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Ist ein GewaltFREIES Zusammenleben möglich?

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Wir trafen die Geschäftsführerin des Vereins Autonome österreichische Frauenhäuser, Maria Rösslhumer, um mit ihr über die Kampagne GewaltFREI leben zu reden.

Jeder Mensch hat ein Recht darauf, gewaltfrei leben und aufwachsen zu dürfen. Gewalt passiert tagtäglich an vielen Orten, in vielen Ländern weltweit, in der Öffentlichkeit, aber leider auch besonders häufig in der eigenen Familie, in den eigenen „vier Wänden“. Häusliche Gewalt bezeichnet Gewalt zwischen erwachsenen Menschen, die in einer Beziehungspartnerschaft stehen oder leben. Gewalt wird von einem Partner eingesetzt, um den anderen zu kontrollieren und Macht auszuüben. Diese Partner können verheiratet sein oder nicht. Sie können heterosexuell oder homosexuell sein, zusammen oder getrennt leben. 

Wir möchten die Kampagne zur Verhinderung von Gewalt an Frauen und Kindern näher kennenlernen.

 

Bitte erzählen Sie uns wo und wann die Gewalt beginnt und endet. Was ist Gewalt?

Rösslhumer: Vielen Dank für die Einladung. Ihre Frage ist sehr wichtig, nicht nur für MigrantInnen auch für alle Frauen und Männer die in Österreich leben, hier müssen wir eine gemeinsame Definition von Gewalt haben, damit wir uns zuerst davon distanzieren können. Gewalt beginnt dort, wo die Grenzen eines anderen Menschen verletzt werden. Beschimpfungen, Beleidigungen, Demütigungen oder ein respektloses Verhalten einem anderen Menschen gegenüber, z.B. bei Diskussionen, ist bereits Gewalt und kann als Übergriff empfunden werden.  Verbale und psychische Gewalt ist meist der Beginn einer langjährigen Gewaltbeziehung und kann bei körperlicher und sexueller Gewalt und im schlimmsten Fall mit dem Tod enden. Je länger ein Mensch in einer Gewaltbeziehung lebt bzw. leben muss und je schwerer die Gewalterlebnisse sind, desto schwieriger ist es sich aus der Gewaltsituation zu lösen.

 

Wer ist hauptsächlich von häuslicher Gewalt betroffen?

Rösslhumer: Frauen sind überproportional häufiger von Gewalt betroffen als Männer. Aber leider sind auch Kinder und Jugendliche von Gewalt betroffen, sei es direkt oder indirekt. Mehre Studien belegen, dass in 60-70% der Fälle, in den Frauen Gewalt durch die eigenen Ehemänner und Lebensgefährten erleben, auch die Kinder misshandelt werden. Je häufiger und schwerer Frauen misshandelt werden, desto gravierender und massiver ist auch die Gewaltanwendung an Kindern. Aber auch dann, wenn Kinder nicht Gewalt am eigenen Leib erleben, so wird ihnen durch das Miterleben an Misshandlungen und Drohungen  gegenüber der Mutter Gewalt angetan.  Jährlich müssen Tausende von Frauen und Kindern in ein Frauenhaus flüchten, weil sie Gewalt durch den eigenen Partner und Vater/Stiefvater erleben. 2013 suchten 3232  Frauen und Kinder (davon 1643 Frauen und 1589 Kinder) Schutz, Sicherheit und Hilfe in den österreichischen Frauenhäusern.

 

Wie hoch ist das Ausmaß der Gewalt an Frauen?

Rösslhumer: Die bisher weltweit größte internationale Studie zu Gewalt gegen Frauen, die von der europäischen Grundrechtsagentur 2013 (FRA) veröffentlicht wurde, hat ergeben, dass in der EU jede dritte Frau ab dem 15. Lebensjahr von physischer und/oder sexueller Gewalt betroffen ist. In Österreich musste jede fünfte befragte Frau Gewalt erleben. Wie hoch das Ausmaß häuslicher Gewalt an Frauen tatsächlich ist, lässt sich aber nur erahnen. Die Studie der Europäischen Grundrechtsagentur zeigt, dass nach der schwersten physischen und/oder sexuellen Gewalt durch den Partner nur 16 Prozent der befragten Frauen in Österreich die Polizei kontaktiert haben. Lediglich 4 Prozent der Frauen haben sich an eine Opferschutzeinrichtung und 12 Prozent an ein Frauenhaus gewandt. Die Ergebnisse der Grundrechtsagentur lassen vermuten, dass die Zahl der Betroffenen bei weitem höher ist, als sie von Polizei, Opferschutzeinrichtungen oder Frauenhäusern erfasst werden kann.

 

Sind auch Männer betroffen?

Rösslhumer: Männer können auch von häuslicher Gewalt betroffen sein. Studien haben aber ergeben, dass Männer häufiger von Gewalt im öffentlichen Bereich bzw. von Männergewalt betroffen sind und weniger von Gewalt durch die eigene Partnerin.

 

Welche Formen der Gewalt gibt es?

Rösslhumer: Gewalt hat viele Facetten und Formen. Wenn wir von Gewalt an Frauen in der Familie bzw. häusliche Gewalt sprechen, dann unterscheiden wir zwischen vier Formen der Gewalt: Physische oder körperliche Gewalt, psychische Gewalt oder seelische Gewalt, sexuelle Gewalt und ökonomische bzw. finanzielle Gewalt. Kinder erleben zusätzlich oft auch sexuellen Missbrauch durch Erwachsene, aber auch Isolation und Vernachlässigung sind Formen der Gewalt, denen Kinder oft ausgesetzt sind. Körperliche Gewalt wird in der Öffentlichkeit am deutlichsten wahrgenommen. Die Angriffe reichen von Ohrfeigen über schwere Verletzungen wie Knochenbrüche, Prellungen und Messerstiche bis zu sexueller Nötigung, Vergewaltigung, Morddrohung und Tötung. Gewalt zeigt sich aber auch subtiler, in Form von Psychoterror, Erniedrigungen, Verboten, Vorschriften und Isolation. Gewalt ist jede Form von Machtausübung, Machtmissbrauch, Verletzung oder Zwang.

 

Wo liegen die Ursachen der häuslichen Gewalt?

Rösslhumer: Die Wurzeln der Gewalt sind in den Strukturen unserer Gesellschaft verankert. Häusliche Gewalt, auch geschlechtsspezifische Partnergewalt genannt, hat ihre Wurzeln in der geschlechtsspezifischen Gewalt gegen Frauen. Damit ist Gewalt gemeint, die Frauen erleben müssen, weil sie Frauen sind oder Frauen unverhältnismäßig stark betrifft. Geschlechtsspezifische Gewalt an Frauen ist der Ausdruck historisch gewachsener ungleicher Machtverhältnisse zwischen Frauen und Männern. Sie haben zur Beherrschung und Diskriminierung der Frau durch den Mann und zur Verhinderung der vollständigen Gleichstellung der Frau geführt. Wie jede Form der Diskriminierung hat auch die Diskriminierung von Frauen eine lange Geschichte. In den letzten Jahrzehnten hat sich einiges verbessert. Doch der Weg aus einer Gewaltbeziehung ist steinig und die Mühlen mahlen langsam. Das lange Tabu Vergewaltigung in der Ehe wurde beispielsweise in Österreich erst 1989 unter Strafe gestellt und ist erst seit 2004 ein Offizialdelikt, was bedeutet, dass diese Gewaltform vom Staat verfolgt werden muss.

 

Welche Rechte haben Opfer von häuslicher Gewalt?

Rösslhumer: Weil häusliche Gewalt eine Menschenrechtsverletzung ist und komplexe negative Auswirkungen auf die Gesellschaft nach sich zieht, hat der Gesetzgeber gehandelt.

 

Gewaltschutzgesetz

 

Am 1. Mai 1997 ist in Österreich das so genannte Gewaltschutzgesetz (Bundesgesetz zum Schutz vor Gewalt in der Familie) in Kraft getreten. Es wurde seither in Teilbereichen laufend aktualisiert und verbessert. Mit dem Gewaltschutzgesetz wurden die rechtlichen Voraussetzungen für einen raschen und effizienten Schutz von Betroffenen häuslicher Gewalt geschaffen.

 

Das Gesetz folgt dem Prinzip „Wer schlägt, der geht“ bzw. „Wir zeigen Gewalttätern die rote Karte“. Zum ersten Mal hatten Betroffene die Möglichkeit, im vertrauten Zuhause bleiben zu können und nicht vor dem Gefährder flüchten zu müssen. Denn das Gewaltschutzgesetz ermächtigt die Polizei, einen Gefährder aus der Wohnung, in der die gefährdete Person lebt, und aus der unmittelbaren Umgebung wegzuweisen und mit einem Betretungsverbot zu belegen. Seit 2013 kann das Betretungsverbot auf Schulen, Kindergärten, Horte und deren unmittelbare Umgebung ausgeweitet werden, wenn es sich bei der gefährdeten Person um ein Kind unter 14 Jahren handelt.

 

Das Betretungsverbot gilt zwei Wochen. Wenn von der Polizei ein Betretungsverbot ausgesprochen wurde, setzt sich das regional zuständige Gewaltschutzzentrum oder die örtlich zuständige Interventionsstelle gegen Gewalt sofort mit der Betroffenen in Kontakt. Sie bietet aktiv Unterstützung wie beispielsweise Rechtsberatung oder psychosoziale Betreuung an.

 

Wenn längerer Schutz vor dem Gefährder notwendig ist, kann die Betroffene einen Antrag auf die Erlassung einer einstweiligen Verfügung bei Gericht stellen. Wenn der Antrag innerhalb der Gültigkeit des Betretungsverbots (Dauer: 2 Wochen) beim zuständigen Bezirksgericht gestellt wird, verlängert sich das Betretungsverbot auf insgesamt vier Wochen. Betroffene können auch ohne einem vorherigen Polizeieinsatz und ohne Betretungsverbot einen Antrag auf eine einstweilige Verfügung stellen.

 

Grundsätzlich kann der Antrag ohne Rechtsanwältin oder Rechtsanwalt selbst beim zuständigen Gericht eingebracht werden. Wir empfehlen Betroffenen trotzdem, sich bei der Antragstellung unterstützen zu lassen. Beispielsweise Mitarbeiterinnen im Frauenhaus, vom Gewaltschutzzentrum bzw. Interventionsstelle oder von einer Frauenberatungsstelle bieten kostenlose Beratung an. Auch ein Anruf bei der Frauenhelpline 0800/222 555 kann Klärung und Information anbieten. 

 

Das Gewaltschutzgesetz gilt für jede Person, unabhängig ihrer Herkunft oder Staatsbürgerschaft, und auch für Kinder. Sowohl die Wegweisung und das Betretungsverbot als auch die einstweilige Verfügung können unabhängig von den Eigentumsverhältnissen über den Gefährder verhängt werden.

 

Welche Gewaltdelikte sind in Österreich strafbar?

Rösslhumer: Wer Gewalt gegenüber anderen Menschen ausübt, wird in der Regel vom Staat strafrechtlich verfolgt. Das österreichische Strafgesetzbuch stellt eine Reihe von Gewalthandlungen unter Strafe, wie beispielsweise Körperverletzung, Quälen oder Vernachlässigen unmündiger, jüngerer oder wehrloser Personen, Freiheitsentziehung, Nötigung, gefährliche Drohung, beharrliche Verfolgung (Stalking), fortgesetzte Gewaltausübung oder Vergewaltigung. Alle Gewaltdelikte sind sogenannte Offizialdelikte. Das bedeutet, die Staatsanwaltschaft und Polizei ist verpflichtet, alle strafbaren Handlungen von Amts wegen zu verfolgen, von denen sie Kenntnis erlangt.

 

Was bedeutet Prozessbegleitung?

Rösslhumer: Die Prozessbegleitung ist eine der wichtigsten Unterstützungsmöglichkeiten für Betroffene und wird unter bestimmten Voraussetzungen im Strafverfahren und im Zivilverfahren kostenlos gewährt.Grundsätzlich besteht die Prozessbegleitung aus zwei Betreuungskomponenten: Zum einen leisten Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter von spezialisierten Beratungsstellen psychosoziale Unterstützung und Begleitung (vor, während und nach polizeilichen Vernehmungen bis zum Ende eines Strafverfahrens und anschließendem Zivilverfahren) und zum anderen erfolgt eine juristische Prozessbegleitung durch Rechtsanwältinnen oder Rechtsanwälte durch einen Strafprozess. Weitere Informationen zur Prozessbegleitung finden Sie online unter www.prozessbegleitung.co.at sowie unter www.justiz.gv.at. Um das regionale Angebot von Einrichtungen zu erfragen, die Prozessbegleitung anbieten, wenden Sie sich bitte an die Frauenhelpline unter 0800/222 555. Für Kinder und Jugendliche stehen spezialisierte Beratungseinrichtungen, die im Umgang mit Kindern und Jugendlichen besonders geschult sind, für die Prozessbegleitung zur Verfügung. Weitere Informationen zur Prozessbegleitung für Kinder und Jugendliche und Adressen von Beratungseinrichtungen finden Sie online unter www.prozessbegleitung.co.at sowie unter www.kija.at

 

Sind Migrantinnen häufiger von Gewalt betroffen?

Rösslhumer: Nein, Migrantinnen sind nicht häufiger von häuslicher Gewalt betroffen als Österreicherinnen. Aber aufgrund der rechtlichen und strukturellen Bedingungen ist es für Migrantinnen schwieriger, sich aus der Situation zu befreien. Migrantinnen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, sind in Österreich noch immer schlechter geschützt als Frauen mit österreichischem Pass. Erschwerend wirkt auch, dass Migrantinnen oftmals gezwungen werden, viele Jahre in völliger Isolation zu leben. Hinzu kann die Furcht kommen, von der eigenen Herkunftsfamilie verstoßen zu werden, wenn sie den gewalttätigen Partner verlassen. Migrantinnen fällt es daher schwerer, sich aus gewaltgeprägten Situationen zu lösen, weil sprachliche Barrieren, soziale und kulturelle sowie aufenthaltsrechtliche und ökonomische Probleme die Hilfesuche hemmen. Zu dieser erschwerten Problemlage kommen spezifische Gewaltformen hinzu, von denen vor allem Frauen mit Migrationshintergrund betroffen sind:

 

-Zwangsheirat: Wer unter Zwang heiratet, der sucht sich seinen Partner nicht selbst aus. Stattdessen bestimmt die Familie, wer wen heiratet. Die Betroffenen sind in den meisten Fällen minderjährig. Sie müssen gegen ihren Willen einen unbekannten Menschen heiraten. Information und Hilfe gibt es beim Verein Orient Express: www.orientexpress-wien.com / E-Mail: office@orientexpress-wien.com / Telefon: +43 (1) 728 97 25

 

-Frauenhandel: Wenn Frauen aufgrund von Täuschungen und falschen Versprechungen migrieren und im Zielland in eine Zwangslage gebracht werden, wenn sie aufgrund ihrer rechtlosen Situation zur Ausübung von Dienstleistungen gezwungen werden und/oder wenn sie ihrer Würde, ihrer persönlichen oder sexuellen Integrität von Ehemännern oder Arbeitgeberinnen und -gebern beraubt werden, sind sie Betroffene von Frauenhandel. Information und Hilfe gibt es beim Verein Lefö: www.lefoe.at / E-Mail: ibf@lefö.at / Telefon: +43 1 796 92 98

 

-Genitalverstümmelung (Female Genitale Mutilation/ FGM): In Österreich leben Schätzungen zufolge rund 6.000 Frauen, die in ihrer Kindheit einer Verstümmelung ihrer Geschlechtsorgane unterzogen wurden. Für die betroffenen Frauen bedeutet das ein Leben voller Schmerzen, Infektionen und ohne sexuelles Verlangen. Genitalverstümmelung von Frauen ist nicht religiös begründet und macht vor keiner gesellschaftlichen Schicht halt. Informationen und Hilfe gibt es unter: Afrikanische Frauenberatungsstelle in Wien und die Frauengesundheitszentren in Österreich

 

Wo finden gewaltbetroffene Frauen Hilfe und Unterstützung?

Rösslhumer: Wenn Sie Gewalt erleben müssen oder mussten oder eine Frau kennen, die von Gewalt betroffen ist, scheuen Sie nicht davor, Hilfe zu holen! Wenn Sie in Gefahr sind oder beobachten, dass eine Frau oder ein Kind in Gefahr ist, rufen Sie den Polizeinotruf 133 oder Euronotruf 112. In einer Gefahrensituation ist vor allem die Sicherheit der betroffenen Frau und ihrer Kinder wichtig. Die Polizei ist verpflichtet, sofort zu kommen, die Gewalt zu beenden und die Betroffenen zu schützen.

 

Die Frauenhelpline 0800/222 555 ist für Anruferinnen und Anrufer aus ganz Österreich kostenlos und anonym. Die Beraterinnen sind 365 Tage im Jahr erreichbar und beraten Sie gerne anonym und kostenlos, auch in den Sprachen Arabisch, Bosnisch-Kroatisch-Serbisch, Englisch, Rumänisch und Türkisch.

 

Schutz und Unterkunft für Frauen und Kinder bieten auch insgesamt 30 Frauenhäuser in Österreich. Die Mitarbeiterinnen zeigen Betroffenen Wege auf, auf denen sie zur eigenen Stärke und zu einem selbstbestimmten gewaltfreien Leben zurückfinden können. Die Kontaktdaten zu allen Frauenhäusern finden Sie im Adressregister am Ende der Broschüre.

 

Die Gewaltschutzzentren und Interventionsstellen bieten Betroffenen kostenlos psychosoziale und juristische Beratung. Die Kontaktdaten zu allen Gewaltschutzzentren und Interventionsstellen finden Sie im Adressregister am Ende der Broschüre.

 

Kinder als Betroffene von Gewalt

 

Kinder sind besonders stark gefährdet, misshandelt zu werden, wenn ihre Mutter Gewalt erlebt. In 70 Prozent der Fälle werden nicht nur Frauen, sondern auch ihre Kinder misshandelt. Studien zeigen, dass es auch einen Zusammenhang zwischen der Schwere der Gewalt, die die Mutter erleiden muss, und der Gewalt, die ihre Kinder erleiden müssen, gibt: Je schwerer die Gewalt gegen Frauen, desto schwerer ist auch die Gewalt gegen ihre Kinder.

 

Kinder sind bei häuslicher Gewalt immer betroffen: Direkt, wenn sie selbst Misshandlungen ausgesetzt sind, oder indirekt durch das Miterleben von Gewalt an der Mutter. Wenn Kinder Zeuginnen oder Zeugen der Gewalt an der Mutter sein müssen, kann das ebenso wie eigene Gewalterfahrungen zu schweren Langzeitfolgen und Traumatisierungen führen. Die schwerwiegenden Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche können sich beispielsweise in Unruhe, Hyperaktivität, aggressivem Verhalten gegenüber anderen Kindern, ständigen Angstgefühlen, Wut, Depression, geringem Selbstwertgefühl oder schlechten Schulleistungen und Schlafstörungen äußern.

 

Was Kinder in gewaltbelasteten Familien erlernen, wird sie auf ihrem weiteren Weg beeinflussen: Immer wieder zeigt sich, dass Kinder mit Gewalterfahrungen selbst zu Tätern oder Betroffenen werden. Auch die Tatsache, dass sie rund 50 Mal häufiger in Drogen- oder Alkoholsucht abgleiten als Kinder ohne Gewalterfahrung, zeigt lediglich die Spitze des Eisbergs der Folgen von häuslicher Gewalt für Kinder.

 

Die Auswirkungen von Gewalt in der Kindheit kann auch genetische Folgen mit sich bringen. Laut einer Studie altern gewaltbetroffene Kinder früher als andere Kinder, die in einer gewaltfreien Umgebung aufwachsen können.

 

Wo finden gewaltbetroffene Kinder Hilfe?

Rösslhumer: Erwachsene haben die Pflicht, Kinder vor Gefahren zu schützen. Das ist die Aufgabe von Erwachsenen und Hilfsorganisationen. Manchmal jedoch können oder wollen sie diese Aufgabe nicht wahrnehmen. Dann ist es wichtig, dass Kinder ermutigt werden, verschiedene Schritte zu gehen.

 

-Vertrauenswürdige Erwachsene hinzuholen/Vertrauenspersonen zu suchen: Viele Menschen, die sich für junge Menschen engagieren, tun das gerne und aus Überzeugung. Sie sind daran interessiert, dass es Kindern und Jugendlichen gut geht. Und viele kennen sich im Hilfesystem gut genug aus, um Kindern und Jugendlichen raten zu können, wohin sie sich wenden können. Das können Verwandte, Nachbarn und Nachbarinnen,  Geschwister, Lehrerinnen und Lehrer, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter oder beispielsweise Kursleiterinnen und Kursleiter sein. Sie werden dich schützen und den Kontakt zu den Notdiensten oder zum Jugendamt herstellen.

 

-Telefonnotdienste: Notdienste stehen Tag und Nacht zur Verfügung. Dort arbeiten rund um die Uhr professionelle Beraterinnen und Berater. Sie helfen, eskalierende Situationen in Familien zu entschärfen und dadurch vorzubeugen, dass es zu Gewalt und Vernachlässigung oder anderen Formen der Kindeswohlgefährdung kommt. Sie greifen aber auch ein, wo bereits Gewalt im Spiel ist.

 

‒      Rat auf Draht: 147

‒      Kindernotruf: 0800 / 567 567

‒      Frauenhelpline: 0800/222 555

 

-Kinder- und Jugendanwaltschaft: In jedem Bundesland Österreichs gibt es eine Service- und Beratungsstelle für Kinder und Jugendliche, die Kinder- und Jugendanwaltschaft. Wenn du dich zu einer speziellen Situation rechtlich beraten lassen willst oder einfach Informationen brauchst, kannst du dort anrufen. Die Kinder- und Jugendanwaltschaft versucht auch, bei Meinungsverschiedenheiten und Auseinandersetzungen zwischen Kindern und Jugendlichen, ihren Eltern und sonstigen Beteiligten zu vermitteln.

 

Die Kontaktdaten zu allen Kinder- und Jugendanwaltschaften findest du im Adressregister am Ende der Broschüre.

 

-Kinderschutzzentrum: In ganz Österreich gibt es Kinderschutzzentren. Dorthin kannst du dich wenden, wenn du eine Beratung brauchst. Die Gespräche sind kostenlos, anonym und vertraulich.

 

Die Kontaktdaten zu allen Kinderschutzzentren findest du im Adressregister am Ende der Broschüre.

 

-Jugendamt: Das Jugendamt (Amt für Jugend und Familie) ist im Auftrag des Staates tätig. Es hat die Aufgabe, dort tätig zu werden, wo Eltern ihre Kinder vernachlässigen, seelisch und körperlich verletzen und ihren Erziehungspflichten nicht nachkommen.

 

Die Kontaktdaten zu allen Jugendämtern findest duonline unter www.jugendaemter.com

 

Buben und junge Männer können sich auch an die Männerberatungsstellen in den jeweiligen Bundesländern wenden.

 

-Kinderwebsite: www.gewalt-ist-nie-ok.at

 

Der Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser hat auch eine eigene Kinderwebsite eingerichtet, wo sich Kinder anonym über Gewalt in der Familie informieren können.  www.gewalt-ist-nie-ok.at

 

Was ist die Kampagne GewaltFREI leben?

Rösslhumer: Trotz zahlreicher Verbesserungen in den letzten Jahrzehnten, ist Gewalt an Frauen und Kindern noch immer tief in unserer Gesellschaft verwurzelt. Das muss sich ändern! Die Kampagne GewaltFREI leben möchte genau hier ansetzen: In den Jahren 2014 und 2015 werden zahlreiche Projekte verwirklicht, die für das Thema Gewalt an Frauen und Kindern sensibilisieren und wertvolle Präventionsarbeit leisten. Zusätzlich sollen Handlungsspielräume aufgezeigt und die Frauenhelpline gegen Gewalt (0800 222 555 – anonym, kostenlos, rund um die Uhr) noch bekannter gemacht werden.

 

Im Zentrum von GewaltFREI leben steht die Zusammenarbeit mit (künftigen) Partnerinnen und Partnern der Kampagne in ganz Österreich. Mit unserer tatkräftigen Unterstützung können sie in Ihrer Einrichtung, Institution, Ihrem Unternehmen oder Verein zahlreiche Aktivitäten umsetzen – den Ideen sind keine Grenzen gesetzt. Sie leisten damit einen wertvollen Beitrag zur Verhinderung von Gewalt an Frauen und Kindern!

 

Wie kann man Partnerin und Partner gegen Gewalt werden?

Rösslhumer: Jede und jeder Mensch kann sich an der Kampagne beteiligen und einen aktiven Beitrag zur Beendigung von Gewalt an Frauen und Kinder leisten: Sei es durch die Organisation einer Informationsveranstaltung, eines Workshops oder eines Seminars zum Thema Gewalt oder durch die kostenlose Bekanntmachung der Nummer der Frauenhelpline 0800/222 555 oder durch die Anmietung der Ausstellung Silent Witnesses oder durch einen finanziellen Beitrag. Siehe auch: www.gewaltfreileben.at

 

Warum ein aufgebrochener Käfig als Kampagnen-Sujet?

Rösslhumer: Der aufgebrochene Vogelkäfig symbolisiert die Möglichkeit, sich aus einer Gewaltbeziehung befreien zu können. Das Sujet soll allen Betroffenen Mut machen. Es soll sie stärken, sich aus Gewaltkontexten und Gewaltbeziehungen zu befreien und die Gitterstäbe zu durchbrechen. Und es soll aufzeigen, dass es dafür Hilfe und Unterstützung bei der Frauenhelpline gegen Gewalt 0800/222 555 und vielen weiteren Gewaltschutzeinrichtungen gibt.

 

Gleichzeitig lässt der aufgebrochene Käfig erahnen, mit wie viel Kraft und Anstrengung ein Entrinnen verbunden ist. Das Sujet soll vermitteln, wie ausweglos sich die Situation für Frauen und Kinder, die Gewalt erleben müssen, oftmals anfühlt, wie gefangen sie sich fühlen.

 

Je länger jemand Gewalthandlungen ausgesetzt ist und je schwerer diese sind, desto schwieriger ist der Weg aus der Gewaltbeziehung. Gewalterfahrungen können zu Mut- und Hoffnungslosigkeit bis hin zu Ohnmacht führen. Frauen und Kinder, die von Gewalt betroffen sind, fühlen sich oft einsam, allein und verlassen. Für besonders gefährdete Frauen, die viele Jahre in Gewaltbeziehungen leben, oder die in die Isolation gezwungen werden, kann ein Entkommen fast unmöglich erscheinen.

 

Angst vor weiterer Gewalt oder Drohungen des gewalttätigen Partners, wie zum Beispiel dass sie bei einer Trennung ihre Kinder verlieren wird, hindern manche Frauen aus der Gewaltbeziehung auszubrechen. Auch ökonomische Abhängigkeit wie zBkein oder ein geringes Einkommen oder kein Zugriff auf das gemeinsame Vermögen können eine Rolle spielen. Frauen, die alle diese Hürden überwinden und sich trennen, sind leider besonders gefährdet, schwere Gewalt durch den Ex-Partner zu erfahren, manche riskieren sogar ihr Leben.

Das Kampagnen-Sujet soll symbolisieren, wie schwierig es ist, aus einer Gewaltbeziehung auszusteigen. Die Betroffenen müssen nicht nur die Gewalthandlungen ihres Partners überstehen, sondern sich auch seinem psychischen Druck widersetzen und ein neues Leben für sich aufbauen.

 

Gitterstäbe werden nicht beim ersten Versuch zu durchbrechen sein, bei manchen wird es zwei, drei und mehr Versuche brauchen. Die Kraft dafür kann und darf nicht nur von den Frauen kommen, die Gewalt erleben. Wir alle können helfen, die Gitterstäbe zu durchbrechen, indem wir nicht wegschauen.

 

Wer ist Mag.a Maria Rösslhumer?

 

Politikwissenschaftlerin, Geschäftsführerin des Vereins Autonome Österreichische Frauenhäuser, AÖF und der Frauenhelpline gegen Gewalt 0800/222 555. Leiterin des europäischen Netzwerkes WAVE (Women Against Violence Europe) und Koordinatorin der Kampagne GewaltFREI leben.  Email: maria.roesslhumer(at)aoef.at

 

www.aoef.at, www.frauenhelpline.at, www.wave-network.org

Ungarischer Präsident lobt das türkisch-osmanische Reich

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Budapest-Der ungarische Präsident Pal Schmitt hat in einem Interview bei der spanischen Zeitung ABC gesagt „Die 150 Jahre Türkenherrschaft erkenne ich als eine positiven Abschluss an“.

Schmitt  „Die türkische Herrschaft von 1541-1686 erfinde ich als eine sehr gute Chance für das ungarische Volk. Wäre unser Land nicht von den Türken, sondern von einem anderen Volk beherrscht worden sein, dann hätten sie gewollt, dass wir unsere Sprache und Religion ändern und wir wären assimilliert.“ ( Es wurde nicht dementiert)

150 Jahre lang war Ungarn für die Türken ein strategisch wichtiger Punkt. Es gab Zeiten, da begann das Osmanische Reich an der österreichischen Südgrenze. Bis heute zeugen in ganz Ungarn Bauten davon.

Kanuni Sultan Süleyman eroberte 1541 Budin und es gehörte 145, manche Gebiete auch 160 Jahre lang zum osmanischen Reich.

Imposante türkische Bauten

Türkische Bäder, Brunnen und Moscheen finden sich im ganzen Land. In der südungarischen Stadt Pécs, die auf Deutsch Fünfkirchen heißt und auch ein Zentrum deutscher Kultur in Ungarn ist, steht das am besten erhaltene osmanische Gebetshaus, die Jakovali-Hassan-Moschee. Darin befindet sich heute ein Museum für türkische Kunst und Geschichte. Andere imposante Baudenkmäler sind die Gazi-Kasim-Moschee in Pécs und die Malkocs-Bey-Moschee in Siklós.

Im südungarischen Städtchen Szigetvár wiederum steht die größte erhaltene Osmanen-Festung in Europa. Die dortige katholische St. Rokus-Kirche ist die frühere Ali-Pascha-Moschee, und man sieht es ihr deutlich an. Errichtet wurde sie 1575 vom osmanischen Admiral Ali Pascha, der in der berühmten Seeschlacht von Lepanto 1571 die türkische Flotte in die Niederlage führte.

Szigetvár ist der Ort, wo 1566 bei der Belagerung der Stadt der größte aller Sultane starb, Süleyman der Prächtige. Nicht verwunderlich, dass die Moschee im Inneren der Szigetvárer Festung seinen Namen trägt, dort ist heute eine Osmanen-Ausstellung zu sehen. Im vergangenen Jahr fanden Forscher außerhalb der Stadt den genauen Todesort des Sultans.

Unter der Erde entdeckten sie die Überreste eines Mausoleums, einer Moschee sowie eine kleine Stadt. Es ist die einzige, die die Osmanen je in Europa bauten. Zugänglich ist all das für Touristen vorerst nicht, die Grabungen werden noch einige Jahre in Anspruch nehmen, aber mittelfristig wird hier ein Museum entstehen.( red., ABC, Welt)

Analyse


Ohne die Türken gäbe es keine Ungarn oder ohne die Ungarn vielleicht keine Türken?

Diese Frage stellt sich sehr oft und man hört die wildesten Spekulationen.

Aber erst: Das Bild zeigt den Turul am Budaer Burgpalast.  Der Turul ist ein Fabelwesen aus dem ungarischen und türkischen Mythenkreis. Warum steht es in Budapest?  Der Vogel hat Ähnlichkeiten mit einem Adler und mit einem Falken (Gerfalke, Falco rusticolus altaicus oder Würgfalke, Falco cherrug). Das Wort Turul kommt aus dem Alttürkischen. Turul am Budaer Burgpalast segen in Budapest sehen. Der Burgpalast (hun Budavári palota) auf dem Burgberg im Burgviertel ist das größte Gebäude Ungarns und eine Sehenswürdigkeit der Hauptstadt Budapest. Es nimmt den gesamten Südteil des Burgbergs ein. Das Gebäude ist auch als Königliche Burg (Királyi Vár) bekannt. Tatsächlich stammt der Begriff „Ungar(n)“ vom Wort „Onogur“ ab, einem der türkischen Stammesoberhäupter aus jener Zeit des ersten Kontaktes der Europäer mit den Ungarn.

Einer der Turul auf der Freiheitsbrücke Photo: Bengt Olof Åradsson Detail of liberty bridge

Für die allgemeine Verunsicherung haben vor allem die Habsburger schon vor 150 Jahren gesorgt, wohlgemerkt aus staatspolitischen Gründen. Die Osmanen waren hier auch nicht besser, wenn es um das Assimilieren gegangen ist.

In der neueren Geschichte haben die Herren dieser Zeit, die Sowjets, keinen Anlass gehabt, die bewährte Herkunftsideologie zu ändern. Hier möchte ich nur auszugsweise etwas über die Ungarn darstellen, die Einzelheiten sollte man auf  ungarischen oder auf englischsprachigen Seiten recherchieren. Die deutschsprachigen Webseiten spiegeln den 150 Jahre alten geistigen Zustand der Habsburger Politik wieder, daher würde ich von dem Besuch dieser Webseiten abraten.

1. Genetik der Ungarn
2. Ungarische Sprache
3. Berichte über Ungarn aus verschiedenen Epochen

Sprachverwandtschaft ohne genetische Verwandtschaft ?

Entgegen der Annahme der 150 Jahre alten Finnougristik haben die Ungarn keine genetische Verbindung zu den Finnen.

Die  Gen-Marker Forschung der letzten 15 Jahre hat diesen Beweis geliefert. Die Untersuchungen der ungarischen Akademie, der biologischen Institute der Uni Szeged und ferner die Untersuchungen an mehreren ungarischen, uralischen und zentralasiatischen Populationen im Auftrag des deutsch-finnisch-ungarischen Regierungsabkommens über Wissenschaft und Forschung, haben Gen-Marker Ergebnisse geliefert, wonach die Ungarn keine genetische Verwandtschaft zu den Finn-Ugriern haben.

Die ungarische Bevölkerung, je nach Stammesgebiet, hat eine genetische Verbindung zu den altaischen Völkern. Eine genaue Bestimmung lieferte Prof. Matstito, der bekannte Molekularbiologe aus Japan, die folgendes besagt: Die Ungarn stammen von den Uiguren ab.

Überrascht?  Die Finnougristik entstand im 19. Jahrhundert als eine politische Förderung der Habsburger in der „Bach-Kanzler-Zeit“. Vor allem nachdem die Habsburger den ungarischen Freiheitskampf (1848) mit Hilfe des russischen Zaren blutig niedergeschlagen haben, war man bemüht, dem rebellischen Ungarn das altaische Gedächtnis auszulöschen.

Eine Schar von Pseudo-Sprachforschern aus deutschen Landen wurde im politischen Auftrag nach Ungarn geschickt. Eine herausragende Figur war Josef Budenz, geboren 1836 in Deutschland bei Fulda. Andere Persönlichkeiten waren Paul Hunsdorfer und Franz Schedel, der sogar schon mit zehn Jahren die ungarische Sprache erlernte. Es waren noch viele weitere Fleißige am Werk, einige hatten sogar das Diplom eines Astronomen. Auf ungarischer Seite hat sich die katholische Kirche, vor allem die Jesuiten wie Johann Sajnovic und Anton Reguly, für die nordische Identität stark gemacht. Angesehene Politiker der Monarchie waren der Meinung, dass die Finnougristik der Staatsräson besser dienen kann und die Ungaren wurden für alle Mal von ihrer hunnisch-awarischen und türkischen Vergangenheit befreit. Fündig wurde man im XIX. Jahrhundert. Es wurden ca. 300 Wörter mit finnougrischer Herkunft gefunden. Die Methode der Finnougristik war, dass man die beiden Sprachen völlig isoliert von den anderen altaischen Sprachen untersuchte.

Ab sofort gab es nur eine strikte Trennung zwischen den Ural- und Altai-Sprachen. Es wurden monarchistisch-akademische Gesellschaften für Finnougristik gegründet, natürlich mit dem Ehrenvorsitz von Erzherzog Josef von Österreich. Trotzdem gab es mutige Forscher, die unter großen Entbehrungen gegen den Strom der Administration die altaische Herkunft verfolgt haben. Unter ihnen ist der bekannte Turkologe Vámbéry und Sándor Körösi Csoma, der 1836 nach Uiguristan aufbrach, um das „Urland“ der Ungarn zu finden.

Körösi wurde von der englischen Regierung unterstützt, als Gegenleistung hat er in Tibet das erste tibetische Wörterbuch fertiggestellt. Hier in den tibetischen Klöstern fand er viele schriftliche Hinweise auf die Herkunft der Ungarn. Er selbst wurde schwer krank und starb in Tibet ohne jemals Uiguristan zu erreichen. Die türkische und ungarische Sprache haben viele Gemeinsamkeiten. Dies ist nicht nur ein Resultat der osmanischen Belagerung sondern zeugt von einer Verwandtschaft, die weit in der Geschichte zurückliegt, z.B. das Wort „csizma“ (Stiefel).

Sowohl Ungarn als auch Türken waren seit Jahrtausenden Reitervölker, bei denen der Stiefel ein wichtiges Kleidungsstück war. Auch die Menschen dieser Völker hatten viele Gemeinsamkeiten. Als die Ungarn nach Europa einwanderten, wurden sie teilweise als Hunnen, Türken oder Awaren bezeichnet.

Definition: vor 150 Jahren, vor den Habsburgern, war nur die hunnisch-türkische Herkunft bekannt, somit war das uigurische Gen-Marker-Ergebnis nur die Bestätigung eines jahrtausendealten Volksgedächtnisses. Einige Beispiele für finnisch-ungarische Worte sind im Folgenden angeführt. Es sind hauptsächlich Begriffe von Körperteilen, einfache Naturbeschreibungen und Zahlenworte (nur bis vier):

deutsch               ungarisch                      finnisch

eins                         egy(edj)                               iksi

zwei                        kettö                                     kaksi

drei                         harom                                  kolmi

vier                         negy(nedj)                          nelja

Hand                      kez                                        kate

Fisch                       hal                                       kala

Wasser                    viz                                       vete

Blut                         ver                                      veri

 

Nach neuesten Untersuchungen enthält die ungarische Sprache mehr als 1500 Wörter „turk“ischen Ursprungs und die Zahl wächst fast täglich.

deutsch                 ungarisch                      kasakh                                  uighur

gelb                        sarga                            saru                                       serikh

Bart                        sakal                            sakal                                      sakal

Apfel                       alma                            alma                                       alma

mutig                      bator                            batul

klein                       kicsi                              kishi                                       kishik

Mensch                  ember                           ber                                         ber

Dass sich die Zahlenwörter nur bis vier etwas mit dem Ungarischen gleichen ist auch ein Hinweis für die finnougrischen Stämme, die sich in einem sehr frühen Stadium von der Altai-Familie getrennt haben. Für alle altaischen Sprachen, einschließlich Finnisch und Ungarisch, gilt, dass sie agglutinierend sind. Die Sprachkonstruktion des Ungarischen steht dem Türkischen am nähesten. Für beide gilt, dass sie streng agglutinierend sind und einer ähnlichen strengen Vokalharmonie folgen. Wie in ungarischer Sprache so gibt es auch im Türkischen keine Geschlechter.

Ein Ausschnitt aus dem Werk des Schriftstellers Körmendy mit einem Hinweis auf den Klang der Worte: (http://www.rkk.hu/forras/0003/kormendi.html)

Aussprache: cs=ç (tsch);s=s (sch); ny=(nj); z=s (wie Sarg); gy=dj (wie djam);ty=tj; sz=ß

Köttön, Csorba. Kunmadaras: Ajtos dulo, Berek, Darvas halom, Ecse, Üllo. Kisújszállás: Csegei sziget, Csivag,   Daraksa, Gástyás, laponyag, Gyalpár, Kara János, Turgony, Konta, Mirhó, Szoszkoma, Tarján ér, Ürmöshát. Karcag: Bengecseg,  Bézi sziget, Botonás, Bócsa,Csobi porong, Csoma ér, Deme sziget, Dusa porong, Ecse zug, Érbuga, Hegyesbori sziget, Hodos fenék,  Kargafenék, Katymár hát, Kise porong, Zádor ér, Murza laponyag, Penesziget, Tarattyó út,      Tarcsahát, Tíbuchalom, Hogyezug, Karczagtelke, Kargaderék.Tudom, önt máris eszi a mormáncsennyi barbárszép szó olvastán, melyek mindegyike szinte maga az osi Ázsia.

Ungarische Musik und Volkskunst

Mit der Musik ist das Volksliedgut gemeint und nicht die im Westen populären Kunstlieder (z.B. Csardas), die mit der traditionellen, ungarischen Musik nichts zu tun haben. Bartok und Kodaly waren Sammler des ungarischen Liedguts. Bela Bartok, der bekannte Komponist, war auch ein Forscher der ungarischen Musik. Zum Erforschen der Quellen reiste er in die Dörfer der Yürrük nach Anatolien (Türkei), um die bis zu 70 Prozent mit den ungarischen Liedern identischen Bauernlieder festzuhalten.

Die ungarische Volkskunst ist ohne Frage die Fortsetzung der altaisch-türkischen Tradition (Motive, Trachten usw.).

Abschied von Uiguristan

Ganz einfach ist es nicht, die Herkunft der ungarischen Sprache zu klären.

Ein Teil der ungarischen, französischen und anglo-amerikanischen Wissenschaftler weisen auf die sumerische Herkunft vieler Worte hin. Der Einfluss der Hunnen, die die Familie der agglutinierend-turanischen Völker symbolisieren, lässt sich zwischen Europa und Westchina erkennen. Die Uiguren waren wohl der Ursprung  der Hunnen, sie wanderten von Mittelasien nach Ost-Turkestan und sind auch das Verbindungselement zu den agglutinierenden Sumerern, die bekanntlich über ein riesiges Reich verfügten. Nach dem Zusammenbruch des Sumererreiches werden wohl die Völker dieses Reiches ostwärts gewandert sein. Unter ihnen waren die Vorfahren der Ungarn.

Es gibt ernstzunehmende Hypothesen, dass Ungarisch, weil es am nähesten zum Sumerischen steht, eine Art Ursprache für alle altaischen Sprachen bildet. Da sie mit Sicherheit im Besitz der Sumer-Kultur waren, wäre es falsch, von primitiven Nomaden zu reden. Später errichteten sie in West-China ca. 800 n.Chr. eine blühende Hochkultur (Turfan) mit dem Manichäertum. Merkwürdigerweise gibt es manchmal Wortgleichheit mit dem Mongolischen, aber nicht mit dem Türkischen und umgekehrt. Einige ungarischen Forscher haben sich angemaßt und behaupten, dass das Türkische vom Ungarischen abstammt. Nun ebenso behaupten die Türken, dass sie die Erzeuger der ungarischen Sprache sind und zwar in Chasarien, wo sich Türken mit Finno-Ugriern vermischten. Chinesische Gesichtsschreiber beschrieben 200 n.Chr. die Hunnen.

Sie berichteten über ihre Lebensweise, Bräuche und Schrift (Runenschrift, eingeritzt in Holz). Genau diese Bräuche verbinden später die ganze weit verbreitete Familie der Hunnen, wie Türken und Ungarn, miteinander. Die Ausdehnung der Hunnen begann von hier aus. Atilla (nicht der germanisierte Attila) war der mächtigste unter den Hunnen-Herrschern.  Die Mythologien der Türken und Ungarn leiten ihre Herkunft auf Atillas Söhne zurück.

Leben in Chasarien (Hazar)

Aus chasarischer Zeit gibt es viele Aufzeichnungen, vor allem von arabischen Reisenden und Politikern. Bekannte Persönlichkeiten waren Ibn Fadlan, Ibn-Rusta, Al-Djajhani usw. Die Ungarn werden erst hier näher als Stamm erwähnt. Man nennt sie madjarik, baschkirt baskirt und selten auch hunkar. Wichtig ist zu wissen, dass die den Ungarn am nächsten stehende Turksprachgruppe tschuwasch-baschkierisch ist!!  Man erwähnt, dass die madjarik einen Dialekt der Chasaren sprechen und das Chasarische ist anders als das Türkische, jedoch mit diesem auch verwandt. Im neunten Jahrhundert verlassen die madjarischen Stämme, zusammen mit chasarischen Kabaren das Chasarenreich und wandern nach Pannonien. Kaiser Konstatin von Byzanz erwähnt die Ungarn als die Turks, die früher in Chasarien, jetzt in Pannonien lebten.

Madjarisch-kabarische Landteile in Pannonien waren bis 800 n.Chr. schon mehrfach durch Völker türkischen Ursprungs besiedelt worden. Die Hunnen unter Führung von Atilla waren 400 n.Chr. da und die Awaren hatten dort 600 n.Chr. das Awaren-Reich gegründet. Nachdem dieses Reich zusammengebrochen war, verschwand das Volk nicht spurlos, sondern zog sich in den Osten in Richtung der Karpaten zurück. Es waren die Sekler in Erdely (Transsylvanien), die vor der Ankunft der Madjaren-Stämme dort lebten. Sie waren es, die die madjarisch-chasarischen Stämme zur Verstärkung ins Land gerufen haben. Jetzt können wir einen Blick auf die Stämme unter Führung von Almos und dessen Sohn Arpad werfen.

Die Stämme: MAGYAR (madjar), NYEK (njek), KERI, KESZI (kesi), TARJAN (tarkan), KÜRT-GYARMAT , KARI und KASI (JENÖ)

Die Führer: ALMOS, ARPAD, HUBA,TÖHÖTÖM, OND, ELÖD und TAS.

Der Führer der Kabaren war KENDE (Kond). Sicherlich waren weitere kleinere Stämme mit dabei. Die Migration der Völker des Chasarenbundes war noch nicht beendet, weil später noch die Petschegenen und die Bessenen nach Pannonien kamen. Der letzte große Zustrom der Turk-Völker ereignete sich im 13. Jahrhundert mit den Kun oder Kumanen (tatarisch-türkisches Volk). Wie wir sehen, sind alle Stämme und Völker Teil der altaischen Familie und ihre Gesamtheit bildet das ungarische Volk. Die letzten Zuwanderer, die Kumanen, sind immer noch stolz auf ihre Herkunft und  pflegen wieder die Kontakte zu Kasachstan, zu ihrer Urheimat. Sie sind unter anderem die Bewohner der bekannten PUSTA! Ihre Tradition ist lebhaft. Ich will damit zeigen, dass die Turk-Verbindung der Ungarn ein Grundelement ist.

Die blutige Staatsgründung

In Chasarien hatten die Stämme oft verschiedene Religionen. Die Integrität des Reiches war wichtiger als die Religion der Völker. So gab es alle erdenklichen Religionen, vom Früh-Christentum, Manichäertum, Islam, bis zum Judentum – bis sich der Chan der Chasaren aus politischen Gründen für die Aufnahme des Judentums entschloss. Die gesamte chasarische Führung wurde konvertiert. Es wird vermutet, dass es einen Aufstand gegeben hat und deshalb die Madjaren und Chasar-Kabaren das Land in Richtung Westen verlassen haben. Unter den Arpads-Stämme gab es Schamanen, Früh-Christen (nestroi), Manichäer und welche mit jüdischem Glauben.

Der ungarische König Aba Samuel (1248) stammt, wie auch der Name schon andeutet, aus dem Geschlecht der zum Judentum konvertierten Chasaren. Almos, der Führer der madjarisch-kabarischen Stämme, wurde noch in Transsylvanien ermordet, der Sohn namens Arpad brachte das Volk in die pannonische Ebene. Nach den bekannten Raubzügen und nach der verlorenen Schlacht in Lechte gab es ein Umdenken in der Führung. Geza, Sohn von Arpad, überließ die Erziehung seines Sohnes Vajk (später Istvan/Stephan) westlichen Herrschern. Er sah ein, dass die Ungarn nur überleben können, wenn sie sich in der Religion anpassen und zum römischen Christentum konvertieren.

Rom hat damals starken Einfluss genossen und verhinderte, dass das deutsche Kaiserreich über die Ungarn herfiel. Rom gab Vajk, dem Sohn von Gezas, im Jahre 1000 n.Chr. die heilige (awarische) Krone und damit begann die Christianisierung Ungarns. Mit Hilfe der deutschen Söldner brach Istvan den Wiederstand im Land. Reliquien und Schriften (wertvolle Runenschriften aus Mittelasien) wurde vernichtet. Die nicht-katholische Priesterschaft wurde ermordet, die widerspenstigen Stammesführer wurden enteignet und gevierteilt. So erging es Koppany dem Kabar, der ebenso gevierteilt wurde, dem der Stammes-Vereinbarung nach rechtmäßig die Macht zustand. Nämlich hätte nach Gesas (Großfürst) Tod nicht dessen Sohn Vajk, sondern der Kabare Koppany die Führung über die Stämme bekommen sollen. Für die blutige Bekehrung, deren Spuren bis zum heutigen Tag die ungarische Gesellschaft spalten (Koppany-Istvan, alte Werte-westliche Werte), wurde Istvan von der römischen Kirche als Stephan der Heilige selig gesprochen. Da Istvans einziger Sohn noch im Kleinkindalter von einem Wildschwein umgebracht wurde, beeilte sich die Kirche auch noch, diesen heilig zu sprechen.

Obwohl Istvan nicht legitim die Macht bekam, wird er mit Recht als Staatsgründer geehrt. Es sieht so aus, dass die Geschichte den Ungarn den blutigen Bruderkampf nicht ersparte, auf der anderen Seite ist Ungarn neben der Türkei das Land der Hunnen-Erbschaft, das sich die nationale Identität, staatliche Integrität und Sprache bewahrt hat.

Nach Istvans Dynastie kam wieder die Koppany-Linie an die Macht und es kehrte Ruhe und Toleranz in das  Land ein. Eine Reihe versöhnlicher Könige folgten. Ein Beispiel für das freie Ungarn sehe ich in der Regentschaft des IV. Kun-Laszlo, ein Kumanen König, der von dem römischen und deutschen Einfluss nichts hielt. Er stärkte die Rolle der Kumanen, die im Gegenzug militärisch und politisch die Unabhängigkeit des Landes garantierten.

Im Übrigen wurde der IV. Kun-Laszlo, für seine Toleranz für die alten Werte und die Religionsfreiheit mehrfach von der römischen Kirche exkommuniziert. In dieser Zeit entstanden die schriftlichen Werke von Simon Kezai 1282, einem Hofpriester von Bela des IV., der die Geschichte der Ungarn detailliert niedergeschrieben hat. Weitere schriftliche Werke sind von Anonymus, Mark Kalti (Wiener Bilderchronik). Das Haus Arpad ist im Jahre 1301 ausgestorben. Ein verhängnisvolles Schicksal der ungarischen Geschichte. Es kamen zunächst Herrscher aus dem Hause Anjou, Robert, der das Chaos und den Einfluss Roms wieder einführte. Bis auf eine einzige Ausnahme, Matthias, waren alle Könige auf Ungarns Thron ausländische Herrscher, zum Beispiel die Österreicher. Eine Ausnahme: König Matthias, der nach 1301 ein Ungar war.

Im Übrigen, war der Einfall der Osmanen in Ungarn im 16. Jahrhundert eine nationale Katastrophe. Die Osmanen haben den jungen ungarischen Staat in seinem Fundament erschüttert und für Feinde für viele Jahrhunderte das Bild der bösen Türken  geliefert, die das arme Ungarnland verwüstet haben. Später wurde  das Thema von den Habsburgern politisiert und zu Hetzzwecken benutzt. König Matthias, der letzte „ungarische“ König, hat die Osmanen noch aufhalten können. Aus strategischen Gründen erlaubte er den Truppen des Sultans, dass sie immer wieder das Ungarnland durchqueren dürften,  um auf österreichischem Gebiet zu wirken. Matthias‘ gefährlichere Feinde waren nämlich im Westen.

Nach dem frühen Tod von Matthias, kamen fremde Herrscher auf den Thron der Ungarn und sie wollten sich als Retter des Abendlandes verstehen. Es begann der Krieg gegen die Osmanen, der die Ungarn nicht weiter verschont hat. Die Folge war, dass Ungarn für die nächsten 150 Jahre drei-geteilt wurde. Interessanterweise erblühte die osmanisch-besetzte Zone, Erdely (Sekler), und das Habsburger-Bereich war einem Elend gleich.

Nach der Befreiung Ungarns durch Prinz Eugen kam nicht die Freiheit, sondern die absolute Unterwerfung durch Österreich, die dann so weit ging, dass die ungarische Sprache verboten und Deutsch als Amtssprache eingeführt wurde. In dieser Zeit und später bemühten sich die neuen Herren, deutsche Siedler ins Land zu bringen. Die slawischen Völker wurden auf die Madjaren gehetzt und so herrschte man bis das Fass voll war. Im Jahre 1848 war es so weit und der Freiheitskampf begann. Wie ich schon erwähnt habe, wurden sie niedergeschlagen und der Führer Lajos Kossuth emigrierte samt Begleitung in die Türkei. Übrigens gab es schon vor Kossuth Aufstände, sie haben ebenso in der Türkei Zuflucht gefunden.

Die Türken – wie steht der Ungar zu ihnen?

Mohacs war der Ort, wo die Ungarn 1552 von den Osmanen vernichtend geschlagen wurden. Suleyman, der Eroberer, ist in Ungarn gestorben, hier war auch der Wendepunkt in der osmanischen Geschichte. Mohacs ist Geschichte und Literatur. Den Ungarn war aus der alten turanischen Heimat bekannt, wie verwandte Völker ihren Einflussbereich erweiterten. Niemand käme auf die Idee, den Kumanen was vorzuenthalten, weil ihre tatarisch-kumanischen Brüder in 1242 n. Chr. das ganze Ungarn verwüstet hatten. In Szeklerland gab es eine andere türkische Geschichte wie sonst auf dem Balkan. Ich glaube, dass die Beziehung zu den Türken (auch bezüglich der Geschichte) so gut ist, wie kaum zu einem anderen Land. Fragt man die Sekler oder die Madjaren, wie sie zu Türken stehen – sie werden für die Türken sein.

Einige träumen sogar von einem turanischen Bund, die turanische Gesellschaft hat viele aktive Politiker der Vorkriegszeit hervorgebracht. Aber hier ist der Zug abgefahren. Nach dem Ersten Weltkrieg kam eine gewisse Befreiung, eine Befreiung auch von dem Finnougrismus, aber der Zweite Weltkrieg und die Sowjetische Besatzung setzte wieder die alte Ideologie ins Amt. Die panslawische Politik duldete keine Verbindung zur ohnehin kapitalistischen Türkei. Es kam die lange Zeit der Isolation.

In der Akademie der Wissenschaften saßen die in Moskau ausgebildeten Finnougristen. Nach der Wende (1990), versuchen einige dieser alten Kader vehement ihre alten Dogmas zu verteidigen, aber der Drang nach Wahrheit und nach wahrer Identität ist so groß, dass er weggefegt wird. Das Ergebnis der Gen-Marker-Untersuchung war der erste Schlag gegen diese alte Ideologie, nicht umsonst schrieben die Zeitungen wie von einer Befreiung: „WIR SIND KEINE FINNOUGOREN“ – nach dem Fall des Kommunismus ist auch diese Lüge durch die Wahrheit zu Fall gebracht worden.

Land der Diebe?

Einspruch-Interview mit Kurt Kuch

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von Birol Kilic- Wien, 2011
Herausgeber der Neue Heimat Zeitung (Yeni Vatan Gazetesi) und der Zeitschrift „EINSPRUCH“

Kurt Kuch ist Journalist bei NEWS und einer der wichtigsten Aufdecker der österreichischen Nation.Die vergangene Woche eröffnete Kardinal Christoph Schönborn mit einer Kritik an der Korruption in „Die Presse“ mit der Schlagzeile „Korruption und Skandale in Österreich“ mit folgenden bemerkenswerten Worten: “Wir benötigen mit Blick auf die Korruptionsfälle generell die klassischen elementaren Tugenden, über die sich manche gerne lustig machen, nämlich die Tugenden der Gerechtigkeit, der Wahrhaftigkeit, des Anstands, gewisse Dinge eben nicht zu tun.“

Das Buch „Land der Diebe“ stellt übrigens einen einmaligen Weltrekord dar.

Bitte nicht lachen.

Es ist das erste seiner Art in der Welt, das parlamentarisch verordnete Immunität genießt.

Ein österreichischer Abgeordneter hat vor dem Druck des Buches das gesamte Buch als eine offizielle parlamentarische Anfrage gestellt.

So eine lange parlamentarischer Anfrage mit über 500 Seiten hat die Welt noch nie gesehen.

Wie kam es zur Immunisierung eines Buches, wo wir meist Immunisierung nur von Abgeordneten kennen und warum?

Wir waren zu Gast im Namen der „Neuen Heimat Zeitung“ (Yeni Vatan Gazetesi) und der Zeitschrift „EINSPRUCH“ bei dem Aufdecker der Nation Journalist Kurt Kuch, der Autor des Buches „Land der Diebe“, der einen Generalverdacht gegenüber einem im Korruptionssumpf versinkenden System in Republik Österreich wortwörtlich ausspricht.

Das Buch beginnt mit einer unverblümten Anklage: „Es gibt Länder, die sind noch immer in einem früh Stadium des Kampfes gegen die Korruption. Polizei und Staatsanwaltschaft sind personalschwach, abhängig und stark politisiert, es gibt keine Anti-Korruptionsprogramme der Regierung, politische Unterstützung kann zu einer Beschleunigung von Karrieren in Justiz und Exekutive führen, persönliche Freunde werden ohne Qualifikation in höchste Ämter gehievt, selbst Minister verschaffen sich finanzielle Vorteile, Politiker entziehen sich geschickt und schamlos der Strafverfolgung durch Behörden, die Bürger eines Landes werden systematisch bestohlen, kein Sektor ist immun. Die Rede ist von Österreich. Dieses Buch ist eine Anklage. Und es gilt der Generalverdacht.“

Neue Heimat Zeitung-Yeni Vatan: Vielen Dank, dass Sie in dieser turbulenten Zeit für uns Zeit gefunden haben. Der Titel Ihres Buches ist recht paradox – „Land der Diebe.“ Wie kamen Sie dazu?

Kurt Kuch: Ich freue mich sehr, mit Ihnen zusammenzukommen. Die Bundeshymne mit dem Grundgerüst „Land der Berge, Land der etc.“ war für mich ausschlaggebend für den Titel. Heute scheint es treffender zu sein, unser Land auch als ein Land der Diebe zu bezeichnen. Die Korruption wird von der „österreichischen Seele“ immer mehr wahrgenommen, wird aber noch immer geduldet. Ich spreche nur das Wort des Jahres an „Wo woar mei Leistung?“(*). Der Begriff des Networkers gehört neu überdacht. Es kommen in den nächsten Monaten zahlreiche Verfahren auf uns zu, in der zahlreiche politisch bedingte Korruptionsfälle abgehandelt werden.

Neue Heimat Zeitung-Yeni Vatan: Sie bringen es auf den Punkt. Wofür bekommt man als angeblicher Networker oder Lobbyist Geld?

Kuch: Österreich sah sich jahrzehntelang als „Insel der Seligen“, als „heile Welt“. Aber mit dem Fortschritt der Globalisierung und der Mitgliedschaft in der Europäischen Union hat auch dieses Land andere Verpflichtungen bekommen – mitunter transparenter und offener aufzutreten. Ein Beispiel sind unsere Verpflichtungen gegenüber GRECO (Groupe d’Etats contre la corruption). Der Europarat hat dieses Gremium aus 48 Mitgliedstaaten eingesetzt, um die Mitgliedsländer zur Korruptionsbekämpfung zu verpflichten. Österreichs Performance ist in den vergangenen Jahren immens schlecht geworden. Zuletzt haben wir sogar die Veröffentlichung des für uns vernichtenden GRECO-Berichts verschleppt: Beschlossen wurde der Bericht am 13. Juni 2008, die Freigabe aus Wien ließ dann ein halbes Jahr auf sich warten. Die Veröffentlichung erfolgte erst am 19. Dezember 2008! Ich beschreibe diese Herangehensweise so: Der österreichische Weg lautet: „wollen täten wir schon – dürfen, müssen tun wir nichts.“

Links: Kurt Kuch, Rechts: Birol Kilic, Ort: Redaktion NEWS

Neue Heimat Zeitung-Yeni Vatan: Ihr nächster Traumberuf, schreiben Sie, wird Layouter. Wie kommt diese Vorstellung zustande?

Kuch: Ich spreche die Affäre um die FPK-Werbeagentur „Connect“ in Kärnten an, die für heftige Debatten gesorgt hat. Mein erster Gedanke bei der Durchsicht der Datensätze der Jahresberichte war: „In meinem nächsten Leben werde ich Layout-Berater.“ Zigtausende Euro wurden für sogenannte „Layout-Beratung“ verrechnet. Dabei hat diese Agentur nicht einmal Mitarbeiter. Mein nächster Gedanke war: „Mache ich persönlich etwas falsch?“

Neue Heimat Zeitung-Yeni Vatan: Sie fordern ein neues Parteiengesetz. Sie bringen daher die Leistungen der Agentur „Connect“ in Ihrem letzten Kapitel ins Spiel?

Kuch: Die Politikfinanzierung (also die Finanzierung der Parteien sowie die Bezahlung der Politiker/innen, Anm.) ist in Österreich seit den 1980er Jahren unter vielen Gesichtspunkten zweifelhaft. „Connect“ zeigt, wie dieses gut ausgebaute System um sich greift und wahrscheinlich eine längere Zeit weitergehen wird. Der Politikwissenschaftler Hubert Sickinger und der frühere Rechnungshofpräsident Franz Fiedler, Vorsitzender von Transparency International Österreich, und auch unterschiedliche Vertreter von Parteien wollen und fordern u.a. eine Gesetzesänderung. Bei uns sind anonyme Spenden und Spenden aus dem Ausland erlaubt, man kann sich ganz legal eine Partei kaufen. Darum setzt GRECO Österreich in der Transparenzstufe jedes Jahr nach unten. Dem Wirtschaftsstandort Österreich wird dadurch erheblicher Schaden zugefügt.

Neue Heimat Zeitung-Yeni Vatan: Geld, Wirtschaft, Justiz und auch Journalismus sind bekannte und verbundene gesellschaftliche Bereiche. Kann ein Journalist immer objektiv sein?

Kuch: Ich bin Journalist, kein Mittäter. Die historische „Vierte Macht“ muss viel stärker als „Public Watchdog“ in Erscheinung treten und die Rechte des Journalismus müssen gestärkt werden. Mir hat noch niemand gesagt: Schreib diese Geschichte nicht, das würde unserem Verlag Inserate kosten.
Entscheidend ist: Wir brauchen ein Parteienfinanzierungsgesetz auf westeuropäischem Niveau, funktionierende Antikorruptionsbestimmungen und die nötigen Ressourcen für die zuständigen Strafverfolgungsbehörden und  in Österreich brauchen wir dringend eine weisungsfreier Bundesstaatsanwalt der Republik Österreich.

Neue Heimat Zeitung-Yeni Vatan: Wie kamen Sie zum Journalismus und denken Sie, diesem Land mit Ihrer Arbeit Gutes zu tun?

Kuch: Nach dem tragischen Anschlag von Oberwart im Burgenland 1995 kam ich in Kontakt zu zahlreichen Journalisten. Ich bin selbst in Oberwart in guten Verhältnissen aufgewachsen und verdanke dem sehr viel. Unweit von meinem Elternhaus in Oberwart waren die leider sehr ärmlichen Romasiedlungen. Anständige, aber damals ausgegrenzte Personen. Journalist wollte ich immer werden, aber mein Vater nannte es ein eher „unwirtschaftliches Unterfangen“. Im Offenen Haus Oberwart (OHO) war ich ehrenamtlicher Pressesprecher: Ich hatte dort viel Kontakt mit Journalisten, die über das Attentat berichteten. Nach ein paar Monaten bekam ich das Angebot des News-Verlags und seither arbeite ich gerne und ununterbrochen für dieses Medium. Es macht Freude, etwas bewegen zu können. Die Frage, ob ich Gutes tue, weiß ich leider nicht zu beantworten – ich hoffe es jedenfalls.

Neue Heimat Zeitung-Yeni Vatan: Vielen Dank für die interessanten Einsichten in Ihre Arbeit.

Kuch: Ich danke Ihnen herzlich!

Buch: Land der Diebe, Ecowin Verlag, 272 Seiten
Format 15 x 21,5, gebunden mit Schutzumschlag,
Preis EUR 22,90 (A/D), CHF 34,90
ISBN 978-3-7110-0009-5

Austellung der Brückenbauer. Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft? „Türken in Wien“ im Judischen Museum

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Wien. Am 12. Mai 2010 wurde im jüdischen Museum in Wien die Ausstellung „Türken in Wien- Geschichte einer jüdischen Gemeinde“ eröffnet. Zahlreiche Gäste erschienen zu der fröhlichen und historisch eindrucksvollen Veranstaltung, bei der auch eine Musikgruppe mit passender musikalischer Untermalung für gute Stimmung sorgte. Bereits vor 20 Jahren gab es im Rahmen der Museumseröffnung bereits eine vergleichbare Ausstellung zu diesem Thema, wenn auch zunächst nur provisorisch. Im Laufe der Zeit wuchs die antike Sammlung zu einer beachtlichen Größe mit Leihgaben aus der ganzen Welt. Dank der neuen Ausstellung öffnen sich die Türen des Museums erneut um die Geschichte einer teils unbekannten Gemeinde in Wien, nämlich jene der sefardischen Türken, zu erzählen.

“Die wichtigsten Zeugnisse der sefardischer Lebenswelten in Wien wurden durch das NS-Regime im Zuge der Ermordung und Vertreibung der Mitglieder der sefardischen Gemeinde Wiens vernichtet. In der Nacht des Novemberpogroms 1938 stand der große Türkische Tempel in Flammen und wurde samt dem Gemeindearchiv vollständig zerstört. Damit ging ein wesentlicher Teil jüdischen Lebens in Wien mit einem Schlag zu Ende”, sagte Direktor Karl Albrecht-Weinberger in seiner Eröffnungsrede zur Ausstellung “Die Türken in Wien. Geschichte einer Jüdischen Gemeinde”, bei der zahlreiche Vertreter des diplomatischen Korps – allen voran der Botschafter des Staates Israel, Aviv Shir-On – anwesend waren. Er dankte auch der Vertreterin der Botschaft der Republik Türkei. Weiterer Dank ging an Birol Kilic, Obmann der Türkischen Kulturgemeinde in Österreich für die großzügigeUnterstützung des Ausstellungsprojekts. Weinberger verwies auf eine der ersten Ausstellungen des Museums, die sich kurz nach der Gründung des Museums ebenfalls mit dem Thema auseinandersetzte und erinnerte an den Aufbau des Museums in den letzten zwei Jahrzehnten. Die damalige Kuratorin Felicitas Heimann-Jelinek, heute Chefkuratorin des Museums und Leiterin des Arbeitsteams der Ausstellung, erläuterte die vielfältigen Zusammenhänge der sefardischen Diaspora in Europa und unterstrich die historische Bedeutung der Entwicklung der sefardischen Gemeinden im europäischen Gesamtzusammenhang.

Das Jahr 1492 war ein Schicksalsjahr in Spanien, als 800 Jahre arabisch-moslemischer Herrschaft durch die endgültige Reconquista beendet wurde, die Juden des Landes verwiesen wurden und  Christoph Columbus sich auf eine Reise machte, die zur Entdeckung der neuen Welt führte.  Die Ausstellung „Die Türken in Wien“ beschäftigt sich mit den Auswirkungen eines dieser drei wesentlichen historischen Ereignisse, die das Ende des europäischen Mittelalters markieren, nämlich mit der Vertreibung der Juden aus Spanien, die in Nordafrika, in einigen italienischen Städten, vor allem aber im Osmanischen Reich Asyl fanden. Zunächst nach Portugal Geflüchtete verließen die Iberische Halbinsel später in Richtung Holland und Norddeutschland. Mit den osmanischen Eroberungen konnten die Juden spanischer Deszendenz, die sogenannten Sefarden, kulturell und wirtschaftlich wichtige Gemeinden auf dem Balkan gründen. Bereits zur Zeit des Ghettos im Unteren Werd gab es Beziehungen zwischen den wiener und den sefardischen, also den türkischen Juden. Doch erst mit den Friedensverträgen zwischen dem Habsburger und dem Osmanischen Reich in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts genossen die türkischen Juden Freizügigkeit im Habsburger Reich. Nach der Gründung der türkisch-jüdischen Gemeinde in Wien wurde ihr per Patent die Freiheit gottesdienstlicher Religionsausübung zugesichert. Sie hatte ihr Bethaus von Anfang an im zweiten Wiener Gemeindebezirk.

1887 wurde schließlich der eindrucksvolle sefardisch-türkische Tempel im maurischen Stil in der Zirkusgasse eingeweiht, in dessen Vorraum man mit den Porträts des Habsburger und des Osmanischen Regenten beiden Majestäten und Ländern die loyale Referenz erwies. Im November 1938 wurde dieses Juwel Wiener Sakralarchitektur so wie fast alle anderen Synagogen und jüdischen Bethäuser der Stadt zerstört, die Träger dieser Gemeinde in der Folge zu einem großen Teil in den Tod deportiert.

Der Grund, warum gerade jetzt wieder eine Ausstellung zu diesem Thema eröffnet erklärt die Chefkuratorin des jüdischen Museums sei der, dass Istanbul zu dieser Zeit mitunter zu einer der europäischen Kulturhauptstädte zählt. Dies ist ein großes Signal für Europa und die Türkei. Das Thema Migration ist keine Erfindung des 20. oder 21. Jahrhunderts, denn darüber gab es schon immer gesellschaftspolitische Überlegungen. Es gibt immer zwei Seiten von Menschen, die von Migration profitieren können. Zunächst profitieren jene, die in ein neues Land kommen, um sich dort ein Leben aufzubauen. In weiterer Folge profitieren jene davon, die bereits in diesem Land wohnhaft sind. Sie erkennen den Mehrwert von Migration und genau dies sei auch der Hintergrund für die Themenwahl der Ausstellung. Zu sehen gibt es zum Beispiel Friedensverträge zwischen den Habsburgern und dem osmanischen Reich, zwei Giganten die voneinander profitierten. Es kam zu einem Handels- und kulturellem Austausch und somit zu einem wirtschaftlichen Aufschwung.

Im 18. Jahrhundert lebten rund 20 sefardische Juden in Wien. Sie führten bereits Handelsbeziehung sowohl im Inland, als auch im Ausland in der Türkei. Gehandelt wurde mit Baumwolle, Schwarzwurzeln, Kupfer, Zucker, Kaffee, Zwiebeln und „türkischem Zeugs“, wie Tabak und Pfeifen.

Durch den großen Erfolg des Handels wurden aus den 20 Gemeindemitgliedern schnell über 200 sefardische Juden in Wien und die Gemeinde wuchs und wuchs. Sie kamen aus Konstantinopel, Mazedonien, Bukarest und zahlreichen weiteren Destinationen.

Die sefardischen Juden Wiens waren in vielfacher Weise Vermittler zwischen Ost und West, zwischen Orient und Okzident, zwischen Asien und Europa. Diese Mittlerrolle spielten sie einerseits als Händler und Kaufleute, die Wolle und Baumwolle, Seide und Tabak, Zucker und Gewürze  in den Westen importierten. Auch ihre Rolle als aktive Exponenten der österreichischen Post in Konstantinopel und der Levante, des österreichischen Lloyd und des Orient Express, wird in der Ausstellung „Die Türken in Wien“ beleuchtet.  Diese Vermittlerrolle spielten die sefardischen Türken aber auch auf kulturellem Gebiet. Sie richteten in Konstantinopel die erste Druckerei überhaupt ein und in Wien eine sefardische Presse. Wesentliche Impulse zur Weiterentwicklung der rabbinischen Tradition gingen von sefardischen Juden aus. Die reiche, mittelalterliche spanisch-jüdische Poesie wurde weiter tradiert und übersetzt und es waren die Sefarden, die die Entwicklung der jüdischen Mystik vorantrieben.  Sie waren es vor allem, die die arabische Philosophie und Medizin  für die westliche Welt erfahrbar machte.

Die Ausstellung „Türken in Wien“ zeigt die aufblühende Entwicklung der sefardischen Gemeinde und präsentiert interessante Fotodokumentationen. Aufgrund dieser historischen Fotos konnten zahlreiche Dinge aus dem türkischen Tempel in der Zirkusgasse identifiziert werden. Zahlreiche Mäntel, wo die gegenseitige Beeinflussung der Kulturen deutlich zu sehen ist und andere Textilien, wie Teppiche und Wandbehänge können in der Ausstellung bewundert werden.

Die Geschichte der türkisch-sefardischen Gemeinde.

Die Gründung der türkisch-sefardischen Gemeinde im Jahr 1735 soll auf den sagenumwobenen Diego de Aguilar zurückgehen. Er wurde von Karl VI. nach Wien berufen, um das österreichische Tabakgefälle zu reorganisieren. Die schriftlichen Niederschläge, die sein Aufenthalt in bürokratischen Kommentaren fanden, weisen deutlich auf die ambivalente Haltung der habsburgischen Administration Juden gegenüber hin: im Allgemeinen war man ablehnend, wenn man wirtschaftlichen Nutzen erwarten konnte jedoch im Einzelnen tolerant. 1778 trat eine verbindliche Regulation für die türkisch-israelitische Gemeinde in Kraft. Im Vordergrund des behördlichen Interesses standen auch hier Finanzgebarung und Finanzkraft der Gemeinde.

 

„Die Türken in Wien“ Geschichte einer Jüdischen Gemeinde

Das Jahr 1492 war ein Schicksalsjahr in Spanien, als die 800-jährige arabisch-moslemische Herrschaft durch die endgültige Reconquista beendet wurde, die Juden des Landes verwiesen wurden und Christoph Columbus sich auf eine Reise machte, die zur Entdeckung der Neuen Welt führte.

Grußadresse der „Türkisch Israelitischen Gemeinde Wien“ zur Hochzeit von Kronprinz Rudolf mit Prinzessin Stephanie von Belgien. Wien 1881, Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv.

Zwei osmanische Orden von Emmanuel Steiner für seine Verdienste um die südliche Orientbahn in Saloniki, Saloniki um 1900, Jüdisches Museum Wien.

Reise-Chanukkia, Balkan um 1700, Sammlung Max Berger.

Gedenktafel in der Zirkusgasse 22, für den “Türkischen Tempel”, die Synagoge der Sephardischen Gemeinde, zerstört in der “Reichskristallnacht” am 10. November 1938.

Türkischer Tempel, in der Zirkusgasse.22 in Wien Wien um 1910, Jüdisches Museum Wien.

Die Ausstellung „Die Türken in Wien. Geschichte einer jüdischen Gemeinde“ beschäftigt sich mit den Auswirkungen eines dieser drei wesentlichen historischen Ereignisse, die das Ende des europäischen Mittelalters markieren, nämlich mit der Vertreibung der Juden aus Spanien, die in Nordafrika, in einigen italienischen Städten, vor allem aber im Osmanischen Reich Aufnahme fanden.

„Conscription deren allhier in Wien sich befindenden Türken und türkischen Unterthanen“ Wien 1766, Österreichisches Staatsarchiv, Haus-, Hof- und Staatsarchiv “Conscription of those Turks and Turkish subjects residing in Vienna?”, Vienna 1766, Austrian State Archives.

Zunächst nach Portugal Geflüchtete verließen die Iberische Halbinsel später in Richtung Holland und Norddeutschland. Im Zuge der osmanischen Eroberungen in Europa konnten die Juden spanischer Abstammung, die sogenannten Sefarden, kulturell und wirtschaftlich wichtige Gemeinden auf dem Balkan gründen. In Wien hatte es bereits zur Zeit des Ghettos im Unteren Werd zahlreiche Beziehungen zwischen den Wiener und den nun türkischen Juden gegeben.

Doch erst mit den Friedensverträgen zwischen den Habsburgern und dem Osmanischen Reich in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts genossen die türkischen Juden Freizügigkeit im Habsburger Reich. Nach der Gründung der türkisch- jüdischen Gemeinde in Wien wurde ihr die Freiheit gottesdienstlicher Religionsausübung zugesichert. Sie hatte ihr Bethaus von Anfang an im 2. Wiener Gemeindebezirk. 1887 wurde schließlich der eindrucksvolle sefardisch-türkische Tempel im maurischen Stil in der Zirkusgasse 22 (1020 Wien) eingeweiht, in dessen Vorraum man mit den Porträts des Habsburger und des Osmanischen Regenten beiden Majestäten und beiden Heimaten loyale Reverenz erwies.

Ketubba in hebräisch-sefardischer Balkanhandschrift Rustschuk/Russe 1806, Jüdisches Museum Wien.

Im November 1938 wurde dieses Juwel Wiener Sakral- Architektur so wie fast alle anderen Synagogen und jüdischen Bethäuser der Stadt zerstört, die Träger dieser Gemeinde in der Folge zu einem großen Teil in den Tod deportiert. Die sefardischen Juden Wiens waren in vielfacher Weise Vermittler zwischen Ost und West, zwischen Orient und Okzident, zwischen Asien und Europa. Diese Vermittlerrolle spielten sie einerseits als Händler und Kaufleute, die Wolle und Baumwolle, Seide und Tabak, Zucker und Gewürze in den Westen importierten. Andererseits vermittelten sie vor allem auf kulturellem Gebiet. Sie richteten in Konstantinopel die erste Druckerei überhaupt ein und in Wien eine sefardische Presse, die den gesamten Balkan mit Literatur in der ihnen spezifischen Sprache, dem aus Spanien mitgebrachten Ladino bediente.

Reise-Chanukkia, Balkan um 1700, Sammlung Max Berger.

Konzentriert sich die Ausstellung? Die Türken in Wien? auch auf die Wiener türkisch-jüdische Gemeinde, so weist sie doch auch auf weitere wichtige Aspekte der sefardischen Kultur hin: Beispielsweise darauf, dass wesentliche Impulse zur Weiterentwicklung der rabbinischen Tradition von sefardischen Juden ausgingen, dass sie die arabische Philosophie und Medizin für die westliche Welt erfahrbar machten, dass sie die reiche, mittelalterliche spanisch- jüdische Poesie weiter tradierten und übersetzten, und auch darauf, dass sie die Kabbala, die jüdische Mystik in die weite Welt der Diaspora exportierten.

Die Wunderkinder des Galimir-Quartetts, Fotografie um 1915.

 

Lech – Prominente Herausgeber- und Journalistenrunde “gipfelte” in Lech am Arlberg.

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“Über das Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kennen – die Zeitenwende in Politik, Wirtschaft und Medien”.

So lautete das brisante und aktuelle Motto, unter dem Lechs Tourismusdirektor Gerhard Walter gemeinsam mit Stefan Kröll und Thomas Weninger (pro.media) namhafte Zeitungs- und Medienmacher zu zwei Diskussionsabenden ins Hotel “Aurelio” mit Geschäftsführer Axel Pfefferkorn sowie zur Rüfikopfbahn geladen hatte.

Neben den Vorarlbergern Elmar Oberhauser und USAKorrespondent Hanno Settele (ORF) oder Susanne Glass als Präsidentin der Auslandspresse in Österreich hatten sich auch Herausgeber wie Oscar Bronner sowie Chefredakteurinnen und Journalisten wie Alexandra Föderl-Schmid, Andreas Pfeifer, Peter Kropsch, Carl-Eduard Meyer, Charles E. Ritterband (NZZ), Thomas Mayer, Birol Kilic und Erna Cuesta sowie Renate Moser und Rolf Seewald zu dem vom Vorarlberger Medienhaus, dem ORF, der Austria Presse Agentur, und Standard sowie den Swarovski Kristallwelten und dem Flugunternehmen InterSky unterstützten Mediengipfel am Arlberg aufgemacht. (vol.at)

Seltsame Begegnungen: Türken in Mauthausen

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LINZ. In dem 200km von Wien entfernten ehemaligen Konzentrationslager in Österreich, Mauthausen, in dem einst brutale Massenmorde stattgefunden haben, wurde nun auch den ermordeten türkischen Staatsbürgern muslimischen und jüdischen Glaubens ein Denkmal errichtet und eine Gedenkfeier abgehalten. Heute wird dieses Todeslager vom österreichischen Kanzleramt als Museum erhalten.

In Mauthausen wurden im Zweiten Weltkrieg Zehntausende Menschen auf barbarische Art und Weise getötet. Es wandelte sich damals schnell zu einem der gefürchtetsten Konzentrationslager im ganzen Nazi-System, nicht zuletzt durch die Einstufung des Lagers aus Stufe III. In diese Art von Lager sollten damals schwer belastete und „kaum noch erziehbare“ Häftlinge deportiert werden , es galt weiters als Strafverschärfung für Inhaftierte anderer Lager, da sie somit den Vermerk „RU“ mit sich trugen („Rückkehr unerwünscht“), was so viel bedeutet, dass sie direkt in den Tod getrieben wurden.

Insgesamt wird die Zahl der Häftlinge in Mauthausen auf über 200.000 geschätzt, eine endgültige Zahl wird jedoch nie vorliegen, da unzählige Häftlinge ohne Registrierung nach Mauthausen deportiert und dort ermordet wurden. Unter diesen 200.000 Häftlingen waren auch über 8.000 Frauen, die im Männerlager Mauthausen interniert worden waren. Die katastrophale Überbelegung führte nicht nur zu mehr als unmenschlichen Lebensbedingungen, sondern folglich zum Bau eines Zeltlagers im Herbst 1944, dort wurden die eingepferchten 10.000 Häftlinge nahezu sich selbst überlassen.

Bei der Feier, an der Mitglieder der Wiener Türkischen Kulturgemeinde, der Botschafter der Republik Türkei, Selim Yenel, der Generalsekretär der israelitischen Kultusgemeinde Raimund Fastenbauer, der Staatssekretär für Bildung, Kultur und Kunst Dr. Reinhold Hohengartner, der Vertreter des österreichischen Innenministers Staatssekretär Harald Hutterberger und der Vorsitzende des österreichisch- türkischen Kulturgemeinde und Herausgeber der Yeni Vatan Gazetesi, Birol Kilic, teilnahmen, wurde der Koran auf türkisch zitiert und hebräische Gebete aufgesagt, um den verstorbenen zu gedenken. Auf dem Gedenkstein der türkischen Opfer der Jahre 1933-1945 steht in deutscher Sprache: „Wir verneigen uns in Respekt vor diesen Türken, die schmerzvoll gestorben sind.“

Wer waren die Türken, die im Jahre 1939, als der Zweite Weltkrieg ausbrach aus Deutschland deportiert wurden?

Tausende Bürger, die aus Istanbul, Izmir und Edirne nach Europa und vor allem nach Deutschland ausgewandert waren, wurden damals in Mauthausen ermordet. Angehörige dieser Opfer sind heute noch in Istanbul und Izmir wohnhaft, wird berichtet. Namenlose Opfer. Es sieht für den Augenblick so aus, als ob es den Historikern überlassen ist, die Tragödie der Tausenden türkischen Opfer ans Tageslicht zu bringen, denn viele von ihnen scheinen in keinen Registern auf. Der Vorsitzende unserer Gemeinde, Herr Musicant, betonte in seiner Rede in Mauthausen deutlich, dass „Angriffe rechtsradikaler österreichischer Politiker auf Türken und Moslems und die Demütigungen nach dem Vorbild der Erniedrigung der Juden im Zweiten Weltkrieg nicht einfach so hingenommen werden dürfen. Man muss gegen jede Art von Rassismus in Österreich kämpfen. Man soll aus der Geschichte lernen.“  Erwähnenswert sind auch die zahlreichen türkischen Diplomaten, die damals in Europa arbeiteten und tapfer ihr eigenes Leben riskierten, um das Leben vieler europäischer und türkischer Juden vor dem Holocaust zu retten. Der Botschafter der Republik Türkei Selim Yenel hob hervor, dass „diese einzigartige Verantwortung und menschliches Verhalten ein Beispiel für die Menschheit ist und sein sollte.“ An dieser Stelle wollen wir noch auf ein herausragendes Beispiel einer solchen übermenschlichen Bemühung verweisen. Es handelte sich um den damaligen türkischen Botschafter in Marseille, Necdet Kent. Der heute 85-jährige, in Istanbul wohnhafte „stille Held“ stieg damals in einen Zug, der türkische Juden in die Konzentrationslager bringen sollte, mit ein, und forderte die Freilassung seiner Landsleute. Andernfalls würde er ihnen mit in die Gaskammer folgen. Nach langen Diskussionen wurden die Gefangenen mit einem Sonderbefehl aus Berlin tatsächliche freigelassen. Dass ein Mensch solchen Mut beweist und für seine Landsleute einsteht, selbst in Anbetracht seines eigenen Todes, ist in der heutigen Zeit fast undenkbar. Auch von anderen Städten in Europa hört man, dass sich die türkischen Diplomaten damals für ihr Volk einsetzten, teilweise sogar mit Erfolg.

Die Gedenkfeier fand 2007 am ersten Tag des Zuckerfestes (Ramadan) statt. Wir danken der türkischen Kulturgemeinde und allen anderen Gästen für ihre Anteilnahme.

General: „Wir kapitulieren nicht“

Sind wir im Krieg Herr General?

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In dem neuen Terminus des „kulturelle Rassismus“ sind wir nicht nur als „Opfer“, sondern auch als „Täter“ betroffen. Wir müssen also auch selbst aufpassen um weder Opfer, noch Täter im ulturellen Rassismus zu werden. Der ehemalige Wiener Bürgermeister Dr. Karl Lueger hat einmal, als man ihm vorgeworfen hat antisemitische Politik auszuüben, obwohl seine Geliebte und rechte Hand eine Wiener-Jüdin war, gesagt: „Ich bestimme wer Jude ist …“. Von diesen Worten müssen alle Menschen, auch wir, eine Lektion lernen. Wir unterstellen niemandem etwas. Wir bitten Sie nur das Thema „kultureller Rassismus“ mit Samthandschuhen anzufassen und nicht V lker wie „Waren im Supermarkt“ zu etikettieren. Das Wort „kapitulieren“ hat eine negative Konnotation. Es wirkt hetzerisch. Was bedeutet denn Kapitulation und wie wird es üblicherweise verwendet? Es wird in Wikipedia, der meist verwendeten Online-Enzyklopädie, folgende Beschreibung für Kapitulation angegeben: „Eine Kapitulation ist völkerrechtlich eine einseitige Unterwerfungserklärung und ist in der Haager Landkriegsordnung festgehalten. Militärisch erklärt zum Beispiel der Befehlshaber einer Festung oder eines Schiffes durch das Hissen einer wießen Fahne oder das Streichen der Flagge die Bereitschaft, keinen Widerstand mehr leisten zu wollen.“ Bitte beachten Sie bei dieser Definition die Wörter „Unterwerfungserklärung, Landkriegsordnung, militärisch“. Jedes dieser Wörter beinhaltet einen sehr starken Konflikt. Also müssen wir uns warm anziehen. Es geht ins Gefecht. Oder wurde mit diesem Wort ein sozioökonomisches Problem absichtlicher, verantwortungsloser und hinterhältiger Weise auf eine feindschaftliche Ebene gehoben? Es hat den Anschein, als ob bestimmte Personen uns mit dieser Ansage die Leviten lesen wollen. Soll das eine Bedrohung sein?

Wir müssen also auch selbst aufpassen um weder Opfer, noch Täter (Austrotürken) im kulturellen Rassismus( Neorassismus-Rasismus ohne Rasse) zu werden.

 

 

Auf jeden Fall kommt es wie ein Ultimatum daher.  Demnach versteht man, dass die Migranten, die dieses Land zu ihrer Heimat gemacht haben, entweder den Österreichern nacheifern oder „abhauen“ sollen. Es ist egal, ob sie diesen Staat mit ihrer Arbeit und den Steuern, 50 oder 1.000 Jahre unterstützt haben. Woher nimmt man sich das Recht jemanden aus seiner Heimat zu vertreiben? Nur weil man nicht „autochthoner“ (muss man neu definieren) Österreicher ist, heißt es nicht, dass man kein „Österreicher“ ist. Werden Sie uns mit Baseballschlägern ja-gen oder verhaften, weil wir unsere Kultur behalten und uns nicht assimilieren? Wir müssen überhaupt definieren, was der Unterschied zwischen einer Integration und einer Assimilation ist. Wir sind gerne bereit uns 100%ig zu integrieren. Das heißt, Deutsch lernen, uns dem Leitbild des Landes anpassen, und was sonst noch da-zu gehört. Aber wieso sollen wir unsere komplette Identität aufgeben? Das wird noch gefährlicher. Wir müssen uns als verfassungsfreundliche Bürger dieses Landes natürlich Gedanken darüber machen, wie die türkische Gemeinde in Österreich in 50 oder gar 100 Jahren ausschauen wird. Was wird passieren, wenn wir uns nicht assimilieren? Etwa Seife…? Unser Traum ist eine 100%ige Integration und Loyalität gegenüber dem österreichischem Staat und seinen Werten. Diese Werte sind die allgemeinen Verhaltensweisen, welche sich die gesamte zivilisierte Welt angeeignet hat. Ziel ist es also Weltmensch in Österreich zu werden. Die Presse ist angeblich eine Qualitätszeitung. Der Chefredakteur Michael Fleischhacker tritt in verschiedenen Diskussionen über Innen- und Außenpolitik, als Allwissender der österreichischen Nation ins Bild. Wir lernen als beständige Presseleser (Natürlich auch der Standard, Kurier, Krone, Österreich, Heute, Falter, Profil, News, Format, Zur Zeit und etc.) stets von seinem Wissen, seinen Visionen und seinem Weitblick. Vielen lieben herzlichen Dank Herr Fleischhacker. Seine Sicht der Dinge könnte man ab und zu auch als „Schielen“ bezeichnen. Macht ja nichts. Aber niemand in Österreich kann sich der Wahrheit einfach verweigern, nämlich, dass ein großer Anteil der türkisch-stämmigen Mitmenschen, sich in der Gesellschaft als Gewerbeinhaber (Klein-, Mittel- und Großunternehmen) oder in anderen Bereichen erfolgreich etabliert haben. Wir geben gerne zu, dass nicht alle der europäischen Art angepasst auftreten. Dann wiederum gibt es ja die sogenannten österreichischen „Proleten“. Sie fallen mit ihrem Kleidungsstil, ihrer Redensart und Manieren ständig negativ auf. Also stellen sie nicht unbedingt ein gutes Beispiel für die Integrationsgesellschaft dar. Es ist mir bewusst, dass solche Äußerungen meinerseits – als Austro-Türke – viele verärgern, aber ich bin auch nur ein Mensch. Ich lebe seit über 20 Jahren als mehrfacher Akademiker in Wien und musste sogar, als extremer Selbstkritiker, mehrere Male feindliches Benehmen gegenüber Migranten wegstecken. Hinzu kommen die negativ auffallenden Migranten aus der Türkei, was mich zutiefst unglücklich macht. Somit bin ich vollkommen hin und hergerissen. Ich versuche den Österreichern gegenüber Empathie zu zeigen. Ich verstehe sie auch in bestimmter Hinsicht und stimme ihnen zu. Es gibt jedoch immer wieder etwas, dass sie übersehen. Sie üben unbewusst „kulturellen Rassismus“ aus. Biorassismus ist jetzt out. Kultureller Rassismus ist jetzt in und auch salonfähig. Der Oberbegriff „Neorassismus“ vereint diese Verhaltensweisen in einem Terminus. Es werden überall auf der Welt – ohne Ausnahme – Religion, Herkunft und Kultur, anders als die eigene betrachtet, herabgesetzt und gedemütigt. Mit den Worten „Integration muss sein“, versucht man dies zu verdecken.

Unser Traum ist eine 100%ige Integration und Loyalität gegenüber dem österreichischem Staat und seinen Werten.

Wenn man nun die erfolgreichen Austro-Türken als Beispiel nimmt, kann man nicht sagen, dass sie die Integration verweigern, sondern viel eher, dass sie die Integration verinnerlichen. Herr Fleischhacker sieht nur (besonders seitdem die Presse ihr Zentrum in den 3. Bezirk gewechselt hat, wo viele Austro-Türken leben), die Kehrseite und hebt nie die erfolgreichen Integrationsbeispiele hervor. Er schreibt am Sonntag, 9.10.2009, mit dem Titel „wir kapitulieren nicht“, einen Kommentar, der eigentlich nicht von einer Qualitätszeitung und seinem Chefredakteur erwartet wird. Man müsste fragen, warum Österreich als einziger Staat Europas, keinen Presserat hat. Ich kann in Österreich, als Opfer einer Zeitung, meine Beschwerde nicht bei einem Presserat einbringen. Komisch. Die Herausgeber der österreichischen Presse sind auch merkwürdig. Wir erwarten von den Journalisten eine gewisse Distanz gegenüber Ereignissen zu bewahren und bei-de Seiten der Medaille zu zeigen. Ist es nicht eine Frechheit, dass Fleischhacker den Titel des Buches von Henryk Broder „Hurra! Wir kapitulieren.“ am Ende seines Kommentars zum Vorbild nimmt und sagt „ und das soll-ten wir nicht! Nicht vor integrationsunwilli-gen Ausländern, nicht vor der Moralkeule der politisch Korrekten und nicht vor ehemaligen Neonazis.“? Seinen Artikel kann man schon alleine wegen dem Titel, wie einen Kaugummi in jede beliebige Richtung ziehen. Es erweckt den Anschein, dass er mit diesem Artikel bei jedem punktet. Trotzdem kann er es mit sei-nem Schreibstil weder dem einen, noch dem anderen recht machen. Wir empfehlen ihm in der letzten Ausgabe von Profil (Nr. 45)zu blät-tern und sich an dem Bericht von Seite 32 bis 35 ein Beispiel zu nehmen.

Ich versuche den Österreichern gegenüber Empathie zu zeigen. Ich verstehe sie auch in bestimmter Hinsicht.

Diese Hetzerei und dieser Pessimismus muss endlich ein Ende haben.

Es sieht so aus, als ob Herr Fleischhacker mit den Worten „ehemalige Neonazis“, die vorhandenen und dauernd wie Stehaufmännchen auftauchenden, Neonazis zu verdecken versucht. Der aus der Ukraine stammende, deutsch-jüdische, liebe Herr Broder sollte hier der Letzte sein, der über die Türken „verallgemeinert“ schreibt. Wir als säkular lebende Muslime schätzen ihn, weil er auch für die säkulare Lebensweise ist. Seine hinterhältige, verallgemeinerte Hetzerei gegenüber den integrierten, türkischen Bürgern darf auch nicht unerwähnt bleiben. Ein gut gemeinter Rat wäre, dass er die Zeitungen der 1930er Jahre unter die Lupe nehmen sollte. Er muss nämlich erst erklären, warum „der Stürmer“ der Nazis nicht nur die Orthodoxen, sondern auch die integrierten Deutsch-Juden in den Zeitungen, als Gefahr für die Menschheit darstellten. Die türkischen Migranten werden zwar nicht als Gefahr für die Menschheit betrachtet, aber sie werden fortwährend verleumdet und diskriminiert. Wieso wird in den Artikeln nie auf die erfolgreich integrierten Türken eingegangen? Es wird beispielsweise-se das Bild eines Ladeninhabers abgedruckt, wie ein Zuhälter und nicht ein erfolgreich etablierter Bürger. Die Tatsache, dass eine Reihe von türkischen Geschäften mit türkischen Lebensmitteln und anderen Waren vertreten sind, ist nicht gezwungenermaßen ein Zeichen der Integrationsunwilligkeit. Viele ethnische Ladeninhaber, die in Österreich vertreten sind, verkaufen in ihren Läden auch nationale Lebensmittel und andere Waren. Wenn dies ein Zeichen der Integrationsunwilligkeit ist, wieso bekommen sie dann nicht den Stempel „Integrationsunwillige“, wie es bei den Türken fortwährend der Fall ist? Diese Abbildung ist kein Einzelfall. Es wurde in der Ausgabe vom 24. Jänner 2007 eine türkische Frau zusammen mit H.C Strache in einem Nachtclub fotografiert und als türkische Ex-Edelprostituierte dargestellt. Tatsache ist, dass diese Frau nie eine Prostituierte war. Dennoch wurde sie als Person und somit auch das türkische Volk wieder einmal abgestempelt. Dieses Mal hieß es „türkische Prostituierte“. Was wird wohl auf dem nächsten Stempel stehen? Weiters werden noch Analysen über den Bildungsstatus der Migrantenkinder veröffentlicht, die besagen wie erfolglos sie doch sind. Sind denn die „echten“ Österreicher um so vieles erfolgreicher? Es sollte nicht darum gehen, welchen Ursprung man hat. Diese Hetzerei und dieser Pessimismus muss endlich ein Ende haben. Es sind immer und überall beide Seiten vorhanden, aber selten auch vertreten. Manchmal überwiegen die negativen und manchmal die positiven Eigenschaften und Ereignisse. Jedoch sollte man immer beide Seiten betrachten. Kritik ist immer willkommen, aber nur wenn sie konstruktiv und zielführend ist. Wenn die Presse in diesem Bericht vom Sonntag ihren Lesern auch die erfolgreichen Austro-Türken vorgestellt hätte, dann könnte man zumindest sagen, dass der Autor objektiv ist. Wir kritisieren selber auch die integrationsunwilligen Menschen, egal welcher Herkunft. Nur weil ein H.C Strache gesagt hat „ es gäbe kein Ausländerproblem, sondern ein Türkenproblem“, sollte man das Thema nicht sofort radikalisieren. Früher waren nicht die Türken, sondern die Juden das Problem. Was würden sie mit den 70 Millionen Menschen in der Türkei, 240.000 Austro-Türken, über 3 Millionen Deutsch-Türken und abertausenden Türken in anderen Ländern machen? Nicht die Rechtsextremen, sondern die politische Mitte in Österreich gestaltet die Sachlage gefährlich. In Österreich wird die Rechtsstaatlichkeit im-mer stärker durch arglistige Vereinbarungen hintergangen. Die Menschen aus der Türkei und anderen Ländern, die wegen Job, Geld und Parteiangehörigkeit als „Arschkriecher“ und „überangepasst“ bezeichnet werden, hemmen den gesamten Integrationsprozess, anstatt ihn zu fördern – hier liegt das Problem. Es geht nicht ums kapitulieren oder nicht kapitulieren. Die türkischen Migranten zeigen eine Verhaltensweise die an Waisenkinder erinnert. Keiner traut sich etwas zu sagen, doch in Wahrheit sind sie eine 240.000 köpfige Familie. Man muss auch selber mit Lösungsvorschlägen kommen können. Wo es ein Problem gibt, gibt es auch eine Lösung: Erstens, die türkischen Gebildeten und Verantwortlichen müssen endlich agieren und gegen den politischen Islam in Österreich eine Stellung beziehen. Zweitens, sollte man in Österreich Vereine, die eigentlich nur eigennützige Politik oder Gewerbe betreiben, nicht erlauben. Drittens, sollte man den Menschen aus der Türkei das Gefühl geben, dass sie in Österreich will-kommen sind und sie nicht wie Außenseiter behandeln. Ein erster Schritt um ein multikulturelles, harmonisches Miteinander zu fördern, wäre eine Abkehr von diesem Schubladendenken. Jede Veränderung beginnt mit kleinen Schritten.

Metzger in der Brunnengasse korrigiert: „Liebe Die Presse Redaktion: Wir sind keine Pferdediebe, sondern anständige Metzger.“

Wir erheben Einspruch gegen den Artikel, der am Sonntag dem, 18.10.2009 mit dem Titel „Die türkische Parallelwelt“ abgedruckt wurde. Der Ladeninhaber Basri Doğan (42) und sein Mitarbeiter Ruki Güler (45) wurden unter falschem Vorwand fotografiert und zum Interview gebeten. Sie dachten, dass der Artikel gute Werbung für den Laden “Ankara Market” sein würde und haben zugesagt. In einem Gespräch mit den Einspruch-Reportern haben sie die wirkliche Sachlage geschildert.

Ruki Güler erzählte die Geschehnisse folgendermaßen: “ Frau Sommerbauer von der Presse Zeitung kam mit ihrem Fotografen zu uns. Mein Chef Basri Doğan und ich haben ihr, wie es sich in der türkischen Tradition gehört, gezeigt wie gastfreundlich wir sind. Wir haben alle ihre Fragen offenherzig beant-wortet. Wir haben ihr anhand von Beispielen aus unserem Leben erklärt, dass wir für die Integration sind. Dreißig Prozent unserer Kunden hier im Ankara Market sind Österreicher. Ist das nicht ein tolles Beispiel zur Integration? Als mein Kind mir am Abend die Zeitung brachte, war ich über den Inhalt empört. Sie haben uns abgedruckt, wie integrationsunwillige, widerspenstige Personen. Der Artikel hat mich, meine Familie und meine Umgebung sehr verletzt. Liebe Die Presse Redaktion: Wir sind keine Pferdediebe, sondern anständige Metzger.“

Auch der Besitzer von Ankara Market, Basri Doğan hat sich zu Unrecht angegriffen ge-fühlt. Er sagte, “Ich arbeite hart und verdiene ehrlich mein Geld. Ich versuche meine Kinder bestmöglich zu erziehen. Ich respektiere das österreichische Gesetz und befolge es. Sollten sie uns nicht eigentlich loben anstelle zu rügen? Man sollte sich schämen solch einen Artikel abzudrucken. Wir haben nichts Falsches gemacht. Wir sind erschüttert. Dennoch glauben wir weiterhin an ein friedliches und gemeinsames Leben mit den “echten” Österreichern an unserer Seite und setzen uns dafür ein.”

Die Presse entschuldigt sich in der selben Woche am 31.10.2009 mit einem Leitartikel in Print und Online: