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TKG verurteilt den brutalen Messerangriff in Mannheim (Baden-Württemberg) auf das Schärfste!

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Wien. Auf dem Marktplatz in Mannheim in Deutschland kam es am Freitagmittag zu einem größeren Polizeieinsatz, nachdem ein Mann mit einem Messer mehrere Menschen attackiert hatte. Der Angreifer wurde von Polizisten niedergeschossen. Bei dem Angegriffenen Person handelt es sich um den islamfeindlichen Blogger Michael Stürzenberger.  Es wurden  weitere fünf Personen  verletzt.

Deutschlands Innenministerin Nancy Faeser (SPD) erklärte am Freitagabend, man müsse erst die polizeilichen Ermittlungen abwarten, erst sie würden die Hintergründe der Tat aufklären – insbesondere den Hintergrund und die Motive des Täters. „Wenn die Ermittlungen ein islamistisches Motiv ergeben, dann wäre das eine erneute Bestätigung der großen Gefahr durch islamistische Gewalttaten, vor der wir gewarnt haben.“

Die TKG verurteilt die brutale Messerattacke in Mannheim (Baden-Württemberg) auf das Schärfste! Die Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG) drückte ihr tiefes Mitgefühl mit folgender Presseaussendung aus: „Unser tiefes Mitgefühl und unsere Gedanken sind in diesen schweren Stunden bei den schwer verletzten Polizeibeamten in Mannheim (Baden-Württemberg)“.

TKG fügte folgende Erklärung hinzu:

„Wir wünschen den anderen Verletzten baldige Genesung.

Die Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG) verurteilt den brutalen Messerangriff in Mannheim (Baden-Württemberg) aufs Schärfste!

Wir fordern die härteste Strafe für die Täter.

Laut BILD-Zeitung versuchten „Passanten kurz nach der Attacke den Messerstecher zu stoppen, doch dieser riss sich los, griff einen Polizisten an und stach ihm von hinten in den Hals. Schließlich erschoss ein anderer Beamter den Mann. Die Polizisten waren so schnell vor Ort, weil sie bereits am Rande des Marktplatzes standen, offenbar um den Auftritt des rechtspopulistischen Politikers Michael Stürzenberger (59) zu schützen. Stürzenberger gilt als islamfeindlicher Politiker. Er war Pressesprecher der Münchner CSU und Vorsitzender der inzwischen aufgelösten Kleinpartei „Die Freiheit“. Er ist Autor eines islamkritischen und -feindlichen Blogs und Mitglied der „Bürgerbewegung Pax Europa“.

Bei früheren Kundgebungen hatte Stürzenberger Medienberichten zufolge „Umerziehungslager“ für Muslime nach chinesischem Vorbild gefordert, wie Der Spiegel berichtet. Den Koran bezeichnete er als „gefährlichstes Buch der Welt“, er sei das „Äquivalent“ zu Adolf Hitlers „Mein Kampf“. Im Jahr 2022 wurden seine Videos laut Verfassungsschutz mehr als 723.000 Mal angeklickt“.

Wir sind gegen Gewalt und für Frieden

Wir müssen nicht die gleiche Meinung, Religion, Konfession, Sprache etc. haben. Wir sind gegen Gewalt und für Frieden.

Als wehrhafte Demokraten wenden wir uns gegen Fundamentalismus, insbesondere gegen die heuchlerische und hinterhältige „politisierte Religion“, aber auch gegen primitiven kulturellen Rassismus, von welcher Seite er auch kommen mag. Wir sind gegen die Gewalt und für den Frieden. Für den Frieden muss jeder etwas oder viel tun. Egal woher man kommt.
Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG)“

60. Jahrestag der Einladung der Türken nach Österreich in Wien gefeiert

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WIEN. Anlässlich des 60. Jahrestages der Unterzeichnung des Arbeitsabkommens zwischen der Türkei und Österreich am 15. Mai 1964 organisierte das Präsidium für Auslandstürken und verwandte Gemeinschaften (YTB) ein Galaprogramm und einen Empfang im Palais Liechtenstein in Wien.

Das Amt für Auslandstürken oder Amt für Auslandstürken und verwandte Gemeinschaften (Yurtdışı Türkler ve Akraba Topluluklar Başkanlığı (YTB)), übersetzt: Präsidium für Auslandstürken und verwandte Gemeinschaften, ist ein gesetzlich geschaffenes Instrument der Diasporapolitik der Republik Türkei. Zunächst war es direkt dem Ministerpräsidenten unterstellt. Heute ist es dem Präsidenten der Republik unterstellt.

An dem Programm nahmen die Ministerin für Familie und Soziales, Mahinur Özdemir Göktaş (AKP), die österreichische Bundesministerin für Frauen, Familie, Integration und Medien, Susanne Raab (ÖVP), die Justizsprecherin der Sozialdemokratischen Partei Österreichs teil, Selma Yıldırım (SPÖ), die Wiener Landesrätin Aslıhan Bozatemur (SPÖ), der Präsident des YTB, Abdullah Eren, mit Botschafter Ozan Ceyhun, türkische Nichtregierungsorganisationen und prominente Persönlichkeiten der Gesellschaft sowie hohe Beamte aus Österreich teil.

Vor 60 Jahren wurden in Österreich dringend Arbeitskräfte benötigt. So wie heute qualifizierte Arbeitskräfte. Nach der Unterzeichnung des Arbeitsabkommens zwischen der Republik Österreich und der Türkei am 15. Mai 1964 wurden die in Österreich lebenden Türken mit Blasmusik und Mundharmonikas auf höchstem Niveau begrüßt. Seither sind sechzig Jahre vergangen. Sie haben viel erreicht, aber auch viel erlitten. Gestern wurden diese Erfolge mit positiven Botschaften gefeiert. Auf der Bühne standen Bilder von Präsident Erdoğan auf der linken Seite und Atatürk, dem Gründer der Republik Türkei, auf der rechten Seite. Das Bild des österreichischen Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen fehlte.

Familien- und Sozialministerin Göktas überbrachte Grüße von Präsident Erdogan

Familien- und Sozialministerin Göktas überbrachte Grüße von Präsident Erdogan

Familien- und Sozialministerin Mahinur Özdemir Göktaş überbrachte im Rahmen des Programms die Grüße von Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan (AKP) und erklärte: „Die türkische Gemeinde in Österreich stärkt die Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Als die Türken hierher kamen, waren sie ‚Gastarbeiter‘, die höchstens ein paar Jahre blieben. Aber sie konnten nicht zurück, die Jahre vergingen und in der zweiten und dritten Generation öffneten die Menschen aus Anatolien ihre Augen für diese Länder. Die Heimat war weit weg, aber die Herzen waren nah. Die türkische Gemeinschaft hier hat die Beziehungen zwischen den beiden Ländern stark gemacht, Sie haben sie stark gemacht. Die hier lebenden Türkinnen und Türken sind ein integraler Bestandteil Österreichs geworden“.

Göktaş fügte hinzu: „Die Beziehungen zwischen den beiden tief verwurzelten Staaten haben mit dem Arbeitsabkommen eine neue Dimension erhalten und der Grundstein für die türkische Gemeinschaft hier wurde gelegt: „In diesem Sinne sehen wir jeden unserer Bürgerinnen und Bürger, die in diesem Land leben, als einen wichtigen Akteur in der starken Verbindung zwischen der Türkei und Österreich. Unsere Bürgerinnen und Bürger sind heute ein integraler Bestandteil des gesellschaftlichen, politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Lebens Österreichs in Bereichen wie Handel, Wissenschaft, Medizin, Politik, Kunst und Sport. Es ist unsere wichtigste Aufgabe, die Rechte unserer Bürgerinnen und Bürger vor Rassismus und Diskriminierung zu schützen. In diesem Sinne verfolgen wir alle diese Probleme aufmerksam und suchen nach Lösungen“.

Bundesministerin für Frauen, Familie, Integration und Medien Susanne Raab

Integrationsminister Raab: „Die große Mehrheit der Türkinnen und Türken in Österreich fühlt sich als Teil dieses Landes“.

Susanne Raab, österreichischer Bundesministerin für Frauen, Familie, Integration und Medien, erklärte, dass er das 50-jährige Jubiläum des Arbeitsabkommens in anderer Funktion in der Türkei gefeiert habe und sich freue, heute als Minister an der 60-Jahr-Feier teilzunehmen: „Die große Mehrheit der in Österreich lebenden Türkinnen und Türken sieht sich als Teil dieses Landes. Gerade in jüngster Zeit sehen wir, dass viele Menschen türkischer Herkunft in Österreich eine zweite Heimat gefunden haben und Teil des gesellschaftlichen Lebens geworden sind. Marx Frisch hat einmal gesagt: „Wir wollten Arbeiter, aber es kamen Menschen. Diese Menschen haben sich an einem neuen Ort ein neues Leben aufgebaut und ihn zu ihrer zweiten Heimat gemacht. Und sie haben uns gezeigt, dass es ein Leben für Österreich ist, wenn man in Österreich leben kann, ohne seine Wurzeln aufzugeben.

YTB-Präsident Eren: „Wir stehen unseren Landsleuten im Ausland immer zur Seite“.

Abdullah Eren, Präsident des Präsidiums der Auslandstürken und verwandten Gemeinschaften (YTB), erklärte, dass die Geschichte der Türken in Europa eine Erfolgsgeschichte sei und fügte hinzu: „Als YTB stehen wir immer an der Seite unserer Landsleute im Ausland. Die türkische Gemeinschaft arbeitet aufopferungsvoll für den Traum einer gemeinsamen Zukunft, indem sie gemeinsam für Österreich produziert. Die Türken sind diesen 60-jährigen Weg vom Gastarbeiter zum dauerhaften Staatsbürger gemeinsam mit den anderen österreichischen Staatsbürgern im Land gegangen, haben gemeinsam für Österreich produziert und aufopferungsvoll für den Traum einer gemeinsamen Zukunft gearbeitet“.

Eren erinnerte daran, dass dieses Abenteuer, das mit der Einwanderung begann, damit endete, dass die Türken ein wesentlicher und unverzichtbarer Teil Österreichs wurden, und fuhr fort: „In diesem Prozess hat die türkische Gemeinde in Österreich eine unbestreitbare Interaktion mit Moscheen, Kulturzentren, Medienorganen und den von ihnen geschaffenen Publikationen initiiert. Wir sind stolz auf den enormen Beitrag, den die Türkische Gemeinde in vielen Bereichen, von der Wirtschaft bis zur Politik, von der Zivilgesellschaft bis zur Wissenschaft, von der Kultur und Kunst bis zum Sport in Österreich leistet. Mit rund 6.400 Unternehmensgründungen und mehr als 10.000 von türkischen Unternehmern geschaffenen Arbeitsplätzen tragen die Türkinnen und Türken wesentlich zur Stärkung der österreichischen Wirtschaft bei.“( Pressemitteilungen, tuerkische-allgemeine.de)

Studie: Die Deutsche Sprache kommt aus Anatolien

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BERLIN. Die Wiege der indoeuropäischen Sprachen lag in der heutigen Türkei, sagt eine neue Studie. Sie widerspricht der Theorie vieler historischer Sprachwissenschaftler.

Es war einmal, in grauer Vorzeit, ein kleines Volk. Über seine Angehörigen wissen wir fast nichts. Und doch prägten sie das Leben von rund drei Milliarden Menschen, die heute zwischen Island und Sri Lanka siedeln. Denn sie verständigten sich in einer Sprache, aus der sich mehr als 400 indogermanische Sprachen entwickelten.

Der Haken: Obwohl historische Linguisten seit rund 200 Jahren ihren Spuren folgen und akribisch Sprachstammbäume zeichnen, ist bis heute unklar, wer diese Menschen waren und wo sie lebten. Nun treten Naturwissenschaftler auf den Plan und verkünden selbstbewusst, dass ihre Methoden das verzwickte Rätsel besser lösen können. Eine solche Studie, die heute im Wissenschaftsmagazin „Science“ erscheint, dürfte den Streit zwischen Sprach- und Naturwissenschaftlern neu entfachen.

Zwei Thesen dominieren die Debatte und geben unterschiedliche Antworten auf das Wo, Wann und Warum. Die Wiege der indogermanischen Sprache lag vor rund 6000 Jahren irgendwo nördlich des Kaspischen und des Schwarzen Meeres in der russischen Steppe, behauptet die Mehrheit der historischen Sprachwissenschaftler, unterstützt von einigen Archäologen.

Ein kriegerisches Nomadenvolk der Kurgan-Kultur habe die frühindogermanische Sprache auf dem Rücken von Pferden verbreitet, im Gepäck zwei wichtige Erfindungen: das Rad und die Zähmung des Pferdes. Die Kurgan-Kultur ist die Heimat der meisten Turkvölker.

Die naturwissenschaftliche Konkurrenz favorisiert die friedliche Gegenthese und verortet die Urheimat der indoeuropäischen Sprachen in Anatolien. Die Bauern der Jungsteinzeit hätten ihre Felder nach und nach ausgedehnt und so vor 8000 bis 9500 Jahren nicht nur die Lebensweise der Jäger und Sammler, sondern auch deren Sprachen verdrängt. Das zeigt eine Studie, die Russel Gray und Quentin Atkinson von der Universität Auckland in Neuseeland und ihre Kollegen jetzt in „Science“ veröffentlichen.

KURGUN KULTUR ? (russisch курга́н = kurgán = Hügel, Hügelgrab, ursprünglich türkisch)

“Zwei Thesen beherrschen die Diskussion und geben unterschiedliche Antworten auf das Wo, Wann und Warum. Die Wiege der indoeuropäischen Sprache lag vor etwa 6000 Jahren irgendwo nördlich des Kaspischen und des Schwarzen Meeres in der russischen Steppe, behauptet die Mehrheit der historischen Sprachwissenschaftler zusammen mit einigen Archäologen. Ein kriegerisches Nomadenvolk der KURGAN-Kultur habe das Proto-Indogermanische auf dem Rücken von Pferden verbreitet, im Gepäck zwei wichtige Erfindungen: das Rad und die Zähmung des Pferdes. Die Bauern der Jungsteinzeit hätten ihre Felder nach und nach ausgedehnt und so vor 8000 bis 9500 Jahren nicht nur die Lebensweise der Jäger und Sammler, sondern auch deren Sprachen verdrängt. Das geht aus einer Studie hervor, die Russel Gray und Quentin Atkinson von der Universität Auckland in Neuseeland und ihre Kollegen jetzt in „Science“ veröffentlichen.

KURGAN: Es gibt zwei Hauptquellen für das Wort Kurgan. Eine Erklärung ist die Ableitung vom alttürkischen korgan ‘Zufluchtsort, Festung’ und vom mitteltürkischen kurgan ‘Festung, Wall, Hauptheiligtum’. Beide gelten als Lautverschiebungen des alttürkischen korigan mit der Wortwurzel korı- ‘schützen, verteidigen’ und der alttürkischen Endung -gan. Eine andere Erklärung wäre die Herleitung aus dem alttürkischen Wortstamm qur-, von dem das Wort Kurgan abgeleitet ist, ursprünglich aus dem Urtürkischen *Kur- ‘errichten (Gebäude), gründen’. Eine klare Trennung zwischen „Kurgan“ und dem urtürkischen *Kōrɨ-kan ‘Zaun, Schutz’ ist oft schwierig.

Info:

www.tagesspiegel.de/…/urspruenge-in…/7048426.html

de.wikipedia.org/wiki/Kurgan_(Grabhügel)

Indoeuropäische Sprachen stammen aus den Steppen Zentralasiens

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Bevölkerungsgeschichte Süd- und Zentralasiens der letzten Jahrtausende in neuem Licht. In Europa haben aDNA-Studien deutlich gemacht, dass die Landwirtschaft zusammen mit einem Zustrom von Menschen mit Abstammung aus Anatolien ankam.

WIENDie bisher größte Untersuchung alter menschlicher DNA wirft ein neues Licht auf den Ursprung der Bevölkerung Zentral- und Südasiens. Die Studie, an der Ron Pinhasi vom Department für Evolutionäre Anthropologie der Universität Wien als Seniorautor beteiligt war, konzentriert sich auf die Ursprünge der Landwirtschaft und der indoeuropäischen Sprachen, einschließlich der Vandalen. DNA-Studie zu den Wurzeln der Wikinger: Weder blond noch skandinavisch..

442 Skelette offenbaren: Die Wikinger waren ein bunter Haufen ohne einheitliche Ethnie oder Nation. Ihr Zusammenhalt musste sich daher aus anderen Faktoren speisen.(II)

 

Die Ergebnisse erscheinen aktuell in der Zeitschrift „Science“. Die Steppe bezeichnet eine Vegetationszone, die aufgrund von ganzjährigem Wassermangel lediglich von Gräsern und Kräutern bewachsen ist. Das Wort Steppe entstammt dem Russisch-Tatarischen „step“ und bedeutet im übertragenen Sinne soviel wie „nicht-bebautes Land“. Das weltweit größte Areal an zusammenhängenden Steppengebieten bildet die Eurasische Steppe. Von Ungarn, über Rumänien, die Ukraine, Russland, Kasachstan, die Mongolei bis hin nach China wird eine Strecke von mehr als 6.000 km zurückgelegt. Auch in anderen Erdteilen kommen Steppen vor, allerdings werden z.T. kulturell bedingt andere Begrifflichkeiten genutzt. Zu den steppenähnlichen Gebieten zählen Landschaften mit den Begriffen.(I)

Ein internationales Team von GenetikerInnen, ArchäologInnen und AnthropologInnen analysierte die Genome von 524, bislang nie untersuchten prähistorischen Individuen aus Zentral- und Südasien.

Diese Genome wurden miteinander und mit zuvor sequenzierten verglichen und mit archäologischen, sprachlichen und historischen Aufzeichnungen kontextualisiert. So konnten wichtige Details darüber gewonnen werden, wer in dieser riesigen Region vom Mesolithikum (vor etwa 12.000 Jahren) bis zur Eisenzeit (bis vor etwa 2.000 Jahren) lebte und was das für die Menschen bedeutet, die heute dort leben.

„Mit diesen Proben können wir subtile Wechselwirkungen zwischen Populationen sowie Ausreißer innerhalb von Populationen erkennen“, sagt David Reich von der Harvard Medical School: „Diese Studie unterstreicht die Stärke groß angelegter alter DNA-Studien und verändert unsere Sicht auf die Vergangenheit.“

Die Studie behandelt zwei der tiefgreifendsten kulturellen Veränderungen im alten Eurasien, die mit Bevölkerungsbewegungen verbunden sind: den Übergang von der Jäger- und-Sammler-Kultur zur Landwirtschaft und die Verbreitung der indoeuropäischen Sprachen, die heute von den Britischen Inseln bis nach Südasien gesprochen werden. „Wirklich aufregend an der Studie ist, wie sie Genetik mit Archäologie und Linguistik verbindet“, erklärt Ron Pinhasi vom Department für Anthropologie der Universität Wien: „Wir haben Daten, Methoden und Perspektiven aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen zusammengeführt: Dieser integrative Zugang ermöglicht, dass wir so viele Informationen über die Vergangenheit gewinnen konnten“.

Außerdem ermöglichten neue Sampling-Methoden, den Schaden an den Skeletten möglichst gering zu halten – was laut Co-Autorin Maria Teschler-Nicola vom Department für Evolutionäre Anthropologie der Universität Wien enorm wichtig ist –, aber dennoch aufschlussreiche genetische Daten aus Regionen zu bekommen, in denen das Untersuchungsgut oft unzureichend erhalten ist.

Ursprung der Indoeuropäischen Sprachen

Indoeuropäische Sprachen – Hindi/Urdu, Bengali, Punjabi, Persisch, Zazaisch, Russisch, Englisch, Deutsch, Spanisch, Gälisch und mehr als 400 andere – bilden die größte Sprachfamilie der Welt.

Steppe-Hypothese“ versus „Anatolische Hypothese“

Seit Jahrzehnten debattieren Spezialisten darüber, wie sich die indoeuropäischen Sprachen in so weit voneinander entfernte Teile der Welt ausbreiten konnten. Vielleicht über Hirten aus der eurasischen Steppe, die so genannte „Steppe-Hypothese“? Oder reisten sie mit Bauern, die sowohl aus Anatolien (heute Türkei) nach Westen als auch nach Osten zogen – die „Anatolische Hypothese“?

Die neue „Science“-Studie erbrachte nun, was Südasien betrifft, eine überzeugende Neuerkenntnis: „Wir können eine Ausbreitung von Bauern mit anatolischen Wurzeln nach Südasien ausschließen, was das Kernstück der Hypothese ist, dass Bevölkerungsbewegungen aus Anatolien und über den Iran sowohl für die Verbreitung der Landwirtschaft als auch für indoeuropäische Sprachen nach Südasien verantwortlich waren“,“ sagte Reich. „Das ist ein Schachmatt für die anatolische Hypothese.

 

 

Die aDNA-Analyse zeigt: Sie stammen von Steppen-Viehzüchtern 

Eine neue Beweislinie für einen Steppenursprung der indoeuropäischen Sprachen ist, dass die genetischen Muster den Indo-Iranischen und Balto-Slawischen Zweig überzeugend verbinden. Die aDNA-Analyse zeigt, dass beide Sprachzweige aus einer Untergruppe von Steppen-Viehzüchtern stammen, die sich vor fast 5.000 Jahren in den Westen, nach Europa, bewegten und sich dann, innerhalb der folgenden 1.500 Jahre, wieder ostwärts nach Zentral- und Südasien ausbreiteten. Dies liefert eine einfache Erklärung in Bezug auf die Bevölkerungsbewegungen des prähistorischen Menschen, für die ansonsten rätselhaften gemeinsamen sprachlichen Merkmale dieser beiden Zweige des Indo-Europäischen, die heute durch große geografische Entfernungen getrennt sind.

Ursprünge der Landwirtschaft

Die Studie informiert auch darüber, ob der Wandel einer Wirtschaftsform stärker von Populationsbewegungen oder dem Kopieren von Ideen oder lokalen Erfindungen getrieben wurde. In Europa haben aDNA-Studien deutlich gemacht, dass die Landwirtschaft zusammen mit einem Zustrom von Menschen mit Abstammung aus Anatolien ankam.

Die neue Studie zeigt eine ähnliche Dynamik im Iran und in Zentralasien, d.h., dass anatolische Abstammung und Landwirtschaft ungefähr zur gleichen Zeit ankamen. Die Ausbreitung der Landwirtschaft in diesen Regionen wurde also auch durch Wanderbewegungen der Menschen angetrieben.

