verhängnisvolles Schicksal der ungarischen Geschichte. Es kamen zunächst Herrscher aus dem Hause Anjou, Robert, der das Chaos und den Einfluss Roms wieder einführte. Bis auf eine einzige Ausnahme, Matthias, waren alle Könige auf Ungarns Thron ausländische Herrscher, zum Beispiel die Österreicher. Eine Ausnahme: König Matthias, der nach 1301 ein Ungar war.

Im Übrigen, war der Einfall der Osmanen in Ungarn im 16. Jahrhundert eine nationale Katastrophe. Die Osmanen haben den jungen ungarischen Staat in seinem Fundament erschüttert und für Feinde für viele Jahrhunderte das Bild der bösen Türken  geliefert, die das arme Ungarnland verwüstet haben. Später wurde  das Thema von den Habsburgern politisiert und zu Hetzzwecken benutzt. König Matthias, der letzte „ungarische“ König, hat die Osmanen noch aufhalten können. Aus strategischen Gründen erlaubte er den Truppen des Sultans, dass sie immer wieder das Ungarnland durchqueren dürften,  um auf österreichischem Gebiet zu wirken. Matthias‘ gefährlichere Feinde waren nämlich im Westen.

Nach dem frühen Tod von Matthias, kamen fremde Herrscher auf den Thron der Ungarn und sie wollten sich als Retter des Abendlandes verstehen. Es begann der Krieg gegen die Osmanen, der die Ungarn nicht weiter verschont hat. Die Folge war, dass Ungarn für die nächsten 150 Jahre drei-geteilt wurde. Interessanterweise erblühte die osmanisch-besetzte Zone, Erdely (Sekler), und das Habsburger-Bereich war einem Elend gleich.

Nach der Befreiung Ungarns durch Prinz Eugen kam nicht die Freiheit, sondern die absolute Unterwerfung durch Österreich, die dann so weit ging, dass die ungarische Sprache verboten und Deutsch als Amtssprache eingeführt wurde. In dieser Zeit und später bemühten sich die neuen Herren, deutsche Siedler ins Land zu bringen. Die slawischen Völker wurden auf die Madjaren gehetzt und so herrschte man bis das Fass voll war. Im Jahre 1848 war es so weit und der Freiheitskampf begann. Wie ich schon erwähnt habe, wurden sie niedergeschlagen und der Führer Lajos Kossuth emigrierte samt Begleitung in die Türkei. Übrigens gab es schon vor Kossuth Aufstände, sie haben ebenso in der Türkei Zuflucht gefunden.

Die Türken – wie steht der Ungar zu ihnen?

Mohacs war der Ort, wo die Ungarn 1552 von den Osmanen vernichtend geschlagen wurden. Suleyman, der Eroberer, ist in Ungarn gestorben, hier war auch der Wendepunkt in der osmanischen Geschichte. Mohacs ist Geschichte und Literatur. Den Ungarn war aus der alten turanischen Heimat bekannt, wie verwandte Völker ihren Einflussbereich erweiterten. Niemand käme auf die Idee, den Kumanen was vorzuenthalten, weil ihre tatarisch-kumanischen Brüder in 1242 n. Chr. das ganze Ungarn verwüstet hatten. In Szeklerland gab es eine andere türkische Geschichte wie sonst auf dem Balkan. Ich glaube, dass die Beziehung zu den Türken (auch bezüglich der Geschichte) so gut ist, wie kaum zu einem anderen Land. Fragt man die Sekler oder die Madjaren, wie sie zu Türken stehen – sie werden für die Türken sein.

Einige träumen sogar von einem turanischen Bund, die turanische Gesellschaft hat viele aktive Politiker der Vorkriegszeit hervorgebracht. Aber hier ist der Zug abgefahren. Nach dem Ersten Weltkrieg kam eine gewisse Befreiung, eine Befreiung auch von dem Finnougrismus, aber der Zweite Weltkrieg und die Sowjetische Besatzung setzte wieder die alte Ideologie ins Amt. Die panslawische Politik duldete keine Verbindung zur ohnehin kapitalistischen Türkei. Es kam die lange Zeit der Isolation.

In der Akademie der Wissenschaften saßen die in Moskau ausgebildeten Finnougristen. Nach der Wende (1990), versuchen einige dieser alten Kader vehement ihre alten Dogmas zu verteidigen, aber der Drang nach Wahrheit und nach wahrer Identität ist so groß, dass er weggefegt wird. Das Ergebnis der Gen-Marker-Untersuchung war der erste Schlag gegen diese alte Ideologie, nicht umsonst schrieben die Zeitungen wie von einer Befreiung: „WIR SIND KEINE FINNOUGOREN“ – nach dem Fall des Kommunismus ist auch diese Lüge durch die Wahrheit zu Fall gebracht worden.

Internetseiten:

http://www.hunmagyar.org/main.html

Über Ungarn und Turan in Englisch;  Ethnologen Fred Hamori und in Ungarisch von Kiszely Istvan (HU)

http://istvandr.kiszely.hu/ostortenet

https://de.wikipedia.org/wiki/Turul

http://www.ungarn-guide.com/geschichte_01.php

 

Verrückt: Türkisch-deutsche Partei ADD wirbt mit Erdoğan auf Plakaten

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Allianz Deutscher Demokraten wirbt mit Foto des türkischen Präsidenten  in Deutschland. Berlin –  Laut >Der Standard und TRT< ziert Angela Merkel, Martin Schulz und Christian Lindner derzeit ein unerwarteter Kandidat für die Bundestagswahl das Straßenbild im deutschen Duisburg: Die deutsche Kleinpartei „Allianz Deutscher Demokraten“ (ADD) wirbt mit dem Konterfei des türkischen Staatspräsidenten Tayyip Erdoğan um Stimmen. Begleitend zum Bild des autoritär regierenden Staatschefs ist neben dem Wort „Zweitstimme“ ein Aufruf an die „Türkeifreunde“ zu sehen: „Steht mit ihnen zusammen, gebt ihnen eure Stimmen! Lasst sie groß werden!“ Die ADD, die 2016 gegründet wurde, versucht mit dem Aufruf offenkundig um die Stimmen deutscher Staatsbürger mit türkischem Migrationshintergrund zu buhlen, die keine der Großparteien unterstützen wollen.

Begleitend zum Bild des autoritär regierenden Staatschefs ist neben dem Wort „Zweitstimme“ ein Aufruf an die „Türkeifreunde“ zu lesen: „Steht mit ihnen zusammen, gebt ihnen eure Stimmen! Lasst sie groß werden!“

Quelle: http://www.ksta.de

AKP-Erdogan  nahe Sendung TRT Deutsch schreibt folgendes (Unkorregiert):

„Der Aufruf von Staatspräsident Erdogan schlägt in Deutschland hohe Wellen. Die von den Migranten gegründete Partei Allianz deutscher Demokraten (ADD) wirbt für die Bundestagswahl am 24. September mit Erdogan-Plakaten, worauf die Worte von Erdogan zu sehen sind. Der Staatspräsident hatte bei seiner an die in Deutschland lebenden Türken adressierten Rede folgendes gesagt: „Gibt eure Stimmen nicht an die Parteien, die der Türkei feindlich gesinnt sind. Seid mit den Türkeifreunden zusammen. Schaut nicht darauf, ob es sich dabei um kleine Parteien handelt. Gebt eure Stimmen an diese Parteien, damit die grösser werden.“ Diesen Appell von Erdogan nutzte die ADD bei den Wahlplakaten. Zudem bereitete sie ein Video mit der Übersetzung der Rede von Erdogan vor. Auf den Wahlplakaten von ADD ist neben ein Foto von Erdogan auch die Worte des Staatspräsidenten, „Seid mit den Türkeifreunden zusammen. Gebt eure Stimmen an sie“ zu sehen. Die Plakate bringt die ADD in deutschen Städten mit großem Bevölkerungsanteil an Türken an. Unterdessen hatte eine andere von Migranten gegründete Partei, die BIG sich entschieden, nicht an den Bundestagswahlen teilzunehmen.“


Quelle: http://www.ksta.de

 

Quelle:

 

http://www.trt.net.tr/deutsch/europa/2017/09/07/turkische-partei-wirbt-fur-die-bundestagswahl-mit-erdogan-plakaten-802808

https://twitter.com/GizliArsivTR/status/905744961940979712/photo/1?ref_src=twsrc%5Etfw&ref_url=https%3A%2F%2Fwww.derstandard.de%2Fstory%2F2000063746970%2FTuerkisch-deutsche-Partei-wirbt-mit-Erdogan-Plakaten-fuer-Bundestagswahl

http://www.ksta.de/koeln/wahlkampf-erdogan-plakate-in-der-koelner-keupstrasse-polarisieren-28375658?originalReferrer=http%3A%2F%2Fm.facebook.com%2F&dmcid=sm_fb_p

Hi!

Markovic aus Serbien:

„Serben in Österreich, Stimmt für die Freiheitliche Partei“

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Dragan Marković ist Präsident des Vereinigten Serbia (eine politische Partei in Serbien, Anm.), sowie Präsident der Parlamentarischen Freundschaftsgruppe mit Österreich im Parlament von Serbien und der Jagodina-Versammlung. Er sprach am 6. September in Jagodina mit dem Vizepräsidenten der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) und dem stellvertretenden Bürgermeister von Wien, Johann Gudenus.

Marković sagte dabei folgendes: “Ich lade alle Serben ein, die in Österreich leben und arbeiten, für die Freiheitliche Partei Österreichs bei den vorgezogenen Parlamentswahlen am 15. Oktober in Österreich zu stimmen.“

Die Übersetzung des Artikels vom 6.9.2017  von BLIC ist wie folgt:

Die FPÖ, deren Präsident Heinz-Christian Strache ist, unterstützt Serbien auf dem Weg zur europäischen Mitgliedschaft. Vizepräsident dieser Partei ist Johann Gudenus, der als einziger Politiker Europas eine Petition gestartet hat, dass der Kosovo nicht in die UNESCO eintreten sollte.

Die FPÖ war immer auf der serbischen Seite. Sie ist die einzige Partei, die ein serbisches Mitglied im Abgeordnetenamt hat.

Dragan Marković ist ebenfalls der Meinung, dass es ohne die FPÖ keine neue österreichische Regierung gibt, die für Serbien gut ist, angesichts ihrer positiven Einstellung gegenüber Serbien, dem serbischen Volk und der Situation der Region.

„Ich, als Präsident der Parlamentarischen Freundschaftsgruppe mit Österreich im serbischen Parlament, schlage vor, dass die beiden Parlamente eine größere Zusammenarbeit haben sollten.Vom 30. Oktober bis zum 2. November begleite ich 600 Studenten aus Jagodina und aus anderen Städten, die in Jagodina studieren, bei der bereits traditionell gewordenen Reise nach Wien. Die gesamten Kosten dieser Reise werden von Spendern übernommen“, sagte Markovic.

Gudenus: Wien ist den Serben verpflichtet

Wien ist den Serben verpflichtet und die Serben sind auch an Wien gebunden. Ich werde immer bereit sein, den Serben zu helfen. Ebenso den 150.000 in Wien lebenden und den 300.000 in ganz Österreich lebenden neuen Österreichern, welche sich durch ihre Arbeit und mit viel Anstrengung integriert haben und für Österreich sehr wichtig geworden sind. Ich freue mich sehr, dass Herr Marković die Studenten in unsere schöne Stadt bringt und diese Jugendlichen zu einer besseren Zusammenarbeit zwischen Serbien und Österreich motiviert“, sagte Gudenus.

Der ehemalige langjährige stv. Vorsitzende des Dachverbandes serbischer Vereine in Wien und Medienunternehmer Darko Miloradović  erhebt dagegen Einspruch mit den folgenden Worten:

„Die Wahlempfehlung des Vorsitzenden der parlamentarischen Freundschaftsgruppe Österreich – Serbien im serbischen Parlament und Bürgermeisters der Stadt Jagodina, Dragan Marković, an die Austro-Serben sie sollen bei der NR-Wahl die FPÖ wählen ist grotesk und schadet  dem Ansehen der serbischen Gemeinschaft in Österreich. Es ist auch wirklich sehr erstaunlich, dass gerade die FPÖ, die sich im besonderen Maße eine Einmischung des türkischen Staatpräsidenten Erdogan in die innenpolitischen Angelegenheiten unseres Landes verbittet, genau auf diese absurde Weise versucht, die Austro-Serben anzusprechen. Hierbei besonders skurril ist die Tatsache, dass sich die „große“ FPÖ auf die Zusammenarbeit mit einer serbischen Kleinstpartei (Markovics Partei verfügt lediglich über drei Sitze im serbischen Parlament) einlässt, was womöglich damit zu tun hat, dass der Vorsitzende der staatstragenden serbischen Fortschrittspartei und Staatspräsident Aleksandar Vučić richtigerweise die Zusammenarbeit mit der FPÖ schon vor Jahren aufgekündigt hat. Die Serben in Österreich sind alles das, was die FPÖ nicht ist: weltoffen, sozial, fleißig und sie bekennen sich ohne Wenn und Aber mit Liebe und Hingabe zur kulturellen Vielfalt in Österreich und was sie ganz besonders nicht benötigen, ist die politische Bevormundung von Ewiggestrigen in Serbien und Österreich.“

 

 

Quellen: 

Blic.rs
http://www.blic.rs/vesti/politika/markovic-srbi-u-austriji-glasajte-za-slobodarsku-partiju/wcxvdxd

B92. net

http://www.b92.net/info/vesti/index.php?yyyy=2017&mm=09&dd=06&nav_category=78&nav_id=1300774

 

Bild: Blic

Gedanken zum Opferfest –

Eid Mubarak!

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Im Schatten von Sisi und Sachertorte

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Zwei Japanerinnen versuchen sich angestrengt an einem Selfie mit der Hofburg im Hintergrund. Eine Gruppe junger Slowenen läuft laut schnatternd einer Stadtführerin  hinterher. Und ein älteres Ehepaar knipst vom Fiaker aus noch schnell ein Foto von der Reiterstatue Erzherzog Karls, ehe die Fahrt Richtung Hofreitschule und Stephansdom weitergeht. Robert Tatar führt seine Tour-Teilnehmer, die sich an diesem stürmischen Dienstagvormittag auf dem Heldenplatz versammelt haben, ebenfalls an Wiens bekanntesten Sehenswürdigkeiten vorbei. Sprechen wird der 32-Jährige allerdings nicht über Prachtbauten, sondern Sozialeinrichtungen für Obdachlose. Statt um Sisi und Sachertorte geht es bei den sogenannten „Shades Tours“, die den Blick auf die Schattenseiten hinter der monumentalen Kulisse von Österreichs Hauptstadt lenken wollen, um das Schicksal der knapp 10.000 wohnungslosen Menschen in Wien – geschätzt 1.200 davon nennen tatsächlich den öffentlichen Raum ihr Zuhause. „Die Dunkelziffer dürfte aber weit höher sein“, sagt der Guide, der wie auch seine derzeit drei Kollegen lange Zeit selbst auf der Straße gelebt hat.

Von Stephanie Schuster

Wien-Robert Tatar, ein Deutscher aus der Nähe von Kassel, kommt im Herbst 2013 der Liebe wegen nach Wien – doch die gläubigen muslimischen Eltern seiner aus Mazedonien stammenden  Freundin wollen keinen Atheisten aus Deutschland unter ihrem Dach dulden. Ein billiges Hotelzimmer kann sich Tatar, der mit 18 von zuhause abgehauen war und den Kontakt zu seiner Familie abgebrochen hatte, nur einige Wochen lang leisten, und einen Job findet der gelernte Kaufmann mit dem abgebrochenen Lehramtsstudium auf die Schnelle nicht. Also geht er zum Westbahnhof, wo er einen Monat zuvor angekommen ist – da gibt es immerhin kostenloses W-LAN.

„Und dann ging alles sehr schnell“, erinnert sich Tatar, der vor den etwa 15 Tour-Teilnehmern ganz offen über seine eigene Geschichte spricht. Da er bisher in Österreich keinen Wohnsitz hatte und keiner sozialversicherungspflichtigen Arbeit nachgegangen war, habe er weder Anspruch auf Sozialhilfe, noch auf eine Schlafstelle in einem Quartier der Stadt Wien gehabt. „Infolge der großen Flüchtlingswelle von 2015 wurden die Auflagen für Ausländer hier deutlich verschärft. Um als anspruchsberechtigt zu gelten, muss man jetzt mindestens fünf Jahre eine feste Wohnadresse in Österreich haben“, erklärt Tatar. Dass sich dadurch inzwischen 70 Prozent der Wohnungslosen – darunter viele Armutsflüchtlinge aus Südosteuropa – ganz ohne staatliche Hilfe durschlagen müssen, mache sich längst auch im Stadtbild bemerkbar.

In den ersten Tagen streift Robert Tatar auf der Suche nach Essensresten durch den Westbahnhof. Zum Betteln kann er sich in den gesamten drei Jahren seiner Obdachlosigkeit nicht überwinden, aus Scham. Zum Glück  macht er schon bald Bekanntschaft mit den mobilen Sozialarbeitern der Stadt. Sie geben ihm eine Liste mit all den nicht vom Wiener Sozialfonds finanzierten Hilfseinrichtungen, etwa Orden oder private Vereine, in denen auch nicht-anspruchsberechtigte Obdachlose Zuflucht suchen und warme Mahlzeiten oder Kleiderspenden bekommen können.

Die „Shades Tour“ ist inzwischen an einer Goethe-Statue am Opernring angekommen. „Aber glaubt nicht, dass das hier doch noch eine kunsthistorische Führung wird“, ruft Robert Tatar, linker Hand das Opernhaus in Sichtweite, im Rücken das Palmenhaus mit seinem noblen Restaurant, geradeaus die Akademie der Bildenden Künste. Statt um den ollen Goethe geht es Tartar um das hinter der Statue liegende Gartenbeet, das seit einigen Jahren einen der letzten öffentlichen Zugänge zur Wiener Kanalisation unter sich begräbt. „So hat man das Problem einfach ausgemerzt.“ Denn die unterirdischen Gänge waren bereits im frühen 20. Jahrhundert ein beliebter Zufluchtsort für Obdachlose. „Bis in die 1950er Jahre gab es sogar noch die Fettkappler, die das Fett aus den Abwasserkanälen abschöpften, daraus Seife machten und verkauften“, erklärt Tatar.

Schnell wird Robert Tatar bewusst: Obdachlosigkeit ist ein Teufelskreis.  Wer einen Job hat, kann theoretisch über eine Hilfseinrichtung eine Postadresse bekommen – doch welche Chancen hat schon eine Bewerbung, auf der die Anschrift fehlt? Der ehemalige Mathestudent verteilt deshalb Zettel mit seiner Telefonnummer zum Abreißen in der Stadt, auf denen er seine Dienste als Nachhilfelehrer anbietet. Die Rechnung geht auf – Tatar verdient sich nicht nur ein ordentliches Taschengeld, sondern bringt Dutzende Schüler durchs Matheabitur. „Damit hast du mehr für Wien getan als die Stadt für dich“, sagt später einmal eine Sozialarbeiterin zu ihm.

Dass Armut in Wien mancherorts immer noch ein Tabuthema ist,  wird am Hintereingang der Oper klar. Bereits vor vielen Jahren habe man in kalten Winternächten in Kellern und Lagerräumen verschiedener Theater und Kulturstätten Notlager für Obdachlose geschaffen, berichtet Tatar. „Das hängte man aber nicht an die große Glocke, weil es angeblich bei Teilen des Publikums für negative Stimmung sorgte.“ Ebenso missfallen haben dem Establishment die Studentenproteste von 2009, die sich mit den Wohnungslosen solidarisierten und die Einrichtung zusätzlicher Schlafstellen forderten. Die Stadtregierung dagegen erkannte die Notwendigkeit und rief 2012 das Winterpaket mit knapp 1.200 zusätzlichen Betten ins Leben, in diesem Jahr wurde das Kontingent noch einmal aufgestockt. „Der Druck wird größer“, sagt Tatar. „Ungarn zum Beispiel bestraft Obdachlosigkeit seit einigen Jahren mit Gefängnis, da verlassen eben viele das Land.“ Wobei auch in Wien eine Kampierverordnung lauert. „Mit Jacke zudecken ist erlaubt, Schlafsack und Isomatte sind aber eigentlich verboten“, erklärt er.

Mit der Zeit kommt Routine in Robert Tatars Alltag. In den nicht-städtischen Tageszentren schlägt er morgens als erster auf, um gleich eine freie Dusche zu ergattern. Tagsüber hält er sich gern in Bibliotheken auf – mit dem für Obdachlose kostenlosen Kulturpass erhält er für 3,50 Euro eine Jahreskarte. Dort  ist es warm, gibt Stühle zum Sitzen – ein Luxus. Und in bitterkalten Nächten, wenn kein Bahnhofsklo mehr als Schlafplatz infrage kommt, steigt er in einen der Nachtbussen und fährt bis zum Morgengrauen durch die Stadt.

Über die Kärntner Straße, Wiens beliebte Shoppingmeile, auf der sich gegen die Mittagszeit Touristen wie Einheimische mit voll bepackten Tüten drängen, führt Tatar die Gruppe weiter. Es geht vorbei am Wiener Katzencafé, in dem einsame Singles oder gestresste Manager beim Mietze-Kraulen die Seele baumeln lassen. „Im Überlebenskampf entwickelt man neue Bedürfnisse“, sagt Tatar und hält eine Maslowsche Bedürfnispyramide in die Luft. Im Grunde drehe sich alles um die Frage: wie überlebe ich den Tag. „Es gibt also manchmal Gründe dafür, warum jemand in der U-Bahn nicht gut riecht.“

Seit Januar 2016 ist Robert Tatar als „Shades Tours“-Guide im Einsatz, vom Verdienst kann er sich bald ein WG-Zimmer leisten. Weil er damit erstmals eine Postadresse besitzt, erreicht ihn schon bald ein Brief von der Stadt: Vom Schwarzfahren im Nachtbus haben sich einige Geldstrafen angesammelt, die sich samt Säumniszuschlag inzwischen auf 1.400 Euro belaufen. Freundlicherweise darf er seine Schulden in Monatsraten von 30 Euro abstottern.

Am Franziskanerplatz, wo sich hinter dem Seiteneingang der gleichnamigen Kirche Wiens älteste Armenspeisung befindet, verabschiedet Tatar die Tourteilnehmer schließlich. Er werde sich bei „Shades Tours“ künftig um die Buchungen und das Marketing kümmern, verrät er noch. „Die Leute sollen bei uns nur übergangsweise als Guides arbeiten“, erklärt Projekt-Gründerin Perrine Schober. Denn neben der Sensibilisierung für das Thema Obdachlosigkeit sei ihr Hauptziel, Betroffenen den Weg zurück in den normalen Arbeitsmarkt – und damit ein normales Leben – zu ermöglichen. Robert Tatar und zwei weitere ehemalige Guides haben ihn bereits gemeistert.

Info-Kasten

Die Shades Tours wurden im Herbst  2015 von der 33-jährigen Österreicherin Perrine Schober initiiert. Sie hat in Kempten Tourismusmanagement studiert und sich bereits während ihres Erasmus-Aufenthalts in England mit der Thematik „Tourismus als volkswirtschaftliches Instrument der Armutsbekämpfung“ beschäftigt. 2016 haben rund 1800 Menschen an Touren und Veranstaltungen (etwa Kochabenden in Obdachloseneinrichtungen) des  Social Business teilgenommen. Buchen können die rund 2,5-stündigen Stadtführungen Einzelpersonen, aber auch Unternehmen, Schulen oder Vereine. Alle weiteren Infos unter:  www.shades-tours.com

Leben am Zaun – Zu Besuch in der spanischen Exklave Melilla

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Als es im Anschluss an den Vertrag von 1860 zwischen den Königreichen Spanien und Marokko das heutige Stadtgebiet Melillas zu bestimmen galt, feuerte man von der über der Mittelmeerküste thronenden Altstadt aus ein gutes Dutzend Kanonenkugeln damaligen Standards nach Nord, West und Süd ab. Wo sie einschlugen, zog man die Grenze. Nur an der Stelle, wo sich seit Jahrhunderten ein muslimischer Friedhof befand, macht die halbmondförmig verlaufende Linie einen Knick. Sichtbar wurde er erst, als Spanien, Marokko und die EU ab 1998 den ersten Grenzzaun errichteten. Nach und nach hat man ihn verdreifacht,  auf bis zu sechs Meter erhöht, mit rassiermesserscharfen Klingen versehen und zu einer Hightech-Befestigungsanlage mit Nachtsichtkameras und Bewegungsmeldern im Boden aufgerüstet.

 

Von Stephanie Schuster

Melilla/Wien. Der Knick ist nun nicht mehr zu übersehen – und so wie der Grenzwall längst zum Sinnbild für die Flüchtlingskrise, für die Angst vor dem Fremden einerseits und die Hoffnung auf ein besseres Leben andererseits geworden ist, so könnte der Knick symbolisch für den Pragmatismus und die Flexibilität stehen, mit denen diese Stadt voller Gegensätze und Widersprüche ihren Alltag meistert. Für die zweierlei Maße, mit denen sie misst, für die Doppelmoral, die einem überall begegnet, oder für die Leichtigkeit, mit der unangenehme Fragen einfach ignoriert werden.

Geht man von der Plaza España in der Innenstadt die Avenida Juan Carlos I. hinauf, vorbei an endlosen, teils etwas heruntergekommenen, aber wunderschönen Jugendstilfassaden, könnte man sich einen Moment in Barcelona wähnen – und tatsächlich hat spanienweit nur die katalanische Hauptstadt mehr modernistische Bausubstanz aufzuweisen als Melilla. Es war Enrique Nieto, ein Schüler Gaudis, der sich einst aufmachte in den Norden Afrikas und die spanische Exklave architektonisch revolutionierte. Die katholische Kirche Sagrado Corazón und die Synagoge Or Zoruha tragen ebenso seine Handschrift wie die Zentralmoschee.

Alle drei Gotteshäuser können bei einem vom örtlichen Tourismusbüro organisierten Rundgang besucht werden, dazu ein hinduistischer Tempel – ein großes Wort für eine mit Sitzkissen und einigen bunten Buddhabildern dekorierte Hochparterrewohnung. Da der nächste Hindu-Priester in Málaga sitze, greife man beim Gebetsritual auf Fernseher und DVD zurück, erklärt Lachmi Ghanshandas, die Vorsteherin von Melillas hinduistischer Gemeinde, die bereits in fünfter Generation existiert, aber mit akuten Nachwuchssorgen kämpft. „Wir sind keine 100 Mitglieder mehr, die Jungen gehen eben weg.“ Auch Rabbiner Salomon Aserraf Cohen berichtet ein wenig wehmütig, dass es in der 85.000 Einwohner-Stadt heute nur noch knapp 1.000 Juden und sechs Synagogen gebe, während die hebräische Gemeinde vor rund 70 Jahren noch ein Drittel der Bevölkerung stellte.

Über die Befindlichkeiten der katholischen und muslimischen Gemeinde spricht niemand. Dabei ist offensichtlich, dass der Islam längst die vorherrschende Religion in Melilla ist, Spanier mit marokkanischen Wurzeln plus etwa 12.000 Marokkaner stellen mittlerweile gut 50 Prozent der Bevölkerung. Neun katholischen Kirchen, die selbst zur Sonntagsmesse nur mäßig gefüllt sind, stehen 16 Moscheen gegenüber, in denen es beim Gebet nach dem Fastenbrechen teils so eng wird, dass die Polizei das Gelände davor absperrt, damit die Gläubigen alle Platz finden. Die Festbeleuchtung in den Hauptstraßen der Innenstadt  verheißt während des Fastenmonats einen „Feliz Ramadan“ und das islamische Opferfest ist seit einigen Jahren sogar gesetzlicher Feiertag. Innerhalb der EU ist das nur noch in Ceuta, der anderen spanischen Exklave, der Fall.

Wenngleich Kritiker es für reines Ablenkungsmanöver von der drohenden muslimischen Übermacht halten – die Stadtoberen erwähnen bei jeder Gelegenheit die vier Kulturen der Stadt, deren friedvolles Zusammenleben Melilla so einzigartig und zu einem Beispiel für die Zukunft ganz Europas mache. “Es gibt hier nicht mehr Konflikte als an anderen, weniger heterogenen Orten, und das ist allein der Verdienst der melillenses”, sagt Abdelmalik El Barkani stolz. Er hat es 2012 als erster Muslim ins Amt des Delegierten der Madrider Zentralregierung geschafft – als Kandidat der spanischen Volkspartei PP und nicht etwa im Namen der “Koalition für Melilla”, dem politischen Sprachrohr der marokkanischstämmigen Bevölkerung, die unter anderem fordert, den Berberdialekt Tamazight zur zweiten Amtssprache zu erheben. Wer Karriere machen will, muss sich dem Establishments beugen – und dessen Sprache sprechen. “Was uns eint, ist der Mantel der spanischen Flagge“, sagt El Barkani.

Die Dramen, die sich immer wieder abspielen, wenn schwarzafrikanische Migranten zu Dutzenden den Grenzzaun zu stürmen versuchen, oder die Polizeigewalt, die dabei laut Menschenrechtsorganisationen regelmäßig zum Einsatz kommt, haben im offiziellen Diskurs nichts verloren. Auch nicht der Rassismus, der sich in den abfälligen Bemerkungen der christlichen (und aus deren Sicht echten) Spanier über die moros, die muslimischen Mitbürger, und andersrum, widerspiegelt. Und erst recht nicht die „Cañada de Hidum“, besser bekannt als “Cañada de la Muerte” (Schlucht des Todes). Das Viertel aus würfelartigen, schmucklosen Häusern, die aus der Ferne wie bunte Legosteine wirken, ist fest in muslimischer Hand und absolute No go-Area für aromis, wie die christlichen Spanier im Berberidiom heißen. In den verwinkelten Gassen trifft man auf kleine Teestuben, spielende Kinder und mit Fan-Botschaften des IS beschmierte Wände. Selbst die Polizei schaut hier nur noch gelegentlich für Drogenrazzien vorbei oder um mutmaßliche Dschihadisten zu verhaften. Die Weiße Moschee des Viertels gilt als Keimzelle islamistischen Terrors.

 

Tania Costa, Chefredakteurin der Lokalzeitung „El Faro“, spricht indes Tacheles. „Diese Stadt ist echt hart“, sagt die gebürtige Kubanerin, die seit fünf Jahren in Melilla lebt. Da sei die Enge, die manchen Bewohner dazu veranlasst, ohne Not ins Auto zu steigen und eine Runde um die Stadt zu drehen, selbst auf die Gefahr hin, in einen Stau zu geraten. „Ich dachte, die sind verrückt hier“, erzählt Costa. „Aber dann hab ich dazu einen Psychologen interviewt, der mir sagte, dass die Leute das tun, weil es entspannt und befreiend wirkt.“ Da seien die extremen sozialen Gegensätze: auf der einen Seite die Besserverdiener, die größtenteils dem aufgeblasenen Beamtenapparat angehören, der nach wie vor von den Christen dominiert wird und üppige Ortszulagen kassiert – auf der anderen Seite das Gros der Muslime. „Die haben viele Kinder, aber keine Ausbildung und keine Jobs“, sagt Costa, die mit ihrem dunklen Teint oft  selbst für eine Muslimin gehalten wird. „Dass es hier Diskriminierung gibt, kann ich bestätigen: Ich werde im Krankenhaus schlecht behandelt, bis sie meinen Namen lesen oder ich den Mund aufmache.“ Als günstige Kindermädchen hingegen seien die Marokkanerinnen sehr gefragt, ebenso als Haushälterinnen, die neben Paella und Tortilla gern auch mal Tajine mit Dattelfleisch oder Couscous auftischen dürfen. Und den morgendlichen café con leche trinkt man natürlich – es gibt ja kaum mehr Alternativen – in der Bar eines marokkanischstämmigen Mitbürgers,  wo freilich auch der feine Minztee auf der Karte steht.

Filmemacher Driss Deiback, der in Paris studiert und viele Jahre in den USA und in Berlin gelebt hat, widmete seiner Heimatstadt 2002 eine überaus kritische Doku, die die Stadtspitze anfangs sogar zensieren wollte. Heute stimmt er versöhnlichere Töne an. “Wir sind irgendwo zwischen Nebeneinanderher- und Zusammenleben.” Es gebe inzwischen über 3.000 gemischte Ehen, die hier stationierten Soldaten seien zu einem Drittel muslimisch, selbst muslimische Ärzte und Anwälte seien keine Seltenheit mehr, sagt Deiback. Richtig in Rage bringt ihn jedoch ein anderes Thema, bei dem in Melilla immer noch eigene Maßstäbe gelten: In der Stadt stehen mehrere Franco-Denkmäler herum – eines davon gerade frisch restauriert –, obwohl Spanien deren Verbannung bereits 2007 per Gesetz angeordnet hat. „Und wer denkt, die Franco-Statue im Hafen wurde versetzt, damit sie nicht mehr gar so exponiert wirkt, der irrt“, verkündet Deiback mit einem triumphierenden Lacher. Der alte Diktator sollte vielmehr vor Vandalen geschützt werden. „Er steht jetzt direkt vor der Überwachungskamera an der Hafeneinfahrt.“

Unweit der Innenstadt, im Rastro-Viertel, stapeln sich Obst- und Gemüsekisten auf dem Asphalt, auch Klamotten und Haushaltswaren breiten die Händler einfach auf dem Boden aus, während sich verschleierte Frauen mit Einkaufstrolleys und voll bepackten Tüten durchs Getümmel schieben. Kulturministerin Fadela Mohatar, ebenfalls von der PP, ebenfalls Muslimin, ist in dem Viertel aufgewachsen, heute fühlt sie sich fremd. „Die Berberfrauen haben höchstens mal ein Kopftuch getragen.“ Doch nun seien hier die strenggläubigen Strömungen des Islam auf dem Vormarsch, sagt Mohatar. Sogar junge Frauen gingen nur noch verhüllt auf die Straße. Als sie am Morgen ganz in der Nähe in kurzem Kleid im Wartezimmer eines Arztes saß, wurde sie mit missbilligenden Blicken gestraft. „Das wäre vor 20 Jahren nicht passiert, und das macht mir Sorge.“

Die Marktleute treibt anderer Kummer um. „An der Grenze ist es grade kompliziert“, sagt Hamid, der jeden Tag mit Säcken voller Gebäck aus der Nachbarprovinz Nador nach Melilla kommt. Etwa 30.000  Marokkaner haben eine Arbeitserlaubnis für die spanische Stadt: Sie liefern Fisch, verkaufen Schmuck, fahren Taxi oder putzen bei den aromi. Am wichtigsten aber sind die Transporteure, die jeden Tag tonnenweise Waren – auf dem Rücken, im klapprigen Mercedes oder Lastwagen – von Melilla nach Marokko bringen. Dass die spanischen Behörden dem irren Treiben, das sich tagtäglich am Grenzposten abspielt und freilich auch Schmugglern Tür und Tor öffnet, mit limitierten Passierzeiten Einhalt gebieten wollen, führt seit Wochen zu Protesten. Großhändler und Geschäftsleute klagen über Umsatzeinbußen. „Diese Stadt lebt von der Grenze“, sagt Metzger Mohamad. Von seinem Tresen sind es keine 20 Meter bis zum Grenzübergang – wo Europa endet und Afrika beginnt. Weil dort vor 157 eine Kanonenkugel einschlug.

 

„Ein Traum wird Wirklichkeit“-Pax Austrīaca?

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„Orient und Okzident: Begegnungen und Wahrnehmungen aus fünf Jahrhunderten“. Jetzt als Buch… 24 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, ca. 800 Seiten, 40 Abbildungen. Die Präsentation in den Räumlichkeiten der Österreichischen Akademie der Wissenschaften stattgefunden.

„Dieser Sammelband leistet einen wichtigen Beitrag zur Versachlichung der inzwischen höchst emotionalisierten Debatte über das Verhältnis zwischen dem historischen „Orient“ und der Habsburgermonarchie, aber auch dem Verhältnis Österreichs vor und nach 1918 mit dem Osmanischen Reich bzw. der Türkei bis herauf in die 1960er-Jahre. Ein wissenschaftlich geprägter nüchterner Blick auf die historischen Wechselbeziehungen ist gerade aufgrund der aktuellen Funktionalisierung der Geschichte zwischen „Orient“ und „Okzident“ eine wichtiger Beitrag zu einer demokratischen und aufgeklärten Bildungsarbeit in der Gegenwart.“

Univ.-Prof. Dr. Dr. Oliver Rathkolb
Vorstand des Instituts für Zeitgeschichte der Universität Wien

„Der Neue Welt Verlag legt mit diesem facettenreichen Band einen gewichtigen Beitrag zur langen Geschichte von Interaktionen zwischen Orient und Okzident vor. Damit beweist er erneut sein gesellschaftspolitisches Engagement, wissenschaftliche Erkenntnisse zu aktuellen Themen einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dem bedeutungsvollen Buch sind viele Leserinnen und Leser zu wünschen!“

Prof. Dr. Arnold Suppan
Österreichische Akademie der Wissenschaften

„Der vorliegende Band positioniert sich innerhalb der neueren historiographischen Sichtweisen auf die Beziehungen zwischen Orient und Okzident: Thematisiert werden nicht nur kriegerische Konflikte, sondern beispielhafte Tiefenbohrungen beleuchten zahlreiche Aspekte eines vielfältigen Austausches. Anregend, breit angelegt und damit ein Buch für all jene, die sich fundiert über dieses besondere Verhältnis informieren wollen.“

Prof. Dr. Arno Strohmeyer
Universität Salzburg

 

„Ein Traum wird Wirklichkeit“-Pax Austrīaca?

„Orient und Okzident: Begegnungen und Wahrnehmungen aus fünf Jahrhunderten“

von Birol Kilic / Verleger

Es ist für unseren Neue Welt Verlag mit Sitz in Wien eine große Freude, dieses Buch mit 24 Top-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern (23 Aufsätze) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, der Freien Universität Berlin, des Österreichischen Historischen Instituts in Rom, der Universität Wien, dem Museum für angewandte Kunst in Wien, der Karl-Franzens-Universität Graz, der Kunstuniversität Belgrad, der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, der Westböhmischen Universität Pilsen als auch Freischaffenden verschiedenster Fachbereiche zu verlegen.

Eine historische Betrachtung des Verhältnisses zwischen „Orient“ und „Okzident“, beides weit mehr als Raumkategorien, verweist auf ein enges Beziehungsgeflecht, das sich über die Jahrhunderte aufbaute. Wie die hier versammelten Beiträge mit einem besonderen Schwerpunkt auf die Nachbarn Habsburgermonarchie und Osmanisches Reich zeigen, standen neben den bekannten kriegerischen Auseinandersetzungen eine Vielzahl friedlicher Interaktionen und ein reger Austausch. In der historischen Reflexion wird ein wirkmächtiges Naheverhältnis sichtbar, das sich aus Gemeinsamkeiten und Gegensätzen, aus Begegnungen und Bilderwelten speiste.

Mit großer Anerkennung schaue ich auf den Fleiß der Autorenschaft, die ein umfangreiches archivalisches Datenmaterial und zahlreiche literarische Quellen in 23 Aufsätzen wissenschaftlich auswertete. Man kann schon jetzt sagen, dass dieser Sammelband auf allen Ebenen großes Interesse finden wird! Das Buch wird eine sehr wichtige und zukunftsweisende Quelle für Akademikerinnen und Akademiker, Kulturinteressierte, Journalistinnen und Journalisten sowie für Medien und Politik sowohl heute und als auch in Zukunft sein.

Die Autorinnen und Autoren wurden bewusst interdisziplinär ausgesucht, die Forschungsbereiche sind bunt gemischt. Iranistik, Musikwissenschaft, Afrikawissenschaft, Palästinaforschung und Orientalistik kommen in diesem breit angelegten Sammelband ebenso zur Geltung wie Geschichte, Byzantinistik, Sozialanthropologie, Vexillologie (Fahnen- und Flaggenkunde), Wirtschaftsgeschichte, Osmanisches Reich oder Südosteuropa, die Habsburgermonarchie…
Der vierte Band unserer jungen Reihe „Forschungen zu Orient und Okzident““ zeigt Begegnungen und Wahrnehmungen von Menschen aus fünf Jahrhunderten in diesen weit gefassten und sich überlappenden Räumen ‒ hier mit dem Fokus auf das Osmanische Reich bzw. die Republik Türkei und die Österreichisch-
Ungarische Monarchie bzw. die Republik Österreich ‒, ohne die Krisen, Kämpfe und Schwierigkeiten dieses immer höchst brisanten und spannenden Beziehungsgeflechts auszuklammern.

Allerdings basieren die diplomatischen Beziehungen der Republik Österreich mit der modernen Türkei auf einer langen Tradition des Austausches zwischen dem Römischen Reich und der Hohen Pforte.

Im Jahr 1998, also vor rund 18 Jahren, schrieb ich für das Österreichische Bundeskanzleramt im Auftrag des Österreichischen Bundespressedienstes den Aufsatz „Das Österreichbild in der Türkei“. Er wurde in den Sprachen Deutsch, Türkisch und Englisch über österreichische Botschafterinnen und Botschafter in der ganzen Welt verteilt. Heute leben in Österreich ca. 300.000 Menschen mit türkischen Wurzeln, davon sind ca. 180.000 österreichische Staatsbürger. Im Zuge des Wirtschaftswunders kamen sie nach Österreich.

Sie und ihre Nachkommen sind mit Stand 2016 sowohl als Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter, Unternehmerinnen und Unternehmer (ca. 14.000), als Anwälte ebenso wie auch in der Kunst und der Wissenschaft, davon ca. 3.500 als Studentinnen und Studenten, tätig. Die große Mehrheit sehen Österreich als ihre liebe „Neue Heimat“ (trk. Yeni Vatan) und verstehen sich vor allem als säkulare Verfassungspatrioten. Die Mehrheit der Österreicher hat auch gelernt, in seinen ausländischen Mitmenschen nicht das Trennende, sondern das Verbindende zu sehen und sie zu schätzen.

Wir wissen aber auch, dass die Intoleranten ‒ ich meine hier alle ‒ für ihr de facto außer oder an der Grenze des Verfassungsbogens liegendes Verhalten und ihre Bewegungen Toleranz einfordern. Hier sollte durch Wissen, Erfahrung und Weitblick die Spreu vom Weizen getrennt werden, wofür wiederum eine sachliche, belegbare und objektive wissenschaftliche Forschung notwendig ist. Das wollen wir mit dem Buch „Orient und Okzident: Begegnungen und Wahrnehmungen aus fünf Jahrhunderten“ mit viel Liebe, Mühe und Geduld auf ca. 800 Seiten zeigen.

Mein Artikel begann damals mit einem türkischen Sprichwort über Kaffee, denn auch wenn es banal scheinen mag, die Parallelen zwischen diesen doch so unterschiedlich wirkenden Ländern lassen sich, vielleicht sogar insbesondere, in der Kaffeekultur finden. „Eine Tasse Kaffee gewinnt das Herz für vierzig Jahre“, sagt ein türkisches Sprichwort, das im Original so klingt: „Bir fincan kahvenin kırk yıl hatırı vardır“. Das Verstehen der Menschen untereinander beginnt mit gutem Zuhören ‒ und wo lässt es sich besser reden, als bei einer Tasse dampfenden Kaffees?

Wer in Wien auf eine Tasse Kaffee einlädt, nimmt sich Zeit für mich. Das ist auch die Besonderheit der Institution des auch in der Türkei geschätzten österreichischen Kaffeehauses, wie man es detailgetreu nachgebaut in der Innenstadt von Istanbul findet. Man serviert dort echten Wiener Kaffee und frische Wiener Mehlspeisen. Zum Milchkaffee sagen die trendigen jungen Türken bereits allgemein „Melange“. Der Wiener Kaffee ist in sein Ursprungsland zurückgekehrt…

 

Die Beziehung zwischen Österreich und der Türkei hat sich seit 1998 mit vielen Höhen und Tiefen unglaublich verändert. Wir könnten heute sehr viele negative Ereignisse vermerken. Das war auch in der Vergangenheit so. Dabei darf man diese beiden Länder nie unterschätzen. Es heißt gespannt zu bleiben, die Ereignisse mit Verstand und Vernunft mitzuverfolgen und sich zuverlässig ohne Opportinusmus auszutauschen.

Als Österreicher mit türkischen Wurzeln versuche ich ‒ bereits seit über einem Vierteljahrhundert ‒, eine verbindende und tragfähige Brücke zwischen Österreich und der Türkei zu bauen. Das ist eine große Herausforderung. Ich glaube aber, dass es mit vernünftiger und verständlicher Aufklärung möglich ist. Obwohl immer wieder Höhen und Tiefen zu überwinden sind, werden wir auch in Zukunft diesen, vom interkulturellen Dialog und der Mitmenschlichkeit vorgezeichneten Weg gehen!

Sind in den letzten Jahren nicht genügend Aufsätze und Bücher über den Nahen Osten und seine Geschichte geschrieben worden? Diese Frage versuchte ich im Jahre 2012 bei der Präsentation des Buches „Das Burgenland als internationale Grenzregion im 20. und 21. Jahrhundert“ im Palais Eschenbach zu beantworten und skizzierte bei dieser Gelegenheit kurz meinen Traum, Brücken zwischen dem Orient und dem Okzident zu schlagen.

2012 war eine Zeit, wo wir als aus der Türkei stammende Österreicherinnen und Österreicher bereits ahnen konnten, was uns in den nächsten Jahren erwarten wird. Dafür muss man kein Hellseher sein, sondern man benötigt ein tiefes Wissen und Erfahrungen über den Orient und den Okzident. Wir haben die Entwicklungen im Nahen Osten mit den westlichen und östlichen Interventionen, Stellvertreterkriegen und den hybriden Kriegstaktiken, die sich weit vom Völkerrecht entfernt haben, mitverfolgt.

 

Deswegen wollten wir ein umfangreiches Buch mit seriösen Personen aus der Wissenschaft herausgeben, das die Beziehungen und Begegnungen im kulturellen, wirtschaftlichen, sozialen und menschlichen Bereich beleuchten soll. Man wird daraus lernen, dass die Beziehungen zwischen dem christlichen Okzident und dem islamischen Orient nie in dieser oft kolportierten Distanz bestanden. Schaffen wir Fundamente für ein friedliches Zusammenleben! Wir sollten nicht das Trennende, sondern das Verbindende sehen und uns dies immer wieder in Erinnerung rufen!

Die jüngsten – leider sehr negativen und bestürzenden – internationalen und nationalen Entwicklungen haben dazu beigetragen, dass das Beziehungspaar „Orient und Okzident“ – mit seinen beiden als Gegensatz hingestellten, aber weit über Raumkategorien hinausgehenden Begriffen ‒ zum wichtigsten weltpolitischen Thema unserer Zeit geworden ist.

Die gegenwärtige Lage in der Türkei, dem Nahen Osten und dem arabischen Raum sowie die darauffolgenden Reaktionen in Europa und Österreich im Besonderen haben diese umfassende Thematik in all ihren Facetten wieder verstärkt in den Mittelpunkt der öffentlichen und medialen Aufmerksamkeit gerückt. Tagesaktuell werden die Themen „Terrorismus“, „Flucht“, „Migration“ und „Integration“ im Zusammenhang mit „dem Islam“ kontrovers und heftig diskutiert. Niemand kann sich dem entziehen und viele sind alleine schon mit den Tagesnachrichten zu Recht überfordert. Oft wird pauschalisiert und die Spreu vom Weizen absichtlich oder einfach aus Dummheit nicht getrennt. Oft zeugen die Diskussionen nicht nur von der Unfähigkeit, Antworten auf die brennendsten Fragen unserer Zeit zu finden, sie lassen auch historisches Hintergrundwissen außer Acht. Diesem Mangel an Wissen möchte der vorliegende Sammelband entgegenwirken.

Eigentlich währt ja die Begegnung länger als diese fünf Jahrhunderte. Denn wer heute eine Semmel isst, dazu in eine deftige Wurst beißt und das Ganze mit einem Krug Bier hinunterspült, mag sich fühlen wie ein typischer Österreicher oder Bayer. In Wahrheit stammen diese Lebensmittel alle aus dem alten Orient. Schon im 3. Jahrtausend v. Chr. schenkten die Menschen, die zwischen Euphrat und Tigris oder in Ostanatolien wohnten, in ihren Kneipen sage und schreibe über 20 Sorten Gerstensaft aus!

 

Die Wurst ersannen Köche in Babylonien. Und wussten Sie, dass das Wort Semmel vom orientalischen Ausdruck „samidu“ (weißes Mehl) abgeleitet ist? Haben Sie gewusst, dass das Wort Joghurt eigentlich ein türkisches Wort ist? Die Grundbedeutung des Wortes ist „kneten“. Es ist bis heute eines der Hauptnahrungsmittel in der ausgezeichneten türkischen Küche und wird oft von den Hausfrauen selbst hergestellt.

Wie können wir als Neue Welt Verlag dazu beitragen, diese oft vermeintlich kulturellen Schranken zu überwinden, damit Hass, Vorurteile und Intoleranz endlich der Vergangenheit angehören? Dieser Herausforderung möchten wir uns stellen, auch wenn wir wissen, dass das nicht einfach ist.
Nach der Ideenentwicklung ist es in unermüdlicher wissenschaftlicher, redaktioneller, lektorieller und grafischer Detailarbeiten nun gelungen, gemeinsam mit unserem Herausgeberteam und allen Autorinnen und Autoren das Kind aus der Taufe zu heben!

Für einen Verlag bedeutet ein solches Projekt eine große Anstrengung ‒ in organisatorischer und finanzieller, in materieller und immaterieller Hinsicht. Umso mehr freut es uns, wenn das Werk geglückt ist, was nicht zuletzt auch Sie als Leserinnen und Leser entscheiden!

 

 

Kindheit und ein alter Traum (Istanbul, Hamburg, Zürich etc., Wien)

Sie werden sich fragen, was motiviert mich so sehr, diesen Verlag mit seiner spezifischen Verlagsphilosophie voranzutreiben?
Ich will darauf einfach antworten: Wer denn sonst kann so ein Projekt vorantreiben als ein Austro-Türke und austro-türkischer Verleger und Unternehmer, der in Istanbul, dem alten Konstantinopel, geboren ist?

Ich beziehe mich auf den Untertitel unseres neuen Buches: „Begegnungen und Wahrnehmungen aus fünf Jahrhunderten“ und möchte Ihnen aus persönlichen Erfahrungen diese Begriffe näher bringen.

Lassen Sie mich etwas weiter ausholen: Bereits als Kind wurde ich im alten Bezirk Sisli in Istanbul mit den Welten des Orients und des Okzidents vertraut, die für mich ganz normal und allgegenwärtig waren und sich zuerst als eine einzige Welt darstellten. Zuerst erstaunte es mich, dann verwirrte es mich, bis ich mich später immer tiefer mit der Geschichte und den komplizierten Zusammenhängen vertraut machte.

Bereits als Kind blickte ich zum Beispiel auf die uralte, über 30 Meter hohe Konstantins-Säule aus dem vierten Jahrhundert, die wie eh und je im Zentrum von Istanbul auf dem tief darunter liegenden Kaiserforum steht. Die Geschichte des ersten christlichen römischen Kaisers ist mir von Klein an vertraut, wenn ich die Zusammenhänge natürlich erst später verstanden habe.

Ich lief als kleines Kind besonders mit meiner Großmutter zu den historischen Stätten und zu den mit Leben und Mystik erfüllten Gotteshäusern: den alevitischen Cem-Häusern, den orthodoxen Kirchen, den muslimischen Moscheen, der jüdischen Synagoge. Wir sind dort überall hineingegangen. Es war ganz normal, sich das alles anzusehen und teilweise auch an den Gottesdiensten teilzunehmen.

Später ging meine Familie nach Hamburg und Kiel, also ganz in den Norden Deutschlands.

Ich muss sagen, dort hat es mir auch ganz gut gefallen. Umso mehr lernte ich die großen Unterschiede, aber auch die Gemeinsamkeiten kennen. In Istanbul war ich in einer sehr orthodox griechischen, kirchlichen Umgebung, mit vielen Ikonen geschmückt, wo ich mich auch als muslimisches Kind zuhause gefühlt habe. Dadurch war Hamburg, mit seinen leeren, protestantischen Kirchen sehr fremd für mich. Meine Wahrnehmung hat sich dadurch total verändert.

Auch Zürich in der Schweiz lernte ich kennen. Aber Wien hat mich dann doch am meisten angezogen und so bin ich nun begeisterter Wiener. In Wien fühle ich sowohl Okzident als auch Orient, Westen und Osten, Christentum und Islam.

Mittlerweile zum Österreicher geworden, verspüre ich auch hier in Wien viele byzantinische und konstantinische Elemente unter den vielen Kulturen, die das Stadtbild prägen und geprägt haben. Man denke nur an den Wiener Jugendstil, der Anleihen an der byzantinischen Kunst und der Kunst der Osmanen genommen hat. Gustav Klimt ließ sich vom byzantinischen Stil der Goldenen Stadt genauso inspirieren wie Otto Wagner, dessen Kirche am Steinhof zu den prächtigsten Architekturjuwelen Wiens zählt.

Ich habe mich schon sehr früh für das Christentum, dessen Wurzeln ja auch in der heutigen Türkei liegen, interessiert. Für den Propheten Jesus, für den Völkerapostel Paulus aus Tarsus (Antiochia/Antakya) und den Apostel Petrus und nicht zuletzt auch die Mutter von Jesus, Maria, die in Ephesus ein Heiligtum hat. Auch die vielen Konzile interessieren mich. Zu diesen interessanten Personen und Ereignissen veröffentlichte ich mehrere Artikel in verschiedenen Medien, was man von einem Muslim und gelernten Elektrotechniker sicherlich weniger erwarten würde.

Ich persönlich fühle mich einfach als ein Muslim – Austrotürkische Alevitische Moslem -, der sowohl sein „Muslim-Sein“ bewahren, als auch sich in der Gesellschaft positiv einbringen will. Ein spirituelles Leben zu führen, muss nicht ein Widerspruch zum modernen Leben sein. Wie Jesus sagt: „Man erkennt den Baum an seinen Früchten.“ Und genau das gilt hier auch: Egal welche Religion man hat, man kann und soll trotzdem „in der Welt“ leben, also sich den Problemen stellen und sich in die Gesellschaft einbringen.

Pax Austrīaca

Um hier friedlich jetzt und in Zukunft leben zu können, müssen wir die Vergangenheit verstehen, damit wir nicht immer wieder die gleichen Fehler machen. Und hier ist die Wissenschaft gefragt, die sich zur Wahrheit verpflichtet hat.

Suchen wir den Frieden: zuerst mit uns selber, und dann mit unserer Umgebung.

Dann können wir den Frieden für die Stadt, in der wir leben und für die Welt schrittweise erreichen. Wir nennen das die PAX AUSTRĪACA.

Österreich ist heute ein sehr kleines Land, aber es hat eine große Vergangenheit, die noch heute in vielen Dingen sichtbar ist, aber auch in der „österreichischen Idee“, die man über die Jahrhunderte bis zur europäischen Vereinigung bis auf den heutigen Tag nachverfolgen kann. Es gibt aber leider auch sehr schmerzliche Beipiele und es ist unsere Aufgabe, an diesen ebenso zu arbeiten.

„PAX“ bedeutet in der lateinischen Sprache, wie Sie alle wissen, „Frieden“. Und der Neue Welt Verlag versucht, mit seinen kleinen Möglichkeiten für die PAX AUSTRĪACA zuerst im Inland und dann weltweit – in dem kleinen Rahmen, den ein Verlag wie der unsere leisten kann – an der „PAX MUNDI“, oder besser gesagt „PAX ORBI“, zu arbeiten. Eine alte Weisheit sagt: Friede im Inland bedeutet auch Friede im Ausland! Auf diese Weise möchte ich eine Saat ausstreuen und wir alle hoffen, dass sie aufgeht und reiche Frucht trägt.

Wir wollen „geistige Brücken“ bauen!

Das Leitmotiv des Verlags ist es, kulturelle Schranken zu überwinden, damit wir Hass und Intoleranz hinter uns lassen können. Und gerade für diese Ziele sind wir stetig auf der Suche nach Fachbüchern zu den Themen Geschichte, Gesellschaft, Kultur, Religion, Wirtschaft und Migration. Als Verleger von Literatur und einem Monatsmagazin ist es mir ein Anliegen, kraft der Vernunft und des Glaubens, mit Verstand und vor allem gutem Willen – als auch fairem Kampfgeist – gegen Scheinheiligkeit und Falschheit aufzutreten. Mit unserem Team wollen wir die Begegnung und Kommunikation zwischen den Völkern und den Kulturen fördern und Vorurteile zwischen den Menschen abbauen helfen. Kurz gesagt: Wir wollen „geistige Brücken“ bauen!

Wir glauben, dass wir in Zusammenarbeit mit den beiden Herausgebern und den weiteren 22 Autoren durch dieses neue Buch mit dem Titel „Orient und Okzident“ diesem Ziel, nämlich „geistige Brücken“ zu bauen, gerecht werden.

Das neue Buch ist bereits der vierte Band der Reihe „Forschungen zu Orient und Okzident“ nachdem wir 2012 die Monographie „In Hoc Signo Vinces“ über den „Heiligen Konstantinischen Orden vom Heiligen Georg“ und 2014 den bildreichen Band „Die Roten Ritter“ herausgebracht haben. Ein weiterer Band beschäftigt sich mit dem Paltonismus, ebenso ein großes Thema, das den Orient mit dem Okzident verbindet.

Ein weiteres Buch des Neue Welt Verlags hat sehr große Resonanz gefunden: Das Buchprojekt „Das Burgenland als internationale Grenzregion im 20. und 21. Jahrhundert“ hat unser Team ebenso wie das heutige Buch gemeinsam mit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften auf den Markt gebracht. Einige der damaligen Autoren haben auch an dem neuen Buch mitgeschrieben.

Um ein derartiges Projekt zu realisieren, braucht es außerdem vor allem eines: Eine große Liebe zur Wahrheit, da ohne Wahrheit die Liebe keine Existenzgrundlage haben kann. Die Grundlage der Wahrheit aber sind die Fakten und die Sorge, diese nicht zu manipulieren oder zu korrumpieren. Eine objektive Darstellung zu finden, sollte das Ethos und die Ehre jeder Wissenschaftlerin und jedes Wissenschaftlers sein. Ich bin darum umso stolzer, dass ich mit dem Buch „Orient & Okzident“ gegen die kursierende Doppel- bis Dreifach-Moral und allgegenwärtige Geschichtsverfälschungen ein wenig Licht ins Dunkel bringen kann. Möge der Geist der Wahrheit die Wissenschaft erleuchten!

Meinen besonderen Dank spreche ich dem Herausgeberteam, Frau Barbara Haider-Wilson und Herrn Maximilian Graf, aus, die auch die redaktionelle Koordination übernommen haben. Auf die erfreuliche Zusammenarbeit blicke ich ebenso mit dem Leiter der Wissenschaftlichen Abteilung des Neue Welt Verlags, Herrn Arno Tippow, zurück. Großzügig unterstützt haben das Projekt die Türkische Kulturgemeinde in Österreich und die „Yeni Vatan Gazetesi“ (Neue Heimat Zeitung ) in Wien. Allen 24 Autorinnen und Autoren, die wir namentlich mit ihren Kurzbiographien unten angeführt haben, spreche ich meine höchste Wertschätzung und Hochachtung aus und bedanke mich für die Geduld und Mühe, die sie bis zur Publikation in den letzten vier Jahren aufbringen mussten!
Ich wünsche Ihnen, geschätzte Leserinnen und Leser, eine genüssliche Lektüre und lade auch Sie zum vorurteilslosen Brückenbau zwischen den Kulturen und den Menschen ein!

Ein Traum wird Wirklichkeit… hoffentlich ‒ inşallah!

Birol Kilic,
Verleger, Neue Welt Verlag
Wien und Istanbul, 2017.

Wer sich den Gesetzen nicht fügen will ?

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Nach Recherchen eines Historikers ist ein türkischer Edelmann „Urvater aller deutsch-türkischen Mitbürger in Deutschland“. Johann Wolfgang von Goethe: „Wer sich den Gesetzen nicht fügen will, muss die Gegend verlassen, in denen sie gelten.“

Der Kunsthistoriker und Theologe Dr. Werner Ulrich Deetjen ist überzeugt davon, dass zu den Vorfahren des deutschen Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe auch ein türkischer Hauptmann namens Sadok Selim Soldan gehörte. Dessen Historie gilt dem Experten als „die Urgeschichte deutsch-türkischer Integration“.

Immer wieder tauchen in den Medien Berichte über diesen legendären deutsch-türkischen Urvater Sadok Selim Soldan auf (um 1270 bis 1328), der sich, nachdem er sich 1305 taufen ließ, Johannes Soldan nannte. Einige Quellen berichten davon, Sadok Selim sei muslimisch erzogen worden. Ob er praktizierender Muslim war, ist umstritten. Der ehemalige evangelische Dekan im baden-württembergischen Brackenheim hat sich intensiv mit der Chronik der Familie Soldan befasst. Darin werde von einem Orientalen berichtet, der in die Gefangenschaft deutscher Ordensritter geraten war. Rasch sei er auf Grund seines einnehmenden Wesens jedoch zum ebenbürtigen Freund aufgestiegen und in die Truppe, die wohl aus der Nähe Württembergs stammte, aufgenommen worden. 1304 soll sich Sadok Selim mit einer Bürgerin des Ortes, Rebekka Döbler, vermählt haben. Drei Söhne sind aus der Ehe hervorgegangen.
Der Halbmond samt Stern im Wappen als auch in der Familienchronik gelten Deetjen, neben dem Namen, als weiteres Indiz für die türkischen Bezüge. Doch das sei noch nicht alles. Türkische Besucher hätten ihm davon erzählt, dass Soldan, der mit seinen Söhnen in der hiesigen Johanniskirche begraben wurde, aus der Türkei habe fliehen müssen, um nicht ums Leben zu kommen. Deetjen: „Es gibt deutliche Hinweise, dass diese Familienchronik aus dem 16. Jahrhundert einen hohen Wahrheitsgehalt hat.“ Erst vor kurzem habe sich das Innenministerium Baden-Württemberg auf seine Recherchen berufen, berichtet der Forscher. Der Experte räumt allerdings ein, dass es einen direkten Beweis für die Verwandtschaft zu Goethe nicht gebe. Jedoch hätten die „Quelle aus dem 16. Jahrhundert mit den Hinweisen auf die Festung Al Mokhtara, Kreuzritter aus der Gegend um Backenheim und Hinweise auf die blühende Familie Soldan sehr starken historischen Zwang.“
Bis ins Hessische und Fränkische hätten sich die Familienbande gezogen, aus der sehr oft Juristen und andere leitende Persönlichkeiten, häufig auch Künstler und bedeutende Wissenschaftler, hervorgegangen seien. Deetjen ergänzt:„In der Soldan-Familie selbst gibt es die Überlieferung, dass dieser Sadok Selim zu den Vorfahren von Goethe gehört.“ In der Goethe-Forschung sei seit dem 19. Jahrhundert bekannt, dass es von der mütterlichen Seite Goethes einen orientalischen Vorfahren gegeben haben muss. Goethe selbst sei getaufter, protestantischer Christ gewesen, dem es wohl bewusst war, dass er orientalische Wurzeln hatte. In seinem Werk „West-östlicher Diwan“ (1819) habe das schließlich noch einmal nachgewirkt.
Für den Islam zeigte Goethe als universeller und lieberaler Geist zumindest auffallendes Interesse. Seine überlieferten Worte beweisen es:
„Närrisch, daß jeder in seinem Falle

Seine besondere Meinung preist!

Wenn Islam Gott ergeben heißt,

Im Islam leben und sterben wir alle.“

(Hamburger Ausgabe, Bd.2, S. 56)

Im Juni 2005 wurde Soldan zum 700-jährigen Jubiläum von dessen Ansiedelung im Raum Brackenheim gemeinsam mit türkischen und deutschen Gästen noch einmal gedacht. „Wenn wir also diesen Überlieferungen vertrauen, und einiges spricht dafür, dann wäre er quasi der Urvater aller deutsch-türkischen Mitbürger in Deutschland“, erklärt Deetjen. Das Fest vor einigen Jahren habe die Beziehungen Brackenheims in die Türkei intensiviert. Resümierend mahnt Deetjen jedoch an: „Ich denke, dass die deutsch-türkische Geschichte in ihren Beziehungen noch lange nicht richtig gut aufgearbeitet ist.“ ( Quelle: Deutsch-Tuerkische-Nacrichten.de, Felix Kubach, Nicole Oppel)

Der „Deutschtürke“ Johann Wolfgang von Goethe hat recht:

Was sagte schon Goethe: „Wer sich den Gesetzen nicht fügen will, muss die Gegend verlassen, in denen sie gelten.“

 

Vorfahren aus dem 13. Jahrhundert
„Der Kunsthistoriker und Theologe Dr. Werner Ulrich Deetjen ist überzeugt davon, dass zu den Vorfahren des deutschen Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe auch ein türkischer Hauptmann namens Sadok Selim Soldan gehörte. Dessen Historie gilt dem Experten als „die Urgeschichte deutsch-türkischer Integration“Auch bei einem gewissen Christ namens Johann Soldan wird davon ausgegangen, dass er zu Vorfahren und Ahnen von Goethe gehört. Der ursprünglich türkische Offizier mit dem Namen Sadok Seli Soltan wurde damals als Beutetürke während der Kreuzzüge verschleppt und christlich getauft. Das besondere an ihm ist, dass er vermutlich der erste türkische Deutsche in Deutschland war, der urkundlich nachgewiesen werden kann. Bereits Engelmann (1984) zählte Johann Soldan zur Ahnenreihe Johann Wolfgang von Goethes,“ von dem man seit dem 19. Jahrhundert weiß, dass er mütterlicherseits einen orientalischen Vorfahren hat.
Die These wurde zuletzt von Werner Ulrich Deetjen anlässlich des 700-jährigen Jubiläums der Soldan-Taufe 2005 vertreten.
Die mögliche Verwandtschaft mit Soldan bestätigt jedoch nicht das anderweitig vor allem in arabischen Ländern kursierende Gerücht, dass Goethe Muslim gewesen sei“

de.wikipedia.org/wiki/Goethe_(Familie)
de.wikipedia.org/wiki/Sadok_Seli_Soltan

Die Deutsche Sprache kommt aus Anatolien

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Die Wiege der indoeuropäischen Sprachen stand in der heutigen Türkei, besagt eine neue Studie. Sie steht im Widerspruch zur Theorie vieler historischer Linguisten.

Es war einmal, in grauer Vorzeit, ein kleines Volk. Wir wissen fast nichts über seine Angehörigen. Und trotzdem beeinflussen sie das Leben von etwa drei Milliarden Menschen, die heute zwischen Island und Sri Lanka siedeln. Denn sie verständigten sich in einer Sprache, aus der sich mehr als 400 indoeuropäische Sprachen entwickelten. Die Krux jedoch ist: Obwohl historische Linguisten seit etwa 200 Jahren ihre Fährte verfolgen und sorgfältig Sprachstammbäume zeichnen, ist noch unklar, wer diese Menschen waren und wo sie wohnten. Nun treten Naturwissenschaftler auf den Plan und verkünden siegesgewiss, dass ihre Methoden das vertrackte Rätsel besser lösen können. Im Fachblatt „Science“ erscheint heute eine solche Studie und wird vermutlich den Streit zwischen Sprach- und Naturwissenschaftlern erneut entzünden.

Zwei Thesen dominieren die Debatte und geben auf Wo, Wann und Warum eine unterschiedliche Antwort. Die Wiege der indoeuropäischen Sprache habe vor zirka 6000 Jahren irgendwo nördlich des Kaspischen und des Schwarzen Meeres in der russischen Steppe gestanden, behauptet die Mehrzahl der historischen Linguisten gemeinsam mit etlichen Archäologen. Ein kriegerisches Nomadenvolk der Kurgan-Kultur habe die proto-indoeuropäische Sprache auf dem Pferderücken verbreitet, im Gepäck zwei wichtige Erfindungen: das Rad und die Zähmung des Pferdes.

Die naturwissenschaftliche Konkurrenz favorisiert die friedliche Gegenthese und verortet die Urheimat der indoeuropäischen Sprachen in Anatolien. Die Bauern der Jungsteinzeit hätten allmählich ihre Felder ausgedehnt und so vor 8000 bis 9500 Jahren nicht nur den Lebensstil der Jäger und Sammler verdrängt, sondern auch deren Sprachen. Das untermauert auch die Studie, die Russel Gray und Quentin Atkinson von der Universität von Auckland in Neuseeland und ihre Kollegen nun in „Science“ veröffentlichen. (Tagesspiegel.de)

Weiter:

http://www.tagesspiegel.de/wissen/urspruenge-in-der-tuerkei-die-deutsche-sprache-kommt-aus-anatolien/7048426.html

 

KURGUN KULTUR ?(russisch курга́н = kurgán = Hügel, Hügelgrab, urspr. Türkisch)
“ Zwei Thesen dominieren die Debatte und geben auf Wo, Wann und Warum eine unterschiedliche Antwort. Die Wiege der indoeuropäischen Sprache habe vor zirka 6000 Jahren irgendwo nördlich des Kaspischen und des Schwarzen Meeres in der russischen Steppe gestanden, behauptet die Mehrzahl der historischen Linguisten gemeinsam mit etlichen Archäologen. Ein kriegerisches Nomadenvolk der KURGAN-Kultur habe die proto-indoeuropäische Sprache auf dem Pferderücken verbreitet, im Gepäck zwei wichtige Erfindungen: das Rad und die Zähmung des Pferdes.Die naturwissenschaftliche Konkurrenz favorisiert die friedliche Gegenthese und verortet die Urheimat der indoeuropäischen Sprachen in Anatolien. Die Bauern der Jungsteinzeit hätten allmählich ihre Felder ausgedehnt und so vor 8000 bis 9500 Jahren nicht nur den Lebensstil der Jäger und Sammler verdrängt, sondern auch deren Sprachen. Das untermauert auch die Studie, die Russel Gray und Quentin Atkinson von der Universität von Auckland in Neuseeland und ihre Kollegen nun in „Science“ veröffentlichen.“

KURGAN: Es gibt zwei Hauptquellen des Wortes Kurgan. Eine Erklärung wäre die Herleitung vom alttürkischen korgan ‘Zuflucht, Festung’ und mitteltürkischen kurgan ‘Festung, Festungswall, Haupt-Schrein’. Beide werden als Lautverschiebung des alttürkischen korigan betrachtet, mit der Wortwurzel korı- ‘schützen, verteidigen’ und dem alttürkischen Suffix -gan.[1] Eine andere Erklärung wäre die Herleitung vom alttürkischen Wortstamm qur-, aus dem das Wort Kurgan eine Ableitung darstellt, ursprünglich aus Urtürkisch *Kur- ‘errichten (Gebäude), gründen’. Eine klare Trennung zwischen „Kurgan“ und dem urtürkischen *Kōrɨ-kan ‘Zaun, Schutz’ ist oft schwer festzusetzen.[2

www.tagesspiegel.de/…/urspruenge-in…/7048426.html

de.wikipedia.org/wiki/Kurgan_(Grabhügel)

Denkmal für Architekt Clemens Holzmeister in Ankara

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Der berühmte österreichische Architekt Clemens Holzmeister, der in Ankara viele Bauwerke errichtet hat, wurde in der Hauptstadt mit einem Denkmal im Garten des türkischen Parlaments geehrt. 

Clemens Holzmeister – der Stararchitekt des modernen Ankara

Ankara/Wien. Das Parlamentsgebäude, die Stadtvilla Atatürk, das Verteidigungsministerium, das Innenministerium, der Oberste Gerichtshof, die österreichische Botschaft – all diese Gebäude in Ankara wurden von Clemens Holzmeister erbaut. Nun wurde der österreichische Architekt mit einem Denkmal im Garten des Parlaments geehrt. Bei der Eröffnung waren der stellvertretende Parlamentspräsident Mehmet Sağlam und der Präsident der österreichisch-türkischen Freundschaftsgruppe Georg Keuschnigg anwesend. Sağlam betonte in seiner Rede, dass die bilateralen Beziehungen zwischen den beiden Staaten Höhen und Tiefen haben, aber die Hauptsache sei, die Beziehungen basieren auf Zuneigung und Freundschaft. „Während des Ersten Weltkriegs waren die osmanischen und österreichischen Soldaten Waffenbrüder. Nach der Gründung der Republik haben die österreichischen Architekten und Künstler einen großen Beitrag geleistet. Aber der berühmte Architekt Holzmeister hat eine besondere Stellung. In den Jahren 1938 bis 1954 hat Holzmeister in der Türkei gelebt. Nachdem er den ersten Preis bei einem Wettbewerb gewonnen hatte, wurde er ausgewählt, um das Parlamentsgebäude zu erbauen. Im Jahr 1940 lehrte er an der Technischen Universität Istanbul. Neben seinen Bauwerken war auch seine Person selbst hoch angesehen, vor allem für die Jugendlichen in Ankara galt er als Vorbild, da durch seine Werke an die Republik erinnert wurde.“, so Sağlam. Außerdem stammen von Georg Keuschnigg, Mitglied des Bundesrates, folgende Worte: „Als die österreichisch-türkische parlamentarische Freundschaftsgruppe haben wir eine große Freude, an der Eröffnung des Denkmals zur Ehrung des berühmten Architekten teilnehmen zu dürfen. Die Errichtung dieses Denkmals ist der Höhepunkt des Gedenkens an Holzmeister.“

Am 24. November wurde als Schlusspunkt zahlreicher, dem österreichischen Architekten Clemens Holzmeister gewidmeter Veranstaltungen der letzten Jahre, im Park der „Großen Türkischen Nationalversammlung“, eine Holzmeister-Gedenk-Ecke enthüllt. Holzmeister hatte den Park zwischen 1939 und 1961 als sein Hauptwerk in der Türkei errichtet. Die Zeremonie fand während des Aufenthalts der „Österreichisch-Türkischen Parlamentarischen Freundschaftsgruppe“ in der Türkei statt. Die Eröffnungsreden hielten der Vorsitzende der Freundschaftsgruppe, Bundesrat Georg Keuschnig, und der stellvertretende Parlamentspräsident, Mehmet Saglam. Bereits einige Tage zuvor war im Ankaraner Stadtteil Oran ein Holzmeisterpark mit einer Büste Holzmeisters durch den Bürgermeister der Gemeinde Cankaya, Bülent Tanik, und der Österreichischen Botschafterin Heidemaria Gürer im Beisein der Tochter Holzmeisters, Barbara Mohapp, eröffnet worden. Diese Eröffnung hatte im Rahmen eines von der türkischen Holzmeisterspezialistin Aydan Balamir veranstalteten Holzmeistersymposiums und Ausstellung seiner Aquarelle im „Cer Modern“-Museum in Ankara stattgefunden. Balamir hatte schon 2010 eine umfassende Publikation über die Werke Holzmeisters in der Türkei herausgegeben und dafür eine österreichische Auszeichnung sowie einen internationalen Architektenpreis erhalten.

Außer dem Holzmeisterpark und der Gedenkstätte im türkischen Parlament war bereits 2008 durch den damaligen Wiener Stadtrat Rudolf Schicker im Ankaraner Stadtteil Yildiz eine Holzmeisterstraße eröffnet und an seinem ehemaligen Wohnhaus eine Erinnerungsplakette angebracht worden. Außerdem wurde auch ein von der Österreichischen Botschaft in Ankara entworfener „Holzmeisterführer durch Ankara“ dem Publikum vorgestellt. Clemens Holzmeister kann als „Staatsarchitekt der Türkei“ bezeichnet werden. Er lebte von 1938 bis 1953 ständig in der Türkei gelebt, neben seiner Lehrtätigkeit in Istanbul hauptsächlich in Ankara. Bereits davor war er von Atatürk zum Aufbau der neuen Hauptstadt Ankara in die Türkei eingeladen worden. Zu seinen 15 Bauten in Ankara gehören neben dem Parlament ebenso wichtige Gebäude wie der Präsidentenpalast, einige Banken und die wesentlichsten Gebäude des Ministeriumsviertels, sowie die österreichische Botschaft. Gemeinsam mit dem österreichischen Bildhauer Anton Hanak errichtete er auch das „Sicherheitsdenkmal“ im Regierungsviertel. Neben den imposanten Werken Holzmeisters prägte auch der österreichische Bildhauer Heinrich Krippel die türkische Geschichte. Krippel zeichnete sich unter anderem für das wichtigste Reiterstandbild Atatürks in Samsun verantwortlich. Seit kurzem befindet sich neben dem Atatürk-Reiterstandbild in Samsun auch eine Krippel-Straße. Die erwähnten Holzmeister- und Krippel-Aktivitäten der letzten Jahre gehen auf die Initiative der Österreichischen Botschaft in Ankara zurück.

Straße in Ankara nach Architekt Clemens Holzmeister benannt (24.02.2009)

In der türkischen Hauptstadt Ankara ist eine Straße nach dem österreichischen Architekten und Stadtplaner Clemens Holzmeister (1886-1983) benannt worden.
Clemens Holzmeister wurde 1927 nach Ankara berufen, wo er mit seinen Bauten das Stadtbild prägte. 1938 emigrierte der Architekt in die Türkei, wo er als Dozent an der Technischen Hochschule in Istanbul tätig war.
Neben seinem ersten Bau, dem türkischen Verteidigungsministerium, schuf Holzmeister in Ankara unter anderem die Stadtvilla Atatürk, die Österreichische Botschaft, den Obersten Gerichtshof, das Innenministerium und das Parlamentsgebäude.

Mehr Info über Clemens Holzmeister:

http://www.architektenlexikon.at/de/241.htm