Die Ausbreitung der Landwirtschaft beinhaltete also nicht nur eine westliche Richtung von Anatolien nach Europa, sondern auch eine ostwärts gewandte von Anatolien nach Asien, quasi eine bronzezeitliche Seidenstraße

In Südasien sieht die Situation ganz anders aus

Die ForscherInnen fanden keine Spur von anatolischer Abstammung, die ein Kennzeichen der Ausbreitung der Landwirtschaft nach Westen ist. Das bedeutet, dass die Landwirtschaft in Südasien nicht auf die Zuwanderung von Menschen zurückzuführen ist – zumindest nicht auf Menschen aus den früheren Bauernkulturen des Westens. Stattdessen nahmen die lokalen Bevölkerungen diese Wirtschaftsform an. „Vor der Ankunft der Steppen-Viehzüchter, die ihre indoeuropäischen Sprachen vor viertausend Jahren brachten, finden wir keine Hinweise auf große Bevölkerungsbewegungen nach Südasien„, so Reich. ( Türkische Allgemeine , Yeni Vatan Gazetesi)

Quellen: Publikation in „Science“
The formation of human populations in South and Central Asia
Narasimhan et al., Science 365, eaat7487 (2019)

(I) http://www.biologie-schule.de/vegetationszone-steppe.php

(II) DNA-Studie zu den Wurzeln der Wikinger: Weder blond noch skandinavisch

442 Skelette offenbaren: Die Wikinger waren ein bunter Haufen ohne einheitliche Ethnie oder Nation. Ihr Zusammenhalt musste sich daher aus anderen Faktoren speisen.

https://www.nationalgeographic.de/geschichte-und-kultur/2020/09/dna-studie-zu-den-wurzeln-der-wikinger-weder-blond-noch-skandinavisch

Wien, die Stadt mit der höchsten Lebensqualität der Welt, feierte 175 Jahre Wirtschaftskammer Wien

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Wien, die Stadt mit der höchsten Lebensqualität der Welt, feierte 175 Jahre Wirtschaftskammer Wien

Ein Danke und viel Erfolg an die Wiener Austro-Türkischen UnternehmerInnen!

WIEN. Mit einer Festsitzung des Wiener Wirtschaftsparlaments und einem anschließenden Festakt feierte die WK Wien gestern ihr Gründungsjubiläum. Mit dem Anschnitt der berühmten Sachertorte im Beisein von Wirtschaftskammerpräsident Walter Ruck und Bürgermeister Michael Ludwig feierte die Wirtschaftskammer Wien gestern ihr 175-jähriges Bestehen.

Unter den zahlreichen Gästen aus Politik und Wirtschaft: Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka, die zweite Nationalratspräsidentin Doris Bures, Staatssekretärin Susanne Kraus Winkler, die Stadträte Peter Hacker und Karl Mahrer, die Bezirksvorsteherinnen und Bezirksvorsteher Alexander Nikolai, Ernst Nevrivy, Nikolaus Ebert, Marcus Franz, Dietmar Baurecht, Silvia Jankovic, Thomas Steinhart, Wilfried Zankl und Markus Reiter, Wiens Landwirtschaftskammer-Präsident Norbert Walter, Arbeiterkammer Wien Direktorin Silvia Hruska-Frank, der Geschäftsführer der Industriellenvereinigung Wien Johannes Höhrhan, die stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Wiener Städtische Versicherung, Sonja Steßl, der designierte CEO der Erste Group, Peter Bosek, der Rektor der Universität Wien Sebastian Schütze, Bildungsdirektor Heinrich Himmer, Tourismus-Direktor Norbert Kettner und aus der Wirtschaftskammer Österreich Generalsekretär Karlheinz Kopf und dessen Stellvertreter Herwig Höllinger und Stellvertreterin Mariana Kühnel, sowie WKÖ-Altpräsident Christoph Leitl und WKW-Altpräsidentin Brigitte Jank.

Stadt Wien mit der höchsten Lebensqualität weltweit

Bis 2019 führt das international renommierte Beratungsunternehmen Mercer jährlich eine weltweite Studie zur Bewertung der Lebensqualität in Metropolen durch. Nach einer pandemiebedingten Pause wird Wien 2023 wieder zur Stadt mit der höchsten Lebensqualität für Expatriates gekürt. Nicht umsonst. Einen großen Anteil an dieser Lebensqualität haben die Wiener UnternehmerInnen und hier kommt die Wirtschaftskammer Wien seit 175 Jahren mit ihrer Vertreterfunktion zum Tragen. Stadt Wien und Wirtschaftskammer versuchen hier Hand in Hand, unabhängig von der politischen Richtung, den gemeinsamen Nenner im Interesse der BürgerInnen zu finden. Bisher sehr erfolgreich. Ohne Zweifel. Nicht einfach und nicht beispielhaft. Sonst wäre es nicht möglich, dass Wien zu den Städten mit der höchsten Lebensqualität weltweit zählt. Deswegen sind die Feierlichkeiten zu 175 Jahre Wirtschaftskammer Wien auch ein konstruktives und zielführendes Zeichen für die Zukunft der BürgerInnen in Wien.

Dass die Sachertorte von den jungen Kochschülerinnen und Kochschülern des MODUL, der renommierten Tourismusschule der Wirtschaftskammer Wien, gemeinsam gebacken und von WKW-Präsident Ruck und Bürgermeister Ludwig angeschnitten wurde, zeigt den hohen Stellenwert, den die Wirtschaftskammer Wien der Ausbildung, der Lehre und dem Know-how ihrer Mitglieder beimisst.

Walter Ruck, Präsident der Wirtschaftskammer Wien, und Michael Ludwig, Bürgermeister der Stadt Wien, hielten Ansprachen zur Bedeutung des Abends.

Bürgermeister Ludwig gratuliert herzlich zum 175-Jahr-Jubiläum der Wirtschaftskammer Wien

„Die Wirtschaftskammer Wien und die Stadt Wien arbeiten sehr gut zusammen“, so Bürgermeister Ludwig: „Dafür möchte ich mich anlässlich des 175-jährigen Jubiläums herzlich bedanken. Als die Wirtschaftskammer Wien 1849 gegründet wurde, war Wien der viertgrößte Wirtschaftsstandort der Welt. Die Wiener Wirtschaft hat in einem unglaublichen Tempo dazu beigetragen, Wien zu dem zu machen, was es heute ist. Wien war nicht nur ein Zentrum der Technik, sondern auch der Kunst und der Mode. Stellen Sie sich vor, es gab in Wien 170 Hemdenmacher als Unternehmer. Heute legen wir großen Wert auf das Projekt „Sozialpartnerschaft“. Das Erfolgsrezept heißt Sozialpartnerschaft, und dahinter steht die Zusammenarbeit zwischen der Stadt Wien und der Wirtschaftskammer Wien. Als Beispiel möchte ich unsere Zukunftsvereinbarung für Wien 2022-2025 nennen, die Präsident Walter Ruck und ich abgeschlossen haben. Damit haben wir gemeinsam die Pandemie gemeistert. Damit meistern wir für Wien die aktuellen Herausforderungen wie Mobilitätswende, nachhaltige Energieversorgung, Lehre und Fachkräfteausbildung, Forcierung des Wissensstandorts und menschengerechte Digitalisierung. Ich gratuliere der Wirtschaftskammer herzlich zum 175. Geburtstag und freue mich auf eine weiterhin erfolgreiche Arbeit für unsere lebenswerte Stadt“.

v.l.n.r.: Präsident des Österreichischen Parlaments Wolfgang Sobotka, Wiener Verleger und Publizist Birol Kilic, Wirtschaftskammer Wien Präsident Walter Ruck.(c) Florian Wiese

Danke und viel Erfolg an die Wiener Austro-Türkischen UnternehmerInnen 

Walter Ruck, Präsident der Wirtschaftskammer Wien, beantwortete im Anschluss an die Eröffnungsfeier eine Frage zu den austro-türkischen Unternehmerinnen und Unternehmern in Wien. „Herr Präsident Ruck, am 15. Mai jährte sich die Ankunft der Türken in Wien und ganz Österreich zum 60. Mal und wird mit verschiedenen Veranstaltungen gefeiert. Was ist Ihre Botschaft an die türkischen Unternehmerinnen und Unternehmer, die sich in Wien und Umgebung in allen Bereichen der Wirtschaft mit mehr als zehntausend Unternehmerinnen und Unternehmern niedergelassen haben und einen großen Beitrag zur Infrastruktur und Dienstleistung in Wien geleistet haben und leisten?“

Ruck,  antwortet auf diese Frage wie folgt. „Ich möchte mich bei den Wiener türkischen Gewerbetreibenden und Unternehmern für Ihre Leistungen in Wien bedanken. Als Wirtschaftskammer Wien stehen wir Ihnen mit Ihrer harten Arbeit als unverzichtbare Gewerbetreibende und Unternehmer in Wien zur Verfügung. Sie sind unsere MitgliederInnen. Es ist mir eine Freude, diese fleißigen Menschen in allen Bezirken Wiens bei der Arbeit zu sehen. Heute ist ein großer Tag für uns. Im 175. Jahr ihres Bestehens wünsche ich mir, dass Sie in der Wirtschaftskammer Wien noch aktiver werden. Ich hoffe auch, dass Sie bei den Wirtschaftskammerwahlen im nächsten Jahr Ihre Vertreter wählen werden. Ich wünsche allen türkischen Unternehmerinnen und Unternehmern in Wien viel Erfolg und bedanke mich nochmals für Ihre Leistungen in und für die Stadt Wien“.

WK Wien-Präsident Walter Ruck betonte die Gründungsgedanken der Wirtschaftskammer Wien: „Dahinter steht die Teilhabe der Unternehmerinnen und Unternehmer an ihren eigenen Belangen und die damit verbundene Selbstverwaltung. Sehr liberale Grundgedanken, die stark mit Freiheit verbunden sind. Diese Freiheit ist uns als Interessenvertretung auch Verpflichtung, der wir intensiv nachkommen müssen und auch wollen. Das zeigt sich nicht nur in der Interessenvertretung, sondern auch im Bildungsbereich. Deshalb sind wir heute als Wirtschaftskammer Wien der größte private Bildungsanbieter in Österreich.

Wir stehen wie gestern auf dem Prüfstand

Walter Ruck, Präsident der Wirtschaftskammer Wien, hob in seiner Eröffnungsrede folgende wichtige Punkte hervor: „Franz Joseph I. war gerade sechs Wochen im Amt, als sich am 15. Jänner 1849 in Wien erstmals die Handelskammer für das Erzherzogtum Österreich unter der Enns“ konstituierte. Die „Wiener Handelskammer“, wie sie im Volksmund genannt wurde, war gegründet. Vorausgegangen war nicht nur das Revolutionsjahr 1848, das neue Rahmenbedingungen in Politik und Gesellschaft schuf. Die Gründung der Wiener Handelskammer geht vor allem auf den Wunsch der Unternehmer zurück, die eine Vertretung ihrer Interessen gegenüber den politischen Entscheidungsträgern und den zuständigen Organen der Verwaltung forderten. Die Handelskammern, die in der gesamten Monarchie entstanden, hatten fortan das Recht, Gesetze und Verordnungen vor ihrer Beschlussfassung zu begutachten und Mitgliedsbeiträge einzuheben. Sie konnten ihre Tätigkeit auf der Grundlage einer Pflichtmitgliedschaft ausüben.

Die Wiener Handelskammer war schon damals eine starke „Stimme der Wirtschaft“. Der erste Präsident Theodor Hornbostel, Teilhaber einer Seidenweberei und kurzzeitig österreichischer Handelsminister, legte mit seinem Wirken den Grundstein für die moderne Institution, als die sich die Wirtschaftskammer Wien heute versteht. In den Bereichen Interessenvertretung, Service und Bildung ist die Wirtschaftskammer Wien zu einem unverzichtbaren Bestandteil der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung geworden. Gleichzeitig ist die gute Zusammenarbeit zwischen der Stadt Wien und der Wirtschaftskammer Wien ein wesentlicher Faktor, um den Wirtschaftsstandort fit für die Zukunft zu machen.

Interessanterweise gibt es viele Überschneidungen zwischen den Herausforderungen in der „Gründerzeit“ der Wirtschaftskammer Wien und heute. Die Welt ist im Umbruch, bisher bewährte Systeme – sowohl in der Gesellschaft als auch in der Wirtschaft – stehen auf dem Prüfstand. Und wie in den Anfangsjahren der damaligen Wirtschaftskammer Wien schreitet die technologische Entwicklung mit Riesenschritten voran. Waren es damals die Dampfmaschinen, so bieten heute Digitalisierung und künstliche Intelligenz enorme Chancen, erfordern aber auch neue Ansätze in Arbeitsprozessen und Arbeitsorganisation. Wiener Unternehmen stellen sich diesen Herausforderungen. Die Fähigkeit, sich an neue Gegebenheiten anzupassen, das Lernen im Umgang mit technologischen Veränderungen und die Kraft, schwierige Situationen im unternehmerischen Alltag – man denke nur an den Fachkräftemangel – zu meistern, werden die Wiener Unternehmen auch in den nächsten 175 Jahren auszeichnen. Dabei können sie auf die Wirtschaftskammer Wien als starken Partner an ihrer Seite zählen.“ ( yenivatan.at,  Redaktion, Presseaussendungen)

Links:

Wirtschaftskammer Wien:
https://www.wko.at

Stadt Wien
https://www.wien.gv.at

Parlament Österreich
https://www.parlament.gv.at/

Modul
https://www.modul.at/

 

Türkei-Griechenland und die „Pontos“-Vorwürfe?

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von Birol Kilic. Analyse und Beobachtungen aus Wien, 22.Mai.2024

Der griechische Gott Pontos ( Siehe das Bild) ist eine wichtige Figur in der griechischen Mythologie, insbesondere als Urgott des Meeres. Geboren von Gaia, der Verkörperung der Erde, spielt Pontos eine entscheidende Rolle in der Kosmologie der griechischen Mythologie.

Bei dieser Betrachtung und Analyse handelt es sich jedoch nicht um einen Mythos, d.h. eine einzelne mythische Erscheinung, oder um einen Mythos- oder Sagenkreis um Gottheiten, sondern um Tatsachen der nahen Vergangenheit und Gegenwart.

Tatsachen der Gegenwart

Seit dem 19. Mai 2024 wird in vielen hetzerischen griechischen rechtsextremen sozialen Netzwerken wieder heftig über die Pontus-Geschichte in Bezug auf die Türkei und TürkInnen diskutiert. Rechtsextreme türkische Gruppierungen bzw. linke, demokratische bzw. liberale TürkenInnen sind sich dessen, d.h. der täglichen Hetze von eher fragwürdigen Institutionen und Gruppierungen auf griechischer Seite, wirklich nicht bewusst. So kann man auf Dauer keinen Frieden schaffen. Wir müssen hier einen transparenten Blick schaffen und unsere LeserInnen über diese Fakten und Informationen von beiden Seiten aufklären.

Es gibt sehr viele ehrenvolle TürkenInnen und GriechenInnen

Für die TürkInnen in der Türkei oder in der Welt spielt Pontos und Griechenland de facto eine sehr untergeordnete Rolle im Vergleich zu Griechenland. Abgesehen von Urlaub, Essen, Trinken, griechischer Kultur etc. Vielleicht liegt es daran, dass sie nicht Griechenland oder Pontos sagen, sondern viele Feiern auch Griechenland etc. betreffen. Die TürkInnen und die offizielle Türkei wollen vor allem alle Feindseligkeiten und Massaker gegen die TürkInnen auf dem Balkan, besonders in Griechenland, vergessen, keine Denkmäler für die Toten errichten und das auch den Kindern beibringen. Aber wenn es von griechischer Seite Hetze gibt, wenn es diskutiert wird, kann es sehr bedenklich werden. Deshalb ist Aufklärung besser. „Ehre, wem Ehre gebührt“, sagt ein österreichisches Sprichwort. Es gibt sehr viele ehrenvolle TürkenInnen und GriechenInnen.

Niemand in der Türkei hetzt tagtäglich gegen GriechInnen und Griechenland und Fernsehen und Medien. Ganz im Gegenteil. Wenn man die Geschichte auf der anderen Seite lässt, mögen die TürkenInnen die GriechenInnen. Ich glaube, jede anständige Griechin versucht auch, die Gemeinsamkeiten zu finden und zu sehen, wie ähnlich sich die beiden Völker sind, abgesehen von der Religion, angefangen von der Esskultur, dem Tanz, dem (griechischen) Drama usw. bis hin zur Verrücktheit. Diese Ähnlichkeit ist manchmal erschreckend, beschämend und traurig und wirft die Frage auf, ob die beiden Völker, die so viele Gemeinsamkeiten haben, nicht auch Vorurteile haben, die aus der Geschichte herrühren.

Deshalb ist es für uns sehr interessant, was das Außenministerium der Türkischen Republik am 19. Mai 2024 in einer recht souveränen Presseerklärung zu PONTUS gesagt hat.

In einer schriftlichen Erklärung des Außenministeriums heißt es:
„Die 1994, 75 Jahre nach dem 19. Mai 1919, den wir als den Beginn unseres Unabhängigkeitskrieges betrachten, von rechtsextremen Gruppen in Griechenland mit populistischer Rhetorik erhobenen Forderungen nach Pontos sind unbegründet. Die 1994, 75 Jahre nach dem 19. Mai 1919, den wir als den Beginn unseres Unabhängigkeitskrieges betrachten, von rechtsextremen Gruppen in Griechenland mit populistischer Rhetorik erhobenen Ansprüche auf Pontos entbehren jeder Grundlage. Pontos“ ist lediglich ein Begriff aus der Antike. Die pontischen Aktivitäten des späten 19. Jahrhunderts sind eine Erweiterung des griechischen Plans der „Megali Idea“. Das Problem besteht im Wesentlichen darin, dass ein historischer Prozess, der zu einem Austausch zwischen der türkischen und der griechischen Bevölkerung geführt hat, ausgenutzt wird, indem er mit haltlosen Behauptungen überzogen wird. Diese Behauptungen zielen darauf ab, die türkisch-griechischen Beziehungen zu schädigen und die besonnenen Teile der griechischen Politik in eine schwierige Lage zu bringen. Unsere bilateralen Beziehungen zu Griechenland haben in letzter Zeit eine positive Dynamik entwickelt. Wir erwarten von der griechischen Regierung eine klare Haltung gegen die Bestrebungen einiger unverantwortlicher Politiker, die den kommenden Generationen ein Leben in Frieden und Ruhe unmöglich machen wollen“.

Zuvor hatte das türkische Außenministerium unter Außenminister Cavusoglu folgende scharfe Erklärung abgegeben.

Das türkische Außenministerium hat damals erklärt, dass die Erklärungen der griechischen Behörden zu den „Pontos“-Behauptungen wahnwitzige Erklärungen sind, die darauf abzielen, die Geschichte zu verzerren und von der Türkei zurückgewiesen werden.

In einer Erklärung des türkischen Außenministeriums hieß es damals: „Wir weisen die wahnwitzigen Erklärungen der griechischen Behörden entschieden zurück, die unter dem Vorwand des Jahrestages der unbegründeten ‚Pontos‘-Behauptungen abgegeben wurden und darauf abzielen, die Geschichte völlig zu verzerren. Es ist traurig zu sehen, dass die griechischen Behörden hartnäckig ihre Bemühungen fortsetzen, die Geschichte auf irrationale Weise zu verdrehen. Wir verurteilen auch die Bemühungen der Anti-Türkei-Lobbys, die öffentliche Meinung zu täuschen, indem sie diese verzerrten Behauptungen in Drittländern auf die Tagesordnung setzen. Anstatt auf die Hilfe künstlicher historischer Erzählungen zu hoffen, die mit der Realität unvereinbar sind, wäre es für Griechenland vernünftiger, sich den Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu stellen, die es während der griechischen Invasion und Besetzung Anatoliens begangen hat und die im Friedensvertrag von Lausanne aufgeführt sind, wie es im Bericht der Untersuchungskommission der alliierten Staaten heißt. Ebenso wäre es hilfreich, wenn diejenigen, die diese Behauptungen aufstellen, sich an die Gräueltaten und Grausamkeiten erinnern würden, die von den Griechen gegen andere religiöse oder ethnische Gruppen, insbesondere gegen die Türken, begangen wurden, einschließlich des Massakers von Tripolis im Jahre 1821. Wir fordern Griechenland auf, gemeinsame Anstrengungen für Frieden, Stabilität und eine blühende Zukunft auf der Grundlage der Zusammenarbeit zu unternehmen, anstatt die Tatsachen zu verdrehen“.

Die Frage aus Wien lautet: Wo ist und wo bleibt die Wahrheit?

Wir müssen beide Seiten mit Fakten und Beweisen hören, aber das Wichtigste ist: Was sagen die seriösen, unabhängigen und ehrenhaften HistorikerInnen mit Quellen dazu?

Freundschaft zwischen der Türkei und Griechenland ist besser als Feindschaft. Schauen wir uns die Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich in Europa in den letzten 500 Jahren an. Unglaublich tief und hoch, aber jetzt korrekter. Man versucht, Lehren aus der Geschichte zu ziehen, nicht Feindschaft.

Wir wollen Frieden und Freundschaft zwischen Griechenland und der Türkei. Ohne Geschichtsfälschung, Fake News oder Fake History.

Wir möchten bald auf beiden Seiten von seriösen, unabhängigen und ehrenhaften HistorikerInnen mit Fakten und Quellen unter die Lupe genommen werden.

 

Verdächtiger Brand im Haus eines deutsch-türkischen Unternehmers – 3 Tote

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DÜSSELDORF. Drei Ausländer, ein Türke, ein Iraner und ein Iraker, starben bei einer Brandtragödie (16.05.-17.05.2024) in Düsseldorf, die sich nach einer Explosion um Mitternacht ereignete. Das Gebäude, in dem das Feuer ausbrach, gehörte İsmail Kızıltan, einem türkischen Vertreter der Zivilgesellschaft und Unternehmer. Aufgrund der Explosion wurden die Straßen gesperrt.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Ali İhsan İzbul, Generalkonsul der Republik Türkei in Düsseldorf, besuchte den Unternehmer İsmail Kızıltan, der auch Vorsitzender der DITIB Düsseldorf ist, und sprach ihm sein Beileid aus.

Beileid

Aufgrund der Wucht der Explosion wurden die umliegenden Straßen und die Autobahn gesperrt, während die Staatsanwaltschaft Düsseldorf die Ermittlungen aufnahm. Während der Vorfall in Deutschland große Empörung auslöste, kondolierte Marie Agnes Strack-Zimmermann, Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Deutschen Bundestages, schriftlich und erklärte: „Mein Mitgefühl gilt den Angehörigen derer, die bei diesem tragischen Vorfall ihr Leben verloren haben“ (Ahmet Özay, Düsseldorf, 17.Nisan.2024).

PABSEC Medal of Honour for Akkan Suver by the President of the Albanian Parliament Nikolla

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TIRANA. The President of the Albanian Parliament, Lindita Nikolla, has awarded the Medal of Honour of the Parliamentary Assembly of the Black Sea Economic Cooperation (PABSEC) to Dr Akkan Suver ( Marmara Foundation) and many other prominent personalities from other countries for their contribution to strengthening friendly relations and cooperation among the countries of the Black Sea region. During the ceremony, Dr Akkan Suver presented the Speaker of the Albanian Parliament, Lindita Nikolla, with a book titled ‚Albanian Literature‘, which he had published in Turkey fifty years ago, in 1974.

The Speaker of the Albanian Parliament, Lindita Nikolla, presented Dr Akkan Suver with the Medal of Honour for his contribution to strengthening friendly relations and cooperations between the countries of the Black Sea region. During the ceremony, Dr Akkan Suver presented the Speaker of the Albanian Parliament Lindita Nikolla with a book titled ‚Albanian Literature‘, which was published in Turkey fifty years ago in 1974.

The laureates together with Akkan Suver: Anna Purtova, Member of Parliament from Ukraine, Ramaz Nikolashvili, Member of Parliament from Georgia, Igor Becic, Member of Parliament from Serbia and Petro Koçi, Member of Parliament from Albania. The Albanian state had already awarded Dr Akkan Suver the Albanian Order of State in 2017 by President Bujar Nishani.

PABSEC, the acronym for the 13-country association, stands for Parliamentary Assembly of the Black Sea Economic Cooperation. (Türkische Allgemeine Wien, 14.05.2024)

For further information: https://www.pabsec.org/

DEUTSCH

PABSEC-Ehrenmedaille für Akkan Suver durch albanische Parlamentspräsidentin Nikolla

TIRANA. Die Präsidentin des albanischen Parlaments, Lindita Nikolla, überreichte Dr. Akkan Suver und vielen anderen prominenten Persönlichkeiten aus anderen Ländern die Ehrenmedaille der „Parlamentarischen Versammlung der Wirtschaftlichen Zusammenarbeit im Schwarzmeerraum“ (PABSEC) für ihren Beitrag zur Stärkung der freundschaftlichen Beziehungen und der Zusammenarbeit zwischen den Ländern der Schwarzmeerregion. Während der Zeremonie überreichte Dr. Akkan Suver der albanischen Parlamentspräsidentin Lindita Nikolla ein Buch mit dem Titel ‚Albanische Literatur‘, das er vor fünfzig Jahren, 1974, in der Türkei veröffentlicht hatte.

Die Medaillenempfänger zusammen mit Akkan Suver: Anna Purtova, Abgeordnete aus der Ukraine, Ramaz Nikolashvili, Abgeordneter aus Georgien, Igor Becic, Abgeordneter aus Serbien und Petro Koçi, Abgeordneter aus Albanien. Der albanische Staat hatte Dr. Akkan Suver bereits 2017 durch Präsident Bujar Nishani mit dem albanischen Staatsorden ausgezeichnet.

PABSEC, die Abkürzung für den 13-Länder-Verband, ist ein Akronym für die englischen Worte „Parliamentary Assembly of the Black Sea Economic Cooperation“, was so viel bedeutet wie „Parlamentarische Versammlung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit im Schwarzmeerraum“. (Türkische Allgemeine Wien, 14.05.2024)

Weitere Informationen: https://www.pabsec.org/

TÜRKÇE

Akkan Suver’e Arnavutluk Meclis Başkanı Nikolla’dan PABSEC Onur Madalyası

TİRAN. Arnavutluk Meclis Başkanı Lindita Nikolla, Karadeniz Bölgesi ülkeleri arasındaki dostane ilişkilerin ve işbirliğinin kuvvetlendirilmesine sağladığı katkılar vesilesiyle  Dr. Akkan Suver ve başka ülkelerden birçok önemli kişiliğe kısa adı PABSEC olan „Karadeniz Ekonomik İşbirliği Parlamenter Asamblesi’ni“  takdim etti.  Akkan Suver taktim sırasında Arnavutluk Meclis Başkanı Lindita Nikolla’ya  bundan elli yıl önce 1974 yılında Türkiye’de yayınlanan Arnavut Edebiyatı adlı kitabını sundu.

Akkan Suver ile birlikte Madalya Alanlar: Ukrayna Milletvekili Anna Purtova, Gürcistan Milletvekili Ramaz Nikolashvili, Sırbistan Milletvekili İgor Becic ve Arnavutluk Milletvekili Petro Koçi. Arnavutluk Devleti daha önce de, 2017 yılında Cumhurbaşkanı Bujar Nishani tarafından Dr. Akkan Suver’e Arnavutluk Devlet Nişanı sunmuştu.

13 ülkeden oluşan bir birliğin kısaltılmış hali olan PABSEC İngilizce „Parliamentary Assembly of the Black Sea Economic Cooperation“ olan „Karadeniz Ekonomik İşbirliği Parlamenter Asamblesi“ anlamına gelen kelimelerin kısaltılmış hali. (Türkische Allgemeine Wien, 14.05.2024)

Geniş bilgi:  https://www.pabsec.org/

8. Deutsch-Türkischer Wirtschaftstag: Herkunft spielt keine Rolle mehr – Wir sind deutsche UnternehmerInnen

8. Deutsch-Türkischer Wirtschaftstag:
Herkunft spielt keine Rolle mehr: „Wir sind deutsche UnternehmerInnen.“

Birol Kilic, Analyse und Beobachtungen aus Düsseldorf, 5. Mai 2024

Für einen Wiener Türken ist Düsseldorf nicht einfach eine Stadt im Westen Deutschlands, sondern ein aus Stein, Straßen und dem still dahinfließenden Rhein bestehendes Gedächtnis. Jede Ecke ist ein Echo deutscher Tradition, jeder Platz ein kultureller Ruf. Die Stadt bietet eine Atmosphäre, die die Eleganz der Vergangenheit mit der Dynamik der Gegenwart verbindet.

Doch heute betrachten wir eine andere Ebene: die Wirtschaft. Denn die Seele einer Stadt liegt nicht nur in ihrer Architektur, sondern auch in ihrer Produktion. Die Schaufenster Düsseldorfs sind nicht nur Orte des Konsums, sondern Spiegel für Kapital, Arbeit und die Verwandlung von Zeit. Hier ist Wirtschaft kein abstrakter Begriff, sondern das frühe Aufstehen, der Rhythmus der Fabriken, die Stille der Büros und der Puls der Börse.

Friedrich Nietzsche sagte: „Der Wert einer Sache liegt in der Bedeutung, die man ihr gibt.“ Auch Düsseldorfs ökonomische Struktur muss durch diese Bedeutungszuschreibungen gelesen werden. Aus der Perspektive einer Migrantin ist Wirtschaft nicht nur Beschäftigung, sondern auch Zugehörigkeit, Sicherheit und die Vorstellung von Zukunft.

Und die Literatur lehrt uns: Städte sind nicht nur geografische, wirtschaftliche sondern auch emotionale Karten. Düsseldorf ist für eine Wiener zugleich fremd und hoch vertraut, distanziert und aber einladend. Dieser Widerspruch bildet den Kern der modernen europäischen Erfahrung – ein Raum, in dem Grenzen verschwinden, aber Identitäten weiterhin verhandelt werden. Heute stehen wir hier auf Einladung eines Wirtschaftstages.

Der 8. Deutsch-Türkische Wirtschaftstag des ATIAD wurde vom türkischen Finanzminister Mehmet Şimşek gemeinsam mit dem Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen, Hendrik Wüst, eröffnet.

Der Verband der Türkischen Unternehmer:innen und Industriellen in Europa (ATİAD), der laut Eigendefinition seit seiner Gründung im Jahr 1992 überparteilich, überkonfessionell und unabhängig ist, veranstaltete am gestrigen 4. Mai 2024 im Congress Center Düsseldorf den 8. Deutsch-Türkischen Wirtschaftstag.

 

 

Der 8. Deutsch-Türkische Wirtschaftstag des ATIAD wurde vom türkischen Finanzminister Mehmet Şimşek gemeinsam mit dem Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen, Hendrik Wüst, eröffnet.

Der Verband der Türkischen Unternehmer:innen und Industriellen in Europa (ATİAD), der laut Eigendefinition seit seiner Gründung im Jahr 1992 überparteilich, überkonfessionell und unabhängig ist, veranstaltete am gestrigen 4. Mai 2024 im Congress Center Düsseldorf den 8. Deutsch-Türkischen Wirtschaftstag.

Deutsch-Türkische Wirtschaftstage im Congress Center Düsseldorf

Die gestrigen 8. Deutsch-Türkischen Wirtschaftstage von ATIAD verstehen sich, so Präsident Aziz Sarıyar, als Plattform, die allen Teilnehmern die Möglichkeit bieten soll, Informationen zu sammeln, sich inspirieren zu lassen, Visionen zu entwickeln und neue Beziehungen untereinander und miteinander zu knüpfen.

Teilnehmer 

Aziz Sarıyar (Vorstandsvorsitzender von ATİAD) und Hendrik Wüst (Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen) brachten mit ihren konstruktiven und erfrischend emphatischen Reden Schwung in den Wirtschaftstag.

Wüst: „Kannst du was, dann hast du was. Dann bist du was.“
Hendrik Wüst (Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen)

 

An dieser Stelle der junge und bemerkenswerte Politiker, der Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen Hendrik Wüst, mit seinem großen Einfühlungsvermögen, der nicht nur verbindet und Brücken baut, sondern auch Verantwortung überträgt, im O-Ton:

„Die traditionell guten und tiefen Beziehungen zwischen der Türkei und Deutschland haben auch mit der Zuwanderung seit Mitte der 50er Jahre zu tun. Noch besser und enger sind die Beziehungen zwischen Nordrhein-Westfalen und der Türkei. Die Zuwanderer aus der Türkei hatten die Chance zu arbeiten. Die Chance, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Die Chance, sich etwas aufzubauen. Die Chance, für sich, ihre Kinder und Enkelkinder eine gute Grundlage zu schaffen. Das war die Motivation, Deutschland mitzugestalten. Das ist auch typisch deutsch. Ich kenne das von meinen eigenen Eltern. Meine Eltern gehören zur Generation der Kriegskinder. Mein Vater ist Jahrgang 1938, meine Mutter ist Jahrgang 1942. Die haben, glauben Sie mir, genauso gelitten wie die Türken, die 1950 aus der Türkei nach Deutschland gekommen sind. Das Motto war: ‚Kannst du was, dann hast du was. Dann bist du was.‘ Das ist das Motiv, das uns verbindet. Unsere Großeltern, unsere Eltern und die Zuwanderer haben in die Hände gespuckt und dieses Land gemeinsam stark gemacht. Unsere Eltern wollten etwas aus ihrem Leben machen. Chancen nutzen. Hart arbeiten. Für uns Kinder war es wichtig, fleißig zu lernen, auch nach dem Motto: ‚Wenn du was kannst, dann hast du was. Dann bist du was.‘ Aber man musste auch was können. Wir sind stolz darauf, Bürgerinnen und Bürger unseres Landes zu sein. Sie haben unser Land vorangebracht und dafür danken wir ihnen von ganzem Herzen.“

Mehmet Şimşek (Finanzminister der Republik Türkei) warb als exzellenter PR-Finanzverantwortlicher des Landes mit Grafiken und Zahlen aus erster Hand um Vertrauen für die Türkei – keine leichte Aufgabe. Von der Türkei in Richtung Deutschland sind viele Brücken und Vertrauen, die in den letzten 60 Jahren in Deutschland mühsam aufgebaut wurden, durch Wahlkampfimporte aus der Türkei nach Deutschland abgebrochen.

Bemerkenswert
Wüst geht

Nach der Eröffnungsrede von ATIAD-Präsident Aziz Sarıyar sprach als zweiter Redner der Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen Hendrik Wüst. Ihm folgte der türkische Finanzminister Mehmet Şimşek. Bemerkenswert war, dass Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) während des Vortrags von Finanzminister Mehmet Şimşek (AKP) plötzlich aufstand, den Saal verließ und nicht mehr zurückkehrte, was bei den Gästen zu Irritationen führte. Weder vorher noch nachher gab es eine kurze Erklärung, warum Wüst den Saal verlassen musste, was zu einer doppelten Irritation führte, da sich niemand offiziell dazu äußerte und es zum Thema machte. Gegenüber allen BesucherInnen aus Düsseldorf, aus Deutschland und aus verschiedenen Ländern, falls es jemandem aufgefallen ist: dieser bemerkenswerte Akt eines Ministerpräsidenten ohne Entschuldigung und Erklärung – diplomatisch ausgedrückt – war unangenehm, besonders nach so wichtigen Worten des Herrn Ministerpräsidenten. Politik besteht nicht immer nur aus Worten, sondern auch aus Gesten, aus Körpersprache, aus der Art, wie man ein- und ausgeht, aus verschiedenen Symbolen, die manchmal mehr sagen als tausend Worte.

Update 10.05.2024 – Schriftliche Stellungnahme aus dem Büro von Ministerpräsident Wüst: „Ministerpräsident Hendrik Wüst hatte am 4. Mai 2024 nach der Eröffnung des deutsch-türkischen Wirtschaftstages einen Anschlusstermin, um die Festrede bei der Meisterfeier der Handwerkskammer Düsseldorf vor rund 2.500 Gästen zu halten. Dieser Anschlusstermin war den Veranstaltern bekannt. Selbstverständlich war es dem Ministerpräsidenten ein großes Anliegen, die Rede des türkischen Finanzministers Mehmet Şimşek zu hören. Da sich der Ablauf beim deutsch-türkischen Wirtschaftstag aber maßgeblich verzögert hatte, konnte der Ministerpräsident nicht bis zum Ende der Rede bleiben – gleichwohl er deutlich später abgereist ist und damit eine Verspätung bei der Handwerkskammer in Kauf genommen hat. Dies wurde den Veranstaltern auch entsprechend kommuniziert. In seiner Rede beim deutsch-türkischen Wirtschaftstag hat Ministerpräsident Hendrik Wüst seine große Wertschätzung der traditionell engen Verbundenheit und guten Zusammenarbeit zwischen der Türkei und Nordrhein-Westfalen zum Ausdruck gebracht.“

Christian Lindner (Bundesminister der Finanzen der Bundesrepublik Deutschland) konnte nicht persönlich an der Veranstaltung teilnehmen, übermittelte jedoch eine Videobotschaft, in der er die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei lobte und seine Unterstützung bekräftigte.

Ahmet Başar Şen (Botschafter der Republik Türkei in Berlin) unterstrich als Chefdiplomat der Republik Türkei und Deutschlands mit großer Eleganz die guten Beziehungen im positiven Sinne.

Der deutsch-persische Politiker Bijan Djir-Sarai (Generalsekretär der FDP) gewann Sympathien durch seine wache und ermutigende Art – kantig in der Sache, hart im Ton, aber höflich und vor allem herzlich im Umgang.

Akif Çağatay Kılıç (Chefberater des Präsidenten der Republik Türkei für Außen- und Sicherheitspolitik) ließ sich entschuldigen, weil er an einer Veranstaltung des Präsidenten und AKP-Vorsitzenden Erdoğan teilnehmen musste.

Jens Spahn (Mitglied des Deutschen Bundestages, Ex-Minister) ließ sich wegen des Verlustes eines Angehörigen entschuldigen.

Sehr bemerkenswert war, dass Stephan Keller, Bürgermeister der Stadt Düsseldorf, als regionaler Politiker – wo auch seine WählerInnen liegen – hier nicht live dabei war. Aber er schickte eine Videobotschaft. Immerhin.

Von rechts bis links: Ali Paşa Akbaş, Kemal Şahin, Birol Kılıç, İsmail Hacıoğlu

Der als Brückenbauer zwischen Deutschland und der Türkei bekannte Unternehmer Kemal Sahin nahm als Gründungsmitglied, erster Vorstandsvorsitzender und Beiratsvorsitzender von ATIAD ebenfalls an der Wirtschaftskonferenz teil.

Auch der bekannte Brückenbauer zwischen den Ländern, der Tourismusunternehmer Hüseyin Baraner, bereicherte den Wirtschaftstag mit seiner Anwesenheit.

Der Name Esma Gülten, Absolventin der Technischen Universität Istanbul und CEO der Firma Gizil GmbH in Deutschland, sollte man sich merken. Als Absolventin der Elektrotechnik, Nachrichtentechnik und Biomedizinischen Technik an der Technischen Universität Wien als Dipl.-Ing. kann ich nach ihrem Kurzvortrag nur eines schreiben: ein unglaublich kluger Kopf aus der Türkei. Sie ist neu als Fachkraft aus der Türkei nach Deutschland gekommen. Ein großer Verlust für die Türkei und ein großer Gewinn für Deutschland.

Erdal Kayacan (Professor an der Universität Paderborn und Präsident der Automatic Control Group (RAT)) ist ebenfalls neu in Deutschland und ein Gewinn für das Land. Er war einer der interessantesten Redner des Tages. Man sollte mehr von ihm hören.

 

Programmpunkte und Themen der Panels

Grundlagen für eine grüne Zukunft: Energievision, Künstliche Intelligenz und Wirtschaft, Soziale Verantwortung und Sozialwirtschaft in der Wirtschaft.

Bei den Podiumsdiskussionen haben folgende UnternehmerInnen und WissenschaftlerInnen den Wirtschaftstag bereichert:

Demet Karaca (Gründerin der Posting Boost GmbH), Dr. Christian Temath (Geschäftsführer der KI-NRW), Esma Gülten (Gründerin und Geschäftsführerin der Gizil GmbH), Sanem O’Sullivan (Director of Development, Product Technology and Application Manager, Cash Management Product Technology and Application Manager bei der Deutsche Bank AG), Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Dr. Şahin Albayrak (Gründer und Geschäftsführer von DAI Labor, Professor an der Technischen Universität Berlin), Prof. Dr. Erdal Kayacan (Professor an der Universität Paderborn und Präsident der Automatic Control Group (RAT)), Merve Navruz, Dr. Ali Ercan Özgür (Mitbegründer von İhtiyaç Haritası und INOGAR Cooperative), Enes Ün (ADIDAS Europe, Middle East and Africa (EMEA) Region Social and Environmental Affairs Director), Mert Fırat (UNDP Turkey Goodwill Ambassador, Mitbegründer von İhtiyaç Haritası und INOGAR Cooperative), Burkard F. M. Schemmel (Maersk – Northern Europe Sales Manager), Bernd Grube (Vice President Human Resources der Robert Bosch GmbH).

 

ATIAD-Präsident Sarıyar dankt der ersten Generation

Der ATIAD-Vorsitzende Aziz Sarıyar hat mit seiner tiefgründigen Rede nicht nur viele Menschen aus der Türkei in Deutschland angesprochen, sondern auch viele Menschen in der EU aus der Türkei, aber auch viele PolitikerInnen, Behörden und alle wichtigen Stellen in Deutschland. Einige Zitate im O-Ton:

„Unter uns sind viele Enkelkinder der ersten Generation. Ihre und meine Eltern haben dieses Land mit aufgebaut und stark gemacht. Die Erfolgsgeschichte der Bundesrepublik ist Ihr Verdienst. Und ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bei Ihnen allen für Ihr Engagement, Ihren Glauben an Deutschland und Ihre Leistungen für diese Generation bedanken. Das moderne Deutschland von heute ist ohne die Menschen mit türkischen Wurzeln nicht denkbar. Sie arbeiten in den unterschiedlichsten Berufen: vom Polizeidienst, in der Justiz, im Lehrberuf bis hin zum Gesundheitswesen, als KünstlerInnen, WissenschaftlerInnen. Sie leisten wissenschaftliche Pionierarbeit, moderieren Fernsehsendungen, gewinnen Migrantinnen und Migranten für Deutschland, engagieren sich politisch und ehrenamtlich, prägen Deutschland wirtschaftlich und kulturell. Die erste Einwanderergeneration, wo Deutschland sie als Gastarbeiter nach Deutschland eingeladen hat, hat hier die Grundlagen dafür gelegt, dass aus Arbeiterkindern UnternehmerInnen geworden sind.“

Herkunft spielt keine Rolle mehr: Wir sind deutsche UnternehmerInnen

„Die Erfolgsgeschichte dieser Deutsch-Türken und Deutsch-Türkinnen habe ich als ATIAD-Präsident in der Vergangenheit erzählt und diese Erfolgsgeschichte geht weiter. Ich verzichte aber heute darauf, die Zahl, den Umsatz oder die geschaffenen Arbeitsplätze der deutschtürkischen UnternehmerInnen zu aktualisieren. Sie sind heute fester Bestandteil der deutschen Wirtschaft, und es sind deutsche Unternehmen – und darauf sollte es ankommen, auch wenn es deutsch-türkische UnternehmerInnen sind. Wir sollten aufhören zu zählen, ob sie in der dritten, vierten Generation sind, ob sie 130.000 oder 200.000 UnternehmerInnen in Deutschland sind, ob sie 60 oder 90 Milliarden Euro Umsatz in Deutschland machen oder in welchen Branchen sie wie oft vertreten sind. Nicht, um diesen Menschen ihre Wurzeln oder ihre Herkunft zu nehmen, sondern weil es keine Rolle spielen soll, woher man kommt, wenn man in Deutschland eine Wohnung sucht, eine Schule besucht oder ein Vorstellungsgespräch hat. Niemand soll seine Herkunft und seine Wurzeln verleugnen müssen. Hier in Deutschland zu Hause zu sein, ist auch meine Heimat.“

„Deutschland ist ein Land mit Migrationshintergrund“

„Wir sind keine Gäste mehr in diesem Land. Wir, die Türkischstämmigen, sind keine Menschen mit Migrationshintergrund, sondern Deutschland ist ein Land mit Migrationshintergrund. Darauf sind wir auch stolz, und das sollten wir auch akzeptieren. Wer die Augen davor verschließt, Menschen nach ihrer Herkunft oder Religion beurteilt, wer Hass und Hetze verbreitet und die Ausweisung von deutschen StaatsbürgerInnen und Bevölkerungsgruppen fordert, weil sie sich nicht assimilieren wollen, der spaltet nur die deutsche Gesellschaft. Menschen und Parteien, die in diesen Zeiten auf Populismus, plumpe Parolen, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Islamophobie setzen wollen – das dürfen wir nicht zulassen. Dies ist nicht mein und auch nicht unser Deutschland. Deutschland ist einer der wichtigsten Handelspartner der Türkei, und umgekehrt: Die Handelsbilanz zwischen beiden Ländern wird 2023 mit 55 Milliarden Euro einen neuen Rekord erreichen.“

Türkei mit ihrer geostrategischen Lage als ideale Energiedrehscheibe für die EU

„Die Türkei mit ihrer geostrategischen Lage ist die ideale Energiedrehscheibe für Europa mit enormem Potenzial für die Wirtschaft. Die Türkei hat ein enormes Potenzial für die Produktion von grünem Wasserstoff aus erneuerbaren Energien und ist ein wachsender Markt dafür. Sie ist wichtig für Deutschland, weil Deutschland diese Energie aus der Türkei als Partnerland leicht beziehen kann.“

Türkei braucht die EU, die EU braucht aber auch die Türkei

„Die Türkei braucht die EU, aber die EU braucht auch die Türkei. Unabhängig von der politischen Situation in der Türkei darf die EU ihre Beziehungen zur Türkei nicht abreißen lassen. Es liegt im Interesse der EU, über die aktuelle Situation hinauszudenken. Auch eine EU-Vollmitgliedschaft der Türkei ist realistisch. Die EU-Türkei-Zollunion sollte so schnell wie möglich auf den Weg gebracht werden. Eine Modernisierung der Zollunion auf Agrarprodukte und Dienstleistungen verspricht große Möglichkeiten für deutsche und türkische UnternehmerInnen. Lassen wir uns diese Chance nicht entgehen.“

(Birol Kılıç, Analyse und Beobachtungen aus Düsseldorf, 5. Mai 2024)

PS: Als Österreicher und Wiener Publizist, Verleger und Unternehmer mit türkischen Wurzeln habe ich einige kurze Notizen aus meinen eigentlich langen Beobachtungen dieses interessanten Wirtschaftstages in Düsseldorf gemacht, den wir als Verlag auf eigene Kosten besucht haben. Düsseldorf ist wirklich eine sehr schöne und in ihrer Ursprünglichkeit treu gebliebene deutsche Stadt.In diese Stadt zu investieren, lohnt sich. Düsseldorf hat alles zu bieten: für Investoren ebenso wie für kreativ ausgebildete Menschen.

30 Jahre später noch einmal Solingen

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Die folgende „Analyse“ und Beobachtungen des seit über vierzig Jahren in Köln lebenden und für zahlreiche Medien tätigen Journalisten Ahmet Özay wurden in den letzten Wochen in überregionalen Zeitungen in der Türkei veröffentlicht.

Die „Türkische Allgemeine“ hat diese in türkischer Sprache verfasste Analyse mit Genehmigung sinngemäß ins Deutsche übersetzt, um den deutschsprachigen Leserinnen und Leser einen Überblick darüber zu geben, wie der Brandanschlag von Solingen in der Türkei und in der türkischen Community in türkischer Sprache wahrgenommen wird.

Ahmet Özay, Analyse und Dokumentation aus Köln, 01.05.2024

30 Jahre später wieder Solingen

 

Seit 50 Jahren steht Solingen mit seinen Gabeln und Messern im Mittelpunkt der Herzen der türkischen Familien. Mit einem Brand nach dem anderen ist Solingen zu einer tiefen Wunde in den Herzen der türkischen Familien geworden.

Es handelt sich nicht um eine Messerwunde, sondern um eine Brandwunde.

Die grenzenlose Trauer führt uns heute untrennbar zusammen: Türken und Deutsche, Verwandte, Nachbarn, politisch Verantwortliche, mit den Worten, Brüder und Schwestern. Wir trauern um Saime Genç, Hülya Genç, Gülistan Öztürk, Hatice Genç und Gürsun İnce, fünf unschuldige Menschen, die einer heimtückischen Unmenschlichkeit zum Opfer fielen. Im ersten Artikel unseres Grundgesetzes heißt es: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“.  Die Morde in Solingen waren keine zusammenhangslosen Einzeltaten, sondern das Ergebnis eines rechtsextremen Klimas“.

Mit diesen Worten wandte sich der von den Deutschtürken hoch geachtete und geschätzte Bundespräsident Richard von Weizsäcker am 3. Juni 1993 in seiner Rede in der Kölner Zentralmoschee anlässlich der Gedenkfeier für die Opfer von Solingen, die zur Familie Genç gehörten, an die Trauergemeinde.

Dreißig Jahre sind seit diesen ernsten Worten vergangen. Bei allem Respekt: Hat unser geliebtes Deutschland mit seiner leidvollen Geschichte und seinen Erfahrungen etwas aus dem Brandanschlag von Solingen im Jahr 1993 gelernt?

Bei dem Brandanschlag in Solingen am 25. März 2024 wurde eine türkischstämmige bulgarische Familie aus dem EU-Land Bulgarien getötet. Im Zusammenhang mit dem Brandanschlag in Solingen hat die deutsche Polizei am 10.04.2024 Daniel S. als Tatverdächtigen für den Mord an vier Türken durch Brandstiftung benannt. Am 30.04.2024 wurde Haftbefehl wegen Mordes erlassen. Der 39-jährige Daniel S., der während des Mordversuchs die Naziparole „Sieg Heil“ rief, muss sich als Tatverdächtiger wegen Mordes, versuchten Mordes und besonders schwerer Brandstiftung mit Todesfolge verantworten. Wir stehen vor einer neuen Tragödie mit mysteriösen Spuren in Solingen.

Dreißig Jahre sind seit der ersten großen Tragödie vergangen. Am Morgen des 25. März 2024 um 02.47 Uhr starben in Solingen 4 türkische Landsleute aus Bulgarien und 3 Türken wurden in einem Wohnhaus, in dem 10 Personen lebten, schwer verletzt. Die Familien, die in dem Gebäude verbrannten, verletzt wurden und deren Häuser beschädigt wurden, sowie der Eigentümer des Gebäudes arbeiten in der Baubranche. Das Gebäude gehört offiziell auch der Ehefrau eines türkischen Geschäftsmannes.

Als der Vorfall bekannt wurde, war der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Hendrik Wüst, der erste Politiker, der von einer Tragödie sprach. Der Solinger Oberbürgermeister Tim Kurzbach, Çağatay Kılıç, Beauftragter für Außenpolitik im Präsidialamt der Republik Türkei, Ahmet Başar, Botschafter der Republik Türkei in Berlin, und Ali İhsan İzbul, Generalkonsul der Republik Türkei in Düsseldorf, unterstrichen mit ihren Beileidsbekundungen die dramatische Dimension der „Tragödie“.

Deutsch-Türkische Parlamentarier
in Deutschland

Der Brandanschlag hat sowohl in Bulgarien als auch in Deutschland und der Türkei Empörung ausgelöst. Der eigentliche Grund für die Empörung in Bulgarien waren nicht die Folgen des Brandes, sondern das Eingreifen der Türkei und die von der türkischen Presse verbreiteten Nachrichten über die Tragödie. Aus Sofia wurde eine Delegation nach Deutschland entsandt, um die bulgarischen Türken zu vertreten.

Zwei Tage nach dem Brand erklärte der zuständige Wuppertaler Staatsanwalt Heribert Kaune-Gerbart offiziell, dass es sich um „Brandstiftung“ handele und eine Mordkommission wurde eingerichtet.

Eine türkische Delegation der Bewegung für Rechte und Freiheiten (HÖH) aus Bulgarien, bestehend aus Ilhan Kucuk, Mitglied des Europäischen Parlaments, Halil Letifov, Mitglied des bulgarischen Parlaments, und Celal Faik, Vertreter des Mufti-Büros in Sofia, trafen in Solingen ein, um die Ermittlungen aufzunehmen und die Beerdigung zu organisieren.

Auf Initiative der türkischen Religionsgemeinschaft ( DITIB ) aus Köln wurden die Leichen mit einer Maschine der Turkish Airlines über Düsseldorf nach Istanbul überführt. An der Beerdigung nahm kein Diplomat teil, der Bulgarien in Deutschland vertritt. Nach den Trauergebeten wurden Ismail, Kiymet, Gizem und Elis Zhilov in dem von der türkischen Religionsbehörde organisierten Bestattungswagen in dem Dorf Köstek bei Plovdiv (Bulgarien) beigesetzt und dafür von Istanbul ca. 420 km weit überführt. Wie genau ist es zu sagen, dass sie begraben wurden? Denn von den beiden verbrannten Kleinkindern blieben nur zwei winzige leere Särge übrig.

Das alles geschah nur 24 Stunden nach der Beerdigung von vier Menschen, die beim Brand in Solingen ums Leben gekommen waren. Schock, Verzweiflung und Trauer waren groß… Während die Angehörigen auf dem Friedhof im bulgarischen Dorf Köstek und die Schwerverletzten in den Krankenhäusern lagen, ereignete sich am Freitagnachmittag, dem 5. April 2024, in der Stadt Solingen eine interessante Entwicklung.

Versuchter Abriss des Gebäudes

In dem ausgebrannten Haus in der Grünwalder Straße 69 in Solingen hatte eine türkische Baufirma mit verdächtigen „Aufräum- und Bauarbeiten“ begonnen.

In den Trümmern des Hauses, in denen die Erinnerung an den Feuertod noch lebendig war, wurden die Spuren der Tragödie der Brandnacht von einer türkischen Firma beseitigt. Die Nachricht von diesem Vorfall löste bei den Deutsch-Türken große Empörung aus. Ohne Zustimmung der Angehörigen und Anwälte der Opfer wurden persönliche Gegenstände, Dokumente, Geld und Gold in weißen Säcken in Container geworfen. Man drang in das Gebäude ein, indem man die Siegel entfernte und Gerüste errichtete, obwohl Wochenende war. Wären die Arbeiter nicht Türkisch sprechende Deutsch-Türken, wüsste man nicht, was vor sich geht.

Strafanzeige

 Adnan Menderes Erdal, der Anwalt der bei dem Brand schwer verletzten bulgarischen Türkin Ayşe Kostantinova, hat bei der Polizei Solingen Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch und Vernichtung von Beweisen für eine Brandstiftung erstattet. Die Anzeige wurde bis heute nicht beantwortet und die Baumaßnahmen, die die Substanz des Gebäudes verändern würden, wurden nicht verhindert.

Rechtsanwalt Erdal beauftragte sofort ein deutsches Ingenieurbüro mit der Erstellung eines Gutachtens über das Haus, in dem die Treppe komplett eingestürzt war.

Die Opfer hatten keine Fluchtmöglichkeit. Der einzige Ausweg war, um ihr Leben zu rennen und die Treppe zu erreichen. Doch die 16 Meter tiefe Holztreppe verschluckte die Familie in einem Flammenmeer. Bei dem „Dachboden“, auf dem die vier Türken verbrannten, handelte es sich nicht um ein Haus, sondern um einen „Dachspeicher“. Ein Speicher ist ein Gebäude, in dem (oft verderbliche) Waren gelagert werden. Schuld daran war nicht nur der Vermieter, sondern auch die Stadt Solingen, die die Vermietung genehmigt hatte. Möglicherweise wollte man sich durch den Eingriff in das Gebäude von seinem schlechten Gewissen und dem Gesetzesverstoß befreien.

Obwohl Staatsanwaltschaft und Stadtverwaltung den Abriss des Hauses genehmigt hatten, stellt sich die Frage: Mit welchem Recht? Denn in den Wohnungen befanden sich noch Ausweispapiere, Registrierungen, Geld und Gold, kurzum die persönlichen Gegenstände der Familie. Das Gutachten des Anwalts der Familie, in dem es heißt: „Das Gebäude kann unter diesen Umständen nicht abgerissen werden“, dokumentiert zumindest die herzlose Haltung der deutschen Behörden.

Mord verdächtiger wird festgenommen

 Fünfzehn Tage nach der Tat teilte die Staatsanwaltschaft mit, dass ein 39-jähriger Deutscher als Täter festgenommen worden sei. Mitglieder der Mordkommission und Oberstaatsanwalt Heribert Kaune-Gerbart gaben in der Staatsanwaltschaft Wuppertal eine Pressekonferenz. Sie gaben bekannt, dass der Tatverdächtige, ein 39-jähriger Deutscher aus Solingen, auf frischer Tat ertappt wurde, als er einen deutschen Freund mit einem 40 Zentimeter langen Dolch töten wollte.

Der Staatsanwalt sagte, er habe während des Angriffs auf seinen schwer verletzten Freund die Naziparole „Sieg Heil“ gerufen.

Mit anderen Worten: Daniel S., der auf frischer Tat ertappt wurde, als er seinen Freund erstach, hatte auch das Haus einer türkischen Familie angezündet. Diese Aussage an sich enthielt schon viele Merkwürdigkeiten. Hier möchte man eine Antwort auf folgende Frage: Wenn der Verdächtige bekannt war, warum hat man ihn dann nicht in Gewahrsam genommen und ihn einen anderen Menschen abschlachten lassen? Die deutsche Öffentlichkeit und ein Teil der Presse bezeichneten den Brandstifter sofort mit sehr bedenklichen und falschen Adjektiven wie „Machetenmörder“, was impliziert, dass der Täter ein Araber oder Angehöriger einer anderen muslimischen Nation gewesen wäre, wo unterschwellig die „Täter-Opfer-Umkehrmethode“ verwendet wird.

Jetzt wird der Deutsche, der die Türken in Solingen verbrannte, als „Machetenmörder“ bezeichnet, obwohl bei diesem Brandanschlag keine Machete im Spiel war. Sehr traurig. Warum werden die Morde an der bulgarischen Familie mit türkischen Wurzeln verharmlost? Noch merkwürdiger ist, dass der Grund für die Verhaftung von Daniel S. am Anfang nicht Brandstiftung war, sondern versuchter Mord durch Verletzung eines Menschen. Jetzt ist es raus: Der 39-jährige Daniel S., der während des Mordversuchs die Naziparole „Sieg Heil“ rief, muss sich als Tatverdächtiger wegen Mordes, versuchten Mordes und besonders schwerer Brandstiftung mit Todesfolge verantworten. Wir stehen also vor einer neuen Tragödie mit rätselhaften Spuren in Solingen.

Wer ist der Brandstifter Daniel S.?

Daniel S. wohnte zur Miete im Haus eines deutsch-türkischen Unternehmers, das er in Brand setzte. Er hatte Probleme mit dem Vermieter und wurde rechtmäßig aus der Wohnung gekündigt.

Über den Bildungshintergrund von Daniel S., der während des Mordversuchs „Sieg Heil“ rief, liegen keine offiziellen Informationen vor. Er war in Solingen in der Technoszene aktiv, ein Deutscher mit „SS“- oder „Nazi“-Frisur. Sein Freund René A., den er mit einem Messer verletzte, ist Fan von Neonazi-Bands. Er war auch Nachbar einer Deutsch-Türkin, deren Haus in Solingen mit einem Molotow-Cocktail angezündet und deren Briefkasten mit einem Hakenkreuz beschmiert wurde. Warum der mutmaßliche Mörder das Haus angezündet hat, kann die Polizei offiziell nicht sagen. Der Leiter der Ermittlungskommission betont, dass es sich bei dem Verdächtigen „nicht um einen Drogendealer“ handelt. Er gibt Hinweise auf den Verdächtigen, indem er erklärt, sie hätten aus der Presse erfahren, dass er „dem Vermieter Miete schuldete“. Diese Hinweise lassen vermuten, dass die Ursache der Brandstiftung nicht im Privatleben des Verdächtigen, sondern auch in seinen sozialen Beziehungen zu suchen ist.

Überraschende Aussage

Während die deutschen Behörden davon ausgingen, dass die Brandstiftung von einem Einzeltäter aus persönlichen Gründen begangen worden sein könnte, trat drei Tage nach der Pressekonferenz am 13. April 2024 eine Zeugenaussage in den Vordergrund, die das gesamte Narrativ verändern sollte.

Ayşe (23), die in der Brandnacht mit ihrem Mann Nihat (26) und dem Baby Salih aus dem dritten Stock des Hauses 12 Meter in die Tiefe gesprungen war und sich dabei schwer verletzt hatte, gab in ihrer Aussage bei der Polizei an, wie das Haus in Brand gesetzt wurde. Die Aussage von Ayşe Kostadincheva wird in einem Kölner Krankenhaus in türkischer Sprache aufgenommen. Ayşe erzählt, was schriftlich dokumentiert wurde: „Wir wachten durch die Schreie unserer Cousins auf, die im oberen Stockwerk gestorben waren. Wir sahen den Rauch und wussten, dass es brannte. Wir öffneten die Schlafzimmertür. Wir rutschten aus und fielen in den kleinen Flur. Es war nass.“

Aus dieser Aussage geht hervor, dass, bevor die Holztreppe am Eingang des Gebäudes in Brand gesetzt wurde, brennbares Material unter die Wohnungstüren geschüttet wurde, eine nach der anderen. Dies widerlegt die These, dass das Gebäude aus Wut über den gekündigten und nun verhafteten Vermieter Daniel S. angezündet wurde. Es hat sich gezeigt, dass der Brandstifter Daniel S. den Brand nicht nur geplant hatte, um das Haus niederzubrennen, sondern auch, um die Bewohner einzeln zu ermorden. Auf dieser Grundlage haben die Anwälte nun eine zweite Strafanzeige vorbereitet.

Tragödie im Europäischen Parlament

Der Brandanschlag in Solingen und seine rätselhaften Folgen standen auf der Tagesordnung des bulgarischen Parlaments und des Europäischen Parlaments. Der türkischstämmige bulgarische Abgeordnete der Bewegung für Rechte und Freiheiten, Ilhan Kucuk, sagte bei der Sitzung in Straßburg zu dem Brand, bei dem vier unserer Landsleute ums Leben kamen: „Wir können nicht zulassen, dass das, was in Solingen passiert ist, im Dunkeln bleibt. Es ist zu befürchten, dass mit dem Abriss der Wohnungen begonnen wurde, bevor die Ermittlungen abgeschlossen waren, und dass versucht wurde, das Gebäude abzureißen. Dies lässt Zweifel an der Objektivität der Untersuchung aufkommen.“

Der türkischstämmige bulgarische Abgeordnete der Bewegung für Rechte und Freiheiten, Ilhan Kucuk.

 

Es ist das erste Mal, dass die Selbstverbrennung von Bürgern eines anderen europäischen Landes in einem europäischen Land in den Akten des Europäischen Parlaments verzeichnet ist und in die Geschichte eingeht.

Parlamentarische Delegation nach Solingen

Seda Gören Bölük, Abgeordnete der AK-Partei Istanbul, Mitglied des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten und Mitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarates, kondolierte mit einer Delegation den Opfern von Solingen.

Am 25. März besuchte Seda Gören Bölük, Abgeordnete der AK-Partei, das Gebäude, das in Solingen in Brand gesteckt wurde, erhielt Informationen von Ali İhsan İzbul, Generalkonsul in Düsseldorf, und legte anschließend vor dem Gebäude Blumen nieder und betete im Gedenken an die Opfer.

Ort des Geschehens im abgebrannten Gebäude

Während des Besuchs der türkischen Delegation in Solingen traf Adnan Menderes Erdal, der Anwalt der Familie, mit zwei Pressevertretern vor dem Eintreffen der offiziellen Delegation am Tatort ein. Als sie am Tatort eintrafen, stellten sie fest, dass die Eingangstür des Gebäudes entfernt worden war und sich Arbeiter im Gebäude befanden. Adnan Menderes Erdal, der von Augenzeugen darüber informiert worden war, dass die Arbeiter im „Dachspreicher“, in dem vier unserer Mitbürger starben, körperlich eingriffen, kletterte auf das 16 Meter hohe Gerüst und fotografierte zusammen mit zwei Pressevertretern das verbrannte Innere des Gebäudes.

Als sie im vierten Stock auf dem Dach ankamen, sahen sie, dass die Arbeiter auf dem Gerüst an der Fassade des Gebäudes arbeiteten. Die linke und die obere Seite der beiden Lüftungsfenster im Dachgeschoss, in denen vier Menschen ums Leben gekommen waren, waren von den Arbeitern herausgeschnitten worden, um den Bau des Gebäudes zu behindern, und die Fenster waren mit Hilfe der Arbeiter, die sich nach dem Brand im Gebäude befanden, vergrößert worden.

Pressekonferenz von
Bundespräsident Steinmeier

Der zweite Brandanschlag in Solingen war auch Thema beim Besuch des deutschen Bundespräsidenten Frank Walter Steinmeier in Ankara am 24. April.2024.

Bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Bundespräsidenten brachte Staatspräsident Erdoğan den Brandanschlag auf die Tagesordnung und sagte: „Wir haben bei einem ähnlichen Anschlag in Solingen vier unserer Brüder und Schwestern geopfert. Ich habe unsere Erwartung geteilt, dass dieser Vorfall vollständig aufgeklärt wird.“

In der Fragerunde der Pressekonferenz fragte ein türkischer Journalist Bundespräsident Steinmeier: „Die rassistischen Übergriffe auf türkischstämmige Bürger in Deutschland gehen weiter. Zuletzt kamen vier Türken bei einem Brandanschlag ums Leben. Unternimmt die Bundesregierung nichts gegen diese Übergriffe? Welche Maßnahmen werden Sie gegen rassistische Strukturen in Deutschland ergreifen?“

Bundespräsident Steinmeier antwortete auf diese Frage wie folgt: „Ich habe gesagt, dass mich der Vorfall, den Sie angesprochen haben, genauso erschüttert wie Sie. Der letzte Brandanschlag in Solingen ist etwas anderes. Am Jahrestag des Anschlags wurde in Solingen eine Rede gehalten. Wir konnten uns nicht vorstellen, dass sich nach einer so wirkungsvollen Veranstaltung so etwas wiederholen könnte. Leider hat es einen neuen Anschlag gegeben. Die deutschen Sicherheitskräfte und die deutsche Justiz werden die Täter zur Rechenschaft ziehen.“

„Wenn wir sagen, es ist vorbei, ist es nicht vorbei!“

Seit dem Brandanschlag auf neun Deutschtürken in Ludwigshafen im Jahr 2007 haben die Deutschtürken den deutschen Behörden immer wieder die Möglichkeit gegeben, ihre Fehler zu korrigieren. Die deutschen Behörden haben diese Haltung der Deutschtürken jedoch als Schwäche empfunden und ignoriert. Während die Deutschtürken in Deutschland versuchen, die Missverständnisse zwischen Deutschen und Türken abzubauen, indem sie ihren Schmerz heilen, schüren die deutschen Behörden durch ihr bewusstes Vorgehen Vorurteile und fördern das Anwachsen von Misstrauen. Während unserer Recherchen erreichte uns in letzter Minute eine Information. Wir haben erfahren, dass das von türkischen Familien niedergebrannte Haus am 9. November 2022 ebenfalls angezündet wurde. Der Tag, an dem das Haus vor zwei Jahren niedergebrannt wurde, ist auch der Jahrestag der Reichspogromnacht am 9. November 1938, dem Tag, an dem der Völkermord an den Juden begann.

Haben Sie schon einmal
ein Kind  verbrennen sehen?

Der erste Brandanschlag in Solingen im Jahr, bei dem fünf Deutsche türkischer Herkunft starben, war ein rassistischer Einschüchterungsversuch gegen die junge Solinger Familie, die in dem Haus wohnte.

Der letzte Brandanschlag am 25. März 2024 in Solingen war ein Massaker mit dem Ziel, die gesamte in dem Haus lebende türkische Familie zu vernichten. Unsere Beobachtungen und Hörungen am Ort des Geschehens in Solingen haben etwas Unglaubliches gezeigt: „Die Täter sind für diese Menschen keine gewöhnlichen Menschen. Sie sind keine Mörder, sondern heimtückische Dämonen unter uns!”

Eine wichtige Beobachtung und Erfahrung habe ich als einfacher Mensch nach dem ersten Solinger Brand jetzt wieder in Solingen und anderen Bränden in Deutschland gemacht, wo ich aus beruflichen Gründen als Berichterstatter war:  Wenn man nach einem tödlichen Brandanschlag in Deutschland vor dem Haus steht, gibt es einen großen Moment der Besinnung. Ein unverwechselbarer Brandgeruch, den man ein Leben lang nicht mehr los wird, brennt sich in die Seele ein. Dieser Geruch begleitet einen für den Rest des Lebens.

Jedes deutsch-türkische Kind, vor dessen Haus ich bei den Brandanschlägen in Mölln, in Solingen, in Ludwigshafen und wieder in Solingen gestanden habe, fordert uns auf, diese Frage zu stellen; Ob Polizei, ob Staatsanwaltschaft, ob Bürgermeister, ob PolitikerInnen sogenannter türkischer Herkunft in Deutschland, die nicht einmal zur Beerdigung von durch Brandanschläge ermordeten deutsch-türkischen Kindern kommen können, ist auch eines eurer Kinder verbrannt worden?

Wir müssen aufwachen, aufpassen und wachsam sein.

Für ein friedliches und rechtsstaatliches Deutschland, das mit keinem anderen Land vergleichbar ist und sein wird, wünschen sich die Deutsch-Türken die beste Lösung für die Zukunft. (Ahmet Özay, Köln, Analyse und Dokumentation Köln, 01.05.2024)

Info:
Ahmet Özay ist deutsch-türkischer Journalist und lebt seit über 40 Jahren in Köln. Seine journalistische Laufbahn begann er beim WDR Köln. Zwischen 1993 und 1995 berichtete er für die BBC und die DW über den Solingen-Prozess vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf. Er war Europa-Chefredakteur der Zeitung Sabah in Frankfurt und Leiter der Krim-Nachrichtenagentur in Kiew und arbeitet heute als freier Journalist für verschiedene Zeitungen im In- und Ausland